Kleinkunst  Straßentheater  Kabarett  Variete  Circus
        Agenturen  Wettbewerbe  Comedy  Galas  Festivals

 
 
 
Suche im Trottoir

Kategorien Alle Jahrgänge


32. Internat. Kulturbörse Freiburg

Trottoir-Special Straßentheater 2019

Kabrettpreis: Das Schwarze Schaf
20. Kleinkunstfestival Usedom

Fairsicherungsladen Hagen/NRW

ein Lächeln



Kulturtermine

Ausschreibung,Wettbewerbe

Artikel - gewählte Ausgabe
Meist gelesen
Statistik
  • Kategorien: 66
  • Artikel: 3406
  • News Events :: Jahresrückblick

    [zurück]

    Ab dafür! –

    der satirische Jahresrückblick von Bernd Gieseking 2009

    Insgesamt betrachtet war 2009 ein Spitzenjahr in der Geschichte der Bundesrepublik. 20 Jahre Mauerfall, 60 Jahre BRD, 2.000 Jahre Schlacht am Teutoburger Wald. Und es geht endlich wieder aufwärts – mit der Krise! Die läuft richtig gut. Das ist jetzt ein kleines Problem für die Optimisten. Die haben es natürlich schwer in schweren Zeiten. Die stehen jetzt alleine da und die ersten gehen zum Psychiater. Allen voran die SPD. Für manche Optimisten zählt die SPD noch zu den aussterbenden Arten. Restlos ausgestorben sind in Deutschland seit diesem Jahr die Elche. Der letzte wurde bei Kassel erst betäubt und dann, wie es hieß, „in einem Wald ausgesetzt“. Der betäubte Elch, von der nordhessischen Bevölkerung zärtlich „Knutschi“ getauft, wurde aber wohl nur „ausgelegt“ und war auch am dritten Tage nicht wiederauferstanden von den Betäubten. Außerdem fährt die Bahn ohne Mehdorn, die Welt dreht sich ohne Michael Jackson, das ZDF sendet ohne Kerner und Angela Merkel regiert ohne Horst Schlämmer, dafür mit Guido Westerwelle.

    Die Bundestagswahl war das zentrale Ereignis des Jahres, und Parteien und Wähler waren ähnlich betäubt wie Knutschi. Nach dem Wahlausgang fühlte sich mancher wie in einer Zeitmaschine, zurückgeschleudert durch Raum und Zeit. Und als das neue Parlament vereidigt wurde, fehlte eigentlich nur noch Helmut Kohl erneut im Amt. Merkel, Brüderle, Schäuble, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Die „ministerten“ größtenteils schon unter Kohl. Und plötzlich hatten die Deutschen das Gefühl: gleich gewinnt Becker wieder Wimbledon, Nicole den Grand Prix und der FC Bayern die Meisterschaft.

    Also, alle Zeichen stehen nach hinten und damit geht es nach vorn. Allerdings, das jüngste Regierungsmitglied, Philipp Rösler von der FDP, der Bundesgesundheitsminister, ist Arzt – und man kann natürlich keinen Arzt zum Gesundheitsminister machen! Man lässt auch nicht den Wolf die Schafsherde bewachen. Auf diesen Posten gehört ein Fachmann, also ein Kranker!

    Im Sport passierte Beachtliches. Leichtathletik-WM in Berlin. Die Siebenkämpferin Jennifer Oeser stürzte im abschließenden 800-Meter-Lauf und schaffte es dennoch, zur Silbermedaille zu spurten. Von ihr hatte SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier sein Wahlkampfmotto übernommen: „Hinfallen, aufstehen, Zweiter werden!“ Die alte und neue Kanzlerin Merkel dagegen war regelrecht unkaputtbar. Sie wirkte im Wahlkampf wie die gute Tante – angeheiratet, aber total nett. Sie rettete der Deutschen Sparbücher, allerdings leider nicht Opel. Sie redete in Amerika, bekam aber im Wahlkampf den Mund nicht richtig auf. Den Mund nicht mehr zu bekommt dagegen der neue Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Er ist wie im „Struwwelpeter“ der fliegende Robert mit Schirm in der Welt unterwegs: „Wo der Wind sie hingetragen, ja, das weiß kein Mensch zu sagen.“

