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    "Immer schön die Ballons halten" – neuer Roman von Tobi Katze


    Henriette Liebling ist unzufrieden mit ihrem Leben. Allerorten steckt sie in Sackgassen und hat sich eingerichtet in der Ereignislosigkeit mit einem sicheren, aber langweiligen Job, einer schönen, aber sterilen Wohnung und einer netten, aber monotonen Beziehung. Ganz klar: Das ist nicht ihr «Lieblingsleben». Das ist höchstens Plan B. Und so steht sie vor der Frage: Wie wird man eigentlich erwachsen, ohne sich selbst aufzugeben? Und:Muss sie ihr Leben ändern - oder sogar sich selbst? Tobi Katze erzählt über das Gefühl, elegant aus der Reihe zu tanzen, und ganz allgemein über die unscheinbaren Momente, in denen das größte Glück ein eigener, querer Kopf ist.

    Trottoir-online-Redakteur Stefan Ludwig sprach mit Autor Tobi Katze über seinen neuen Roman. Der Vorgänger "Morgen ist leider auch noch ein Tag" wurde ein Bestseller, nun steht der Nachfolge-Roman "Immer schön die Ballons halten" frisch im Regal.

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    Stefan Ludwig: In eigenen Worten: Worum gehts?

    Tobi Katze: Nun, ums Erwachsensein und Erwachsen werden tatsächlich. Vor allem geht’s, glaube ich, darum, seine Individualität nicht zu verlieren, egal wie alt man wird und seine eigenen Vorlieben nicht zu verlieren und das, was einen als Menschen ausmacht. Dass man das nicht ablegen muss, nur weil man in ein gewisses Alter kommt. Ich glaube, das ist so die Grundbotschaft von diesem Buch. Dass man immer sein darf, wer man ist, und dass es nie zu spät ist, was zu ändern am eigenen Leben, wenn einem irgendetwas nicht gefällt.

     

    Stefan Ludwig: Warum gehts nicht?

    Tobi Katze: Es ist keine Anleitung zum Erwachsensein, das ist das, was man auf jeden Fall über dieses Buch sagen kann. Wer da Ratschläge im Sinne von „Tun Sie dieses und jenes“ erwartet, wird sehr enttäuscht werden. Es ist eine Geschichte über einen Menschen, der Erwachsensein nicht verstanden hat.

    Stefan Ludwig: Und dann klingelte es an der Tür... Der heilige Moment des In-der-Hand-haltens des eigenen Buchs. An was erinnerst Du Dich?

    Tobi Katze: Das ist verrückt, immer wieder aufs Neue ist das verrückt. Ich kann mich daran erinnern, dieses Paket aufgerissen zu haben und fünfmal von diesem Cover angestarrt worden zu sein. Es war ein ganz fantastisches Gefühl, diese ganzen Bücher da so auf einen Blick vor sich zu sehen und sich zu denken: Krass, das ist das, woran Du das letzte Jahr gearbeitet hast und das ist jetzt fertig. Das hat schon was von ner Geburt, auf jeden Fall. Vielleicht ist die Bindung emotional nicht ganz so stark wie zu einem Kind, aber es ist trotzem aus einem selbst erwachsen. Ein geiles Gefühl, es endlich fertig und entgültig da zu haben.

    Stefan Ludwig: Vielleicht eine schwierige Frage, aber was hast Du mit Deinem Buch "Morgen ist leider..." lernen können? Erfahrungen? Womit bist Du weitergekommen?

    Tobi Katze: Na gut, ich bin auf ner technischen Ebene – wie so der Schreibprozess für mich funktioniert – wesentlich weitergekommen. Ich hab für mich gelernt, wie ich funktioniere, wie ich vielleicht ein bisschen kraftsparender Bücher konzipieren kann, wie ich auf Ideen komme, wie ich Ideen weiterentwickle. Ich hab gelernt, wo meine Stärken liegen und auch wo meine Schwächen liegen. Ich hab versucht, das in so einem nächsten Buch anzugehen, auch meine Schwächen zu trainieren, damit ich dort nicht mehr ganz so stark bin. Ich bin nach wie vor – was einen stringenten Plot angeht – nicht so der Fiteste – deswegen hab ich versucht, das diesmal ein bisschen zu forcieren und nicht so ausschnittsweise zu erzählen, obwohl mir das sehr liegt und ich das sehr mag. Aber man muss sich ja immer selbst so ein bisschen herausfordern. Das hab ich auf jeden Fall gelernt. Ich hab gelernt, mit Kritik umzugehen, ob die jetzt berechtigt oder unberechtigt ist. Gerade weil das Thema Depressionen so schwierig war. Depressionen sind nicht so das einfachste Thema, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich habe auch immer wieder Gegenwind dafür bekommen – meistens von Menschen, die das Buch nicht gelesen haben – aber sich darüber empören wollten, damit habe ich gelernt umzugehen. Außerdem bin ich reicher geworden an Bühnenerfahrung, wie man lange erzählende Texte auf die Bühne bringt, das hat mich ein ganzes Stück nach vorn gebracht, was das Arbeiten in diesem Literaturbetrieb angeht. Das fand ich ganz spannend.

