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    „Varekai“


    … heißt die Show, die seit 2002 als eine der acht Tourneeproduktionen des kanadischen Show-Imperiums (neben sechs permanenten Programmen in Florida und Las Vegas) auf Reisen ist. Der Name kommt aus dem Romani, der Sprache der Zigeuner, und bedeutet „wo auch immer“. Ähnlich global und gleichzeitig vage ist die Show angelegt, die der Pressetext ankündigt als „magische Beschwörung eines wiederentdeckten Lebens und eines neu gefundenen Staunens über die Geheimnisse der Welt und des Verstandes“. Die Story ist schnell erzählt: Ikarus stürzt vom Himmel in eine Welt voller merkwürdiger Wesen. Er verliert seine Flügel (die recht unmotiviert dann von einem der Clowns getragen werden) und gewinnt dafür die Liebe. Darum ranken sich nun die artistischen Darbietungen begleitet – wie immer bei Soleil – von Livemusik und Gesang.

    Zick Zack Traum TheaterDem Autor und Regisseur Dominic Champagne gelingt es in sehr unterschiedlichem Grade, die Darbietungen in einen Bezug zur Handlung zu stellen. Viele Zuschauer mögen die Show eher als ein buntes Kaleidoskop von Artistik, Kostümen und Musik wahrnehmen. Unter diesem Blickwinkel kann man auch die Brüche in der Show akzeptieren, zum Beispiel eine Zauberparodie und ein Chansonier auf der Jagd nach dem Scheinwerferkegel. Auch das Schalendrehen von drei kleinen chinesischen Kindern ist einer dieser Brüche. Doch die Inszenierung hat auch viele großartige, lustige und anrührende Momente – etwa das Glühwürmchenballett zu Beginn des zweiten Teils. Dominiert wird die gesamte Show von den fantasievollen, farbenfrohen Kostümen (Eiko Ishioka). Sie vermitteln so viel Poesie, Leichtigkeit und Skurrilität, dass sie die Inszenierung tragen. Auch das Bühnenbild (Stéphane Roy) mit dem stilisierten Wald aus goldglänzenden Stangen und dem fragilen Laufsteg hoch über der Bühne verleiht Atmosphäre. Stark vertreten ist in diesem Programm die Clownerie, auch wenn sie nicht immer besonders komisch und teilweise sehr langgezogen ist. Aber die Clownerie verstärkt den heiteren Eindruck, den die Show auf jeden Fall hinterlässt. Die Musik dagegen (Violaine Corradi) mit ihrer Melange unterschiedlichster Stile ist sicher Geschmackssache, sie wirkt wenig eindringlich.

    Fazit: Entscheidend bleiben bei einer artistischen Show die künstlerischen Leistungen und da gibt es einige wirklich beeindruckende. Das Tripletrapez, an dem vier Mädchen gut choreografiert ihre Tricks zeigen oder die Luftakrobatik des Ikarus (Mark Halasi aus Ungarn) im Netz. Auch die Handstandäquilibristik von Irina Naumenko ist bemerkenswert. Hier wäre aus meiner Sicht auch eine Ungeschicklichkeit der Regie anzumerken: Im ersten Teil verzaubert Naumenko als exotischer Grashüpfer den abgestürzten Ikarus und wird von ihm dann entführt. Im zweiten Teil kehrt sie verwandelt im traditionellen Artistenkostüm wieder – aber wer erkennt das bei der Fülle der Eindrücke?

    Hervorragend auch die Ikarier Steven Bros aus Italien und Rampin Bros aus Spanien sowie vier weitere Artisten. Mit ihren großartigen Tricks voller Tempo sind sie ein Höhepunkt der Show. Auch die Zwillinge Kevin und Andrew Atherton an den Strapaten erhalten zu Recht begeisterten Applaus für ihre leistungsstarke und gut choreografierte Darbietung. Ungewöhnlich der Tanz auf Krücken des seit seiner Kindheit querschnittgelähmten Deutsch-Türken Dergin Tokmak, der als Breakdancer bekannt wurde. Absolut überzeugend dann auch die Schlussnummer mit 14 Artisten auf der russischen Schaukel. Sie werden von einer Schaukel zur anderen geworfen, in breite Stoffbahnen katapultiert oder in schwierigen Positionen von Untermännern aufgefangen. Das sind artistische Leistungen, die einige Schwächen der Show vergessen lassen.

    Redaktion: Dietmar Winkler

    AdNr:1090 

    2008-09-15 | Nr. 60 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler





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