    2009 war auch ein absolutes Autojahr. Joschka Fischer berät BMW, Michael Schumacher war fast wieder in der Formel 1 und Ulla Schmidt wurde das Auto geklaut – ein Taumel durch das Wunderland der Abwrackprämien. Abwrackprämie – das hieß, man bekam 2.500 Euro für sein altes Auto, das eigentlich noch 4.000 wert war, weil das neue im ersten Jahr 10.000 Euro an Wert verliert. Das ist ein Dreisatz. Den kann ich nicht. Der Dreisatz gehört für mich zu den unentdeckten Regionen der Erde. Ich weiß aber, dass sich die Prämie für mich nicht lohnt! Und als Steuerzahler schon gar nicht! Denn die Prämie bekomme ich nicht, die zahle ich! Und die Impfung gegen die Schweinegrippe ist die Abwrackprämie für die Pharma-Industrie. Es gibt zwei verschiedene Impfstoffe, einen mit und einen ohne Wirkungsverstärker. Bier hat wenigstens ein Reinheitsgebot!

    Ein Thema überstrahlte beinah alle anderen: Kunstrasen! Würde sich die deutsche Fußballnationalmannschaft auf dem vermaledeiten russischen Kunstrasen überhaupt gegen das Rasen der russischen Nationalmannschaft auf Rasen durchsetzen können? Expertisen und Experten verzweifelten. Deutschland gewann 1:0. Wir können also auch auf Plastik! Ein Drama für die Öko-Bewegung.

    Kultur! Die Deutsche Herta Müller bekam den Literaturnobelpreis und „Die Blechtrommel“ wurde 50, der Erfolgsroman von Günter Grass. Aber das wichtigste deutsche Buch wird nie wieder erscheinen: Der Quelle-Katalog. Generationen junger Deutscher konnten hier erstmals und im geschützten Raum der heimatlichen Stube Körper und Charisma des anderen Geschlechts studieren. Einzig die Postboten atmeten auf, die jahrelang gelitten hatten unter dieser Wucht der Frühling-/Sommer- und Herbst-/Winter-Kataloge. Die Postboten trainierten ganzjährig an Hanteln, um diese Auslieferung der Superlative bewältigen zu können. Der Quelle-Katalog bestimmte die Dualität des Jahres, Sommer oder Winter, Strick oder Ripp. Dazwischen lagen nur die Übergangsmäntel.

    Nach den Übergangsmänteln zu den Umstandsmoden. Die Frauen von Becker und Pocher sind schwanger und Heidi Klum hat das vierte Kind, wir werden endlich wieder mehr! Der Generationenvertrag läuft! Stromberg läuft in der vierten Staffel, Harald Schmidt sendet wieder und Dittsche irrlichtert weiter im Grill. Leuchttürme im Meer der Wattwürmer wie Lafer, Lichter, Lanz und andere Lafetten. Wir sind eine Kulturnation! Das zeigen auch die vielen Jubiläen: 250 Jahre Georg Friedrich Händel. 70 Jahre Peter Kraus. 60 Jahre Peter Maffay. Unsere Dichter und Denker: 250 Jahre Friedrich Schiller und 100 Jahre Heinz Erhardt. Hier geht ein Riss durch das Volk, die einen lieben „Die Glocke“, die anderen lieben „Die Made“. 30 Jahre Satire-Magazin Titanic. 50 Jahre Memory-Spiel. Und 50 Jahre Fischstäbchen von Iglo, und das ist eindeutig das beste Jubiläum und wurde sogar im Rahmen der „Deutschland-Gala“ mit dem „Horst“ ausgezeichnet. Ein Unternehmen, dem es gelingt, Fische zu verkaufen, die auch im Entferntesten nicht mehr aussehen wie Fische, sondern wie norddeutscher Klinker, das ist genial. Davor kapituliert sogar die Krise!

    2009. Ein Spitzenjahr in der Geschichte der Bundesrepublik. AB DAFÜR! Und freuen wir uns ab jetzt auf ein aufregendes 2010! 

    Ab dafür! – der satirische Jahresrückblick von und mit

    Redaktion: Bernd Gieseking
     
    Tournee ab dem 1. Dezember 2009 bis zum 11. Februar 2010
    Pressefotos und Termine unter bernd-gieseking.de und Koordination: www.mpr-promotion.de

    Show!Time

    AdNr:1087 
    2009-12-15 | Nr. 65 | Weitere Artikel von: Bernd Gieseking



    Unsere Medienpartner:

    Copyright © 2008 Quibo e.K.
    Alle hier erwähnten Produkt- und Firmennamen sind Marken der jeweiligen Eigentümer. Trottoir-online ist ein Online-Magazin für Kleinkunst - redaktionell aufbereitete Themenbereiche: Variete, Kabarett, Circus, Comedy, Straßentheater mit AgenturNews und Terminen von Festivals, Premieren, Wettbewerben und Ausschreibungen, Workshops und Weiterbildung.