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    COMEDY ARTS FESTIVAL MOERS

    Hingegangen und angeguckt:

    In der nunmehr 26. Ausgabe des Spektakels der Komischen Künste (www.comedyarts.de) gab es ein paar Highlights, viel Schönes und auch einige ärgerliche Acts, wie es bei Festivals nunmal so ist.

    Mein persönliches Highlight war Leo Bassi mit seiner Anarcho-Clown-Show "La Vendetta - Die Blutrache". Ich wusste bis dahin nur, daß er sehr schräg ist, aber seine Performance übertraf alle meine Erwartungen. Er doziert auf der Bühne über den "spirit of comedy", den er heute verraten sieht, der etwas mit freiem Denken zu tun hat und nicht nur mit Lachen und es wirkt an keiner Stelle deplaziert. Er zeigt pure Komik und selten habe ich jemanden so genial einen Spannungsbogen in seiner Show aufbauen und durchhalten sehen. Sein Publikum muß sich warm anziehen (oder besser: in Plastik hüllen), denn was immer er ankündigt: Cola-Dosen stechen, Logos aus T-Shirts schneiden, sich mit Honig übergießen und federn, er tut es wirklich. Nicht nur ein bißchen und haha, war ja nur Spaß, sondern in echt, absolut am Limit, aber immer mit Sinn. Bassi verausgabt sich und die Zuschauer folgen ihm atemlos. "I hate when clowns become too organized. I hate when clowns go to Pro7." (!) Am Ende posiert der kleine dicke Mann in Unterhose über und über mit Honig und Federn eingesaut vor einem gemalten Portrait, daß ihn in typischer Heldenpose a la Saddam Hussein oder kommunistischer Allmachtsherrscher zeigt. Mr. Bassi, übernehmen Sie!

    Der Freitag Abend wurde moderiert von Nick Nickolas aus Neuseeland (der Mann sieht aus wie Ozzy Osbourne!), der sich selbst und seine "comedy magic" nicht allzu ernst nimmt und damit als ein weiteres Highlight verbucht werden kann. Sein Stil ist eher ungewöhnlich und sein Umgang mit dem Publikum erfrischend lässig.

    Die Gruppe Spingo De Yllana aus Spanien war das Abschlusspektakel für diesen Abend und begeisterte das Publikum mit einer Mischung aus Tanz, Mime Comedy und Slapstick. In kleinen Szenen mit perfekten Choreographien werden Alltäglichkeiten (wie schleppe ich am besten jemanden in der Disco ab?) und essentielle philosophische Fragen geklärt