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    1. Laboratorium der Straßenkunst – „Die unmögliche Idee“

    Im Rahmen des 23. Linzer Pflasterspektakels 2009 fand erstmalig ein dreitägig

    Laboratorium der Straßenkunst: Was erwartet mich unter diesem Titel? Im Zug nach Linz schaue ich noch einmal die Unterlagen durch. Die Teilnehmerliste: Außer zwei Organisatoren kenne ich niemand, habe aber ein paar der Künstlernamen schon einmal gehört. Alles wird bezahlt – super. Oh, im Doppelzimmer, mit einem mir unbekannten Teilnehmer ...

    Beim Frühstück erfolgt ein erstes Kennenlernen, dann geht es gemeinsam zum Kursort.

    Schule für ClownsNach einer kurzen Vorstellungsrunde wärmen wir uns mit einem Malexperiment auf: Ein Portrait soll gemalt werden, ohne den Stift abzusetzen und ohne auf das Blatt Papier zu schauen. Eine unmögliche Aufgabe? Die Ergebnisse belehren uns eines Besseren und wir werden uns einiger automatischer Selbstzensur- und Kontrollmechanismen bewusst. Unter dem Motto: „Keine Verbote – in der Kunst ist alles erlaubt“ geht’s gleich hinein in die Gruppenarbeit. Das Laboratorium präsentiert sich nämlich zweigeteilt: Die Workshoparbeit in zwei Gruppen (englisch- und deutschsprachig) wechselt sich mit gemeinsamen Inputphasen ab, also Gesprächen, Vorträgen und Besuchen von aktuellen Projekten.

    Ein straffes Programm steht uns in der Gruppe bevor: In wenigen Stunden jeden Tag sollen wir „unmögliche“ Ideen kreieren, eine davon auswählen und ausarbeiten, Finanzierung und Präsentation erarbeiten und alles in einer Pressekonferenz vorstellen.

    In der deutschsprachigen Gruppe leiden wir von Anfang an etwas unter dem Zeitdruck, werden dadurch aber auch zu schnellen Entscheidungen gezwungen. Und tatsächlich: Nach einer unvermeidlichen Gruppenbildungsphase schaffen wir das uns zugedachte Pensum in Sinne einer Überschau auf eine komplette Produktion von der Idee hin zur Pressekonferenz vor der Premiere.

    Bei den beiden Präsentationen wird spontan improvisiert und lustvoll geschauspielert. Dieses erfolgreiche Vertreten der Idee nach außen verbessert das Gruppenvertrauen und auch die Identifizierung mit der Idee. So schweißt der Druck die deutschsprachige Gruppe zusammen; aber einige Teilnehmer klinken sich zeitweise auch aus, weil sie die große Idee nicht mit ihren eigenen Perspektiven verbinden können.

    Die Inputphasen stellen sich als ein Füllhorn von Ideen, Vorstellungen und Reflexionen über Straßenkunst heraus. Deutlich kann man erkennen, dass die einzelnen Gastredner, je nach Herkunft und Geschichte, unterschiedliche Schwerpunkte und Interessen an der Straßenkunst haben. Dabei sind die Redner leider manchmal für mich nicht besonders gut zu verstehen, auch den spontanen Simultanübersetzungen kann ich oft schwer folgen; Französisch müsste man sprechen!

    Besonders spannend sind die Exkursionen: Wir erleben verschiedene Projekte im Rahmen der Kulturhauptstadt Linz in Gesprächen mit den Regisseuren, bei den Proben und in der Aufführung: So kommen Theorie und Praxis zusammen.

    Als ebenso wichtiger Bestandteil neben den Workshop- und Inputphasen stellt sich der inoffizielle Part des Laboratoriums heraus: Die ungezählten Gespräche mit den Kollegen, den Organisatoren und den Gästen in den Pausen und beim Frühstück oder Mittagessen. Trotz oder gerade wegen der unterschiedlichsten Vorgeschichten und künstlerischen Aktivitäten erkennt man schnell, dass viele an ähnlichen Fragen arbeiten. Man tauscht Erfahrungen und Tipps aus, reflektiert das Gehörte und diskutiert über Sinn bzw. Unsinn der Vorgehensweise im Workshop und in der eigenen Arbeit.

     

    Resümee:

    Nach 20 Jahren Auftritten auf der Straße, bei Firmenevents und einigen Festivals suche ich nach neuen Wegen, die Arbeit mit meiner Gruppe weiterzuentwickeln. Genau dafür bot das Laboratorium der Straßenkunst wertvolle Anregungen und Reflexionen. Andere Wege der Finanzierung erscheinen jetzt machbar und Kontakte zu Kollegen und Veranstaltern, die ich auch um Rat fragen kann, sind geknüpft. Erste neue Ideen will ich demnächst beim Linz09/Pflasterspektakel-Produktionsstipendium 2009 vorstellen.

    Auch die Rahmenbedingungen waren optimal: Räume, Verpflegung, Unterkunft, die Kombination mit der Praxis in Pflasterspektakel und Kulturhauptstadt Linz, die perfekte Organisation, die motivierten Gastredner und Workshopleiter.

    Ich hoffe, das Laboratorium der Straßenkunst wird zur festen Einrichtung, vielleicht zum Beginn einer Akademie für Straßenkunst im deutschsprachigen Raum. Dann besteht vielleicht die Möglichkeit, neue Themen oder verschiedene Schwerpunkte herauszugreifen und noch intensiver zu bearbeiten.

    Die Teilnahme kann ich jedem Straßenkünstler nur empfehlen.

    Ein herzliches Dankeschön an das Pflasterspektakel Linz, alle Organisatoren, Gäste und Workshopleiter.

    Maximilian Auerbach

    Der Autor ist Mitglied der Künstlergruppe foolpool, welche auf internationalen Festivals und Events mit ihren Shows und Walk-Acts unterwegs ist (www.foolpool.de).

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    2009-12-15 | Nr. 65 |





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