    Stefan Ludwig: Vor Dir steht die spannende Zeit erster Lesungen und wahrscheinlich hast Du Dir auch schon ein Ticket für die Frankfurter Buchmesse gelöst. Was kommt in den nächsten Tagen und Wochen?

    Tobi Katze: Ein Ticket für die Frankfurter Buchmesse hab ich tatsächlich noch nicht, ich werde auf jeden Fall hinfahren. Es ist noch nicht so ganz klar, wann das in meinen Kalender passt. In den nächsten Wochen steht noch an, am Bühnenprogramm zu schrauben. Es ist gar nicht so leicht, dieses Buch in einen unterhaltsamen Bühnenabend zu verwandeln, weil es eben nicht so witzig ist wie das letzte Buch. Das ist Neuland für mich. Es ist ein unterhaltsames Buch, aber es ist eben nicht per se witzig wie es das letzte Buch war. Deshalb muss ich das ein bisschen anders angehen, das auf die Bühne zu bringen. Daran schraube ich noch. Direkt einen Monat nach Veröffentlichung hat es die Live-Premiere. Da liegt also noch ein bisschen was vor mir. Ich bin sehr gespannt.

    Stefan Ludwig: In manchem Buch findet jeder Leser seine eigenen Antworten. Für wen ist "Immer schön die Ballons halten" geschrieben?

    Tobi Katze: Eine gute Frage. Eigentlich ist es natürlich für jeden geschrieben, aber das stimmt natürlich nicht. Ich glaube, es ist eher für Menschen, die schon jenseits der 20 vielleicht sind und ein bisschen das Gefühl haben, in ihrem Leben zu stagnieren oder ein bisschen unglücklich zu sein und sich so ein bisschen in eine Ecke gedrängt fühlen vom Leben, weil man Dinge halt so tut. Für diese Menschen könnte es sehr spannend sein, das Buch zu lesen. Zumindest wa das so die Ausgangsposition, aus der heraus ich dieses Buch geschrieben habe.

    Stefan Ludwig: Du verschenkst Dein Buch an drei bekannte Persönlichkeiten. Wen wählst Du?

    Tobi Katze: Nora Tschirner und Sarah Kuttner auf jeden Fall, weil ich sehr sehr mag, was die beiden beruflich tun und einfach hoffen würde, dass es ihnen gefällt. Nur, um ihnen eine Freude zu machen. Die dritte Person Alice Weidel. Warum gerade die? Weil ich das Gefühl habe, dass die Frau ein paar Lebensentscheidungen getroffen hat, die sie vielleicht nochmal überdenken könnte.

     

    Über Tobi Katze:

    Tobi Katze, geboren 1981, tritt seit mehr als zehn auf Poetry Slams und Lesebühnen auf. Er gewann 2007 den LesArt-Preis der jungen Literatur und 2014 den Bielefelder Kabarettpreis für sein erstes Bühnenprogramm „rocknrollmitbuchstaben“. Im Januar 2014 startete er auf stern.de seinen Blog „Das Gegenteil von traurig“ über Leben und Arbeit mit Depressionen. Im September 2015 veröffentlichte Rowohlt seinen zweiten Erzählband „Morgen ist leider auch noch ein Tag“. Das hochgelobte Buch über Depression (Prädikat „Absolut lesenswert“ in WDR 2 Bücher) stürmte wochenlang die Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste. Aktuell tourt er mit dem gleichnamigen abendfüllenden Bühnenprogramm. Im September 2017 erscheint seine neue Erzählung „Immer schön die Ballons halten“ bei Rowohlt. Das gleichnamige Bühnenprogramm feiert im Oktober 2017 Premiere.

    WebLink: Tobi Katze

     

    Live:

    19.10.17        Fletch Bizzel, Dortmund

    06.12.17        Zeche Carl, Essen

    07.12.17        Rotunde, Bochum

     

    Redaktion: Stefan Ludwig  


    Bildnachweis:
    Tobi Katze Foto: Sandra Limberg


    2017-10-07 | Nr. 97 | Weitere Artikel von: Stefan Ludwig



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