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    „Kommt da echtes Publikum?“


    Über das Potential zirkuspädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

    Sven Nitsch ist Zirkuspädagoge. Wenn er sich auf den Weg zur Arbeit macht, kann er nicht nur Kinderträume erfüllen, sondern erfüllt sich seinen eigenen Kindertraum.

    Zirkuszelte_Theater MetronomBei dem studierten Sonderpädagogen begann alles mit einem Zirkusschulprojekt in der Grundschule. Die Begeisterung für den Zirkus blieb. Im 2002 gegründeten Zirkus- und Artistikzentrum Köln (ZAK) war er einer der ersten Teilnehmer der zirkuspädagogischen Fortbildung, hier vertiefte er sein Wissen und Können. Heute leitet er dort den Erwachsenenbereich, zu dem auch die berufsbegleitende zirkuspädagogische Fortbildung gehört, und ist Kursdozent im Kinder- und Jugendbereich. In einer üblichen Woche unterrichtet er momentan 80 Kinder und Jugendliche, von vier Jahren an aufwärts, sowie 35 Erwachsene.


    „Zirkus stellt keine Fragen. Stellt nicht die Frage, wer und woher du bist.

    Zirkus stellt nur die Frage, ob du dabei sein möchtest, und dann geht es los.“

    „An manchen Tagen begegne ich fünf unterschiedlichen Gruppen, auch neuen Gruppen, eins ist bei allen gleich: sie wollen sich bewegen und ausprobieren. Zirkus besitzt einen hohen Aufforderungs- und Mitmachcharakter, das ist das Tolle, was wir uns in der Zirkuspädagogik zunutze machen“, so Sven Nitsch. Für Kinder und Jugendliche ist es spannend, ihren Bewegungs- und Spieldrang ausleben zu können. Die Vielfältigkeit an zirzensischen Disziplinen ist groß: Akrobatik, Jonglage, Zauberei, Fakirdisziplin, Luftartistik, Equilibristik, Clownerie, Theater und Tanz. Bei jeder dieser Disziplinen sind das Niveau und der Anspruch der Lernziele gut dosierbar, von spielerisch bis zum Leistungsanspruch, und das ermöglicht es, die Kinder und Jugendlichen da abzuholen, wo sie stehen, orientiert an ihren Ressourcen und nicht an ihren Defiziten. Wertvoll für die zirkuspädagogische Arbeit sind hierbei die frühen Erfolgserlebnisse. Wenn die Kinder ihr eigenes Können begreifen und den Wunsch entwickeln, mehr Inhalte zu erlernen, also bereit sind, „Hürden“ zu überwinden, dann ist zielorientiertes Arbeiten möglich. Der Kick, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu verschieben, steigert das Selbstwertgefühl des Einzelnen und je nach Übung auch das Vertrauensbild der Gruppe. Sozioemotionale und motorische Erfahrungen sammeln die Kinder en passant − einfach so beim Spiel.

    „Ich habe die Klasse noch nie so motiviert und unbeschwert gesehen.

    Und es war toll zu sehen, wie sie sich gegenseitig durch die Aufführung geholfen haben.“

    (Ein Klassenlehrer bei der Abschlusspräsentation eines Schulprojektes)

    „Der Respekt, der sich bei den Kindern und Jugendlichen innerhalb einer gewissen Zeit entwickelt, ist beeindruckend“, sagt Sven Nitsch. „Die Gruppe weiß, wenn wir keinen gemeinsamen Weg finden, kann es keine gemeinsame Aufführung geben, und den gegenseitigen Respekt und das Vertrauen zueinander sieht man auf der Bühne. Die Pyramide beispielsweise machen wir eben gemeinsam. Interdisziplinär kann aber jeder seine Nische finden und offene Bereiche, in denen er sich wohlfühlt.“ Gemeinsames mit anderen ist machbar und gut, der weltoffene Charakter des Zirkus ermöglicht dieses Erlebnis und fördert die Solidarität. Für Sven Nitsch ist Zirkus sogar Inklusion in Perfektion. Zirkuspädagogik muss nicht erst integrieren, sie ist von vorneherein für alle da.

    Der Kinder- und Jugendzirkus Wibbelstetz Wibbelstetz wurde 1982 unter anderem vom Theaterpädagogischen Zentrum e. V. Köln gegründet und ist seit dem Bestehen des ZAK (2002) dort beheimatet. Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 18 Jahren trainieren hier einmal pro Woche gemeinsam, und jedes Mitglied ist noch in einem weiteren Zirkustrainingkurs im ZAK.

    Dos ToledosNicht alle Ziele lassen sich erreichen, nur weil Zirkus darübersteht. Ginge man davon aus, stieße man schnell an Grenzen und hinterließe Frustrationserlebnisse. Grundlegende Einflussfaktoren sind unter anderem Kompetenz und Erfahrung des Dozenten auf der sachlichen, fachlichen, methodischen und pädagogischen Ebene, sowie materielle und räumliche Anforderungen. Das Zirkus- und Artistikzentrum Köln organisiert 2008 in Kooperation mit der LAG Zirkuspädagogik NRW eine Sicherheitsseminarreihe zum Thema „Sicherheit und Methodik in der Zirkuspädagogik“. Vorangegangen war 2007 eine dreitägige Fachtagung der BAG Zirkuspädagogik zum Thema Sicherheit. Als Gründungsmitglied beider Arbeitsgemeinschaften engagiert sich das ZAK stark im zirkuspädagogischen Bereich. „Eigentlich kann ich mir gar nicht vorstellen, dass man nicht dem Zauber der zirkuspädagogischen Möglichkeiten erliegt; wir hier im ZAK freuen uns über diese wertvolle Arbeit und daran, wie die Zirkuspädagogik wächst“, sagt Sven Nitsch.

    AdNr:1093,  AdNr:1027, 

     

    2008-09-15 | Nr. 60 |





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