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    Berlin im Winter – Feiern ohne Wowereit

     

    artbild_200_Tilman_Lucke_2Wowereit ist gegangen und Berlin wird – wie auch Wowi selbst in den letzten Jahren - ein Stück grauer. Vielleicht aber auch effizienter. Der Kabarettist Tilman Lucke widmet dem müde gewordenen einstigen Regierenden Partymeister einen Abschiedssong: „Bundesweit/Tut es allen Kabarettisten leid/Gibt es heute noch ne Persönlichkeit/Mit Wichtigkeit und Wurstigkeit?/Mit Sicherheit bloß Wowereit“, heißt es darin zur Melodie von „Yesterday“.

    Gerade mal Bezirksstadtrat für Volksbildung war Wowi, als in Schöneberg die Scheinbar eröffnet wurde. Im November wurde sie nun 30 Jahre alt! Ohne diese wilde, oft spektakuläre Bühne in einem engen Ladenlokal wäre es ziemlich leer in der Berliner Kleinkunstszene. Denn so gut wie jeder Act, von dem man seither hörte, fing irgendwann hier an oder perfektionierte sich bei einem Zwischenstopp vor dem so fairen wie unzimperlichen Publikum artbild_200_birgit_breuer_0der Scheinbar. Auch die Sängerin und Musikcomedienne Birgit Breuer (Bild) alias Melody Refrain-Hookline hat schon ihre Spuren auf der Bühne hinterlassen. Nicht nur als schlagfertige Moderatorin der regelmässigen Open Stage-Shows, sondern auch mit ihren eigenen, musikalisch anspruchsvollen Programmen. Nun hat sie eines ihrer Steckenpferde in die Scheinbar umgezogen: Der Club der Pensionäre, den sie zusammen mit Kollege Marcello Castronari betreibt. Dahinter verbirgt sich eine musikalische Impro-Show mit Stand Up, Loop-Gerät und möglichst vielen Zwischenrufen der Gäste. Motto: „Mal sehen, was man hört!“

    Wie immer stattgefunden haben auch in diesem Jahr die Feiertage. Von corbo bis Kookabura, vom Zimmertheater Steglitz bis z-bar präsentieren die Bühnen dazu ihre Festtags- und Jahresendprogramme. Den Anfang machten die bezaubernden Zärtlichkeiten mit Freunden Mitte Dezember in den Wühlmäusen. Gayle Tufts präsentiert, inzwischen im Fach der gereiften Entertainerin angekommen, ihr aktuelles Erfolgsprogramm „Love!“ in einer Winteredition im TIPI am Kanzleramt, zeigte aber zwischendurch auch nochmal ihre Evergreen-Show „Christmas at Tiffany’s“ im Schlossparktheater. Dazu gibt es die diversen kabarettistischen und komödiantischen Jahresrückblicke, die in Berlin so beliebt sind, dass sie in subjektiver Wahrnehmung etwa von Oktober bis März durchgespielt werden.

    Aber Recycling und Wiederverwertung ist ja in der Epoche der Nachhaltigkeit ein großes Thema und das Motto „Aus Alt mach Neu“ dient deshalb auch der Kleinkunst als beliebtes Motto. So waren in den letzten Wochen zahlreiche alte Bekannte in aufgebügeltem Gewand zu sehen. artbild_200_Tim_Fischer__FoDer seelenvolle Tim Fischer etwa präsentierte im November im TIPI am Kanzleramt erneut seine Dauerbrennershow „Geliebte Lieder“, mit der er letztes Jahr sein 25jähriges Bühnenjubiläum beging. Das ist ein stolzer Kampfrekord. Fischer ist ja erst 41, und damit in Divenjahren gerechnet noch ein Küken. Doch Fischer, eine der Hauptstützen der Berliner Chansonszene, belässt es natürlich nicht beim Recycling. Soeben ist seine neue CD „Drei Sterne“ erschienen. Sie ist eine Hommage an Fischers Idole. Die drei Sterne tragen nämlich die Namen Dietrich, Leander und Knef. Eingespielt wurde das Album mit den Rundfunkorchestern von NDR und WDR. Hört sich nach einem optimalen Weihnachts- oder Neujahrsgeschenk aus Berlin an. Hier kann es bestellt werden.

    artbild_200_Popette_BetancoUnd beides – sowohl das beeindruckende Jubiläum als auch die neue CD – gilt ebenfalls für Susanne Betancor (Bild). Vor 25 Jahren trat die immer leicht verschrobene Liederspielerin und Musikdichterin zum ersten Mal im BKA als „Popette Betancor“ auf. Im Dezember feierte sie  am selben Ort ihre neue, 6. CD mit dem Titel „Mein Herz will sich schlagen“. Zu bestellen hier.

    Manchmal sind es die kleinen Verschiebungen des Fokus‘, die aus einer bekannten Pointe etwas Neues machen. Das war in letzter Zeit in Berlin mehrfach zu erleben. Zum einen war im Theater O-Ton-Art im Dezember erneut die schillernde Truppe von Deaf Burlesque zu sehen. Dieses Ensemble unter der Leitung der Berliner Regisseurin Ute Sybille Schmitz bietet artbild_150_Cavequeen_Foto_eine ganz eigene, so witzige wie erotische Variante des frivolen Tanzvariétés an: Die Truppe besteht nämlich zum Großteil aus gehörlosen Künstlerinnen und Künstlern. Zum anderen gibt es eine neue Variante des Mann-Frau-Comedy-Dauerbrenner „Cave- man“. Dazu kam in den letzten Jahren die ebenso erfolgreiche Show „Cavewoman“. Inzwischen ist noch „Cavequeen“ (Bild) in die Szenerie gestöckelt – ein schwuler Höhlenbewohner, der den Heteros die Homos erklärt und im Januar im Admiralspalast zu sehen sein wird. Gespielt wird das heitere Geschöpf vom Schau- spieler Nik Breidenbach.

    Und zum Schluss noch eine Meldung, die uns Hoffnung geben sollte: Berlins letzter und unbeugsamer kommunistischer Kabarettist Dr. Seltsam hat wieder ein Dach über dem Kopf. Infolge eines Mietstreits verlor der Doktor ja im Sommer seine Wohnung in Kreuzberg, in der er seit 1975 wohnte. (Trottoir berichtete) Die Odyssee, als Künstler ohne festes Einkommen im Jahr 2014 in Berlin eine bezahlbare Wohnung nicht nur zu finden, sondern auch vermietet zu bekommen, schilderte er in einem Zeitungsstück:  „Warum ich nun eigentlich ausziehen muss, ist mir immer noch nicht klar, denn alles ist bezahlt und außer einem heimlichen Mieterhöhungsinteresse gibt es keinen Grund, warum ich ausziehen soll. Angst kriecht mir vom Magen in den Kopf, die ganze Schulterregion verkrampft sich schmerzhaft, eine Körperreaktion, die ich ab jetzt fast jeden Morgen spüre. Ausgerechnet die Teile, die man zum Kämpfen braucht, ein stabiler Magen und ein strammer Bizeps sind jetzt wie gelähmt. “ Das neue Wohnzeitalter für Dr. Seltsam beginnt im 11. Stock eines Hochhauses am nördlichen Stadtrand, wo er zu Beginn des Winters auf den letzten Drücker eine neue Wohnung gefunden hat. Damit aber gleichzeitig die Zahl derjenigen vergrößert, die aus einer günstigen Wohnung im Stadtzentrum verdrängt worden sind. Weitergehen wird aber seine monatliche „Wochenschau“ im angestammten Brauhaus Südstern. Nehmen wir das als gutes Omen. Für das Kabarett im Allgemeinen, den Doktor im Besonderen und Berlin ohne Wowereit sowieso. In diesem Sinne: frohes Fest, guten Rutsch und Hallelujah.


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    Ausgewählte Termine: Berlin

    Redaktion:
    Susann Sitzler


    Bild Cavequeen: Oliver Fanti
    Bild Tim Fischer: Lutz-Muel



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    6518|414  TG: Monsieur Momo - Timo Lesniewski . Straßentheater. Clownerie . Walk Act . Varieté [mehr Infos] 

     
    2014-12-30 | Nr. 85 | Weitere Artikel von: Susann Sitzler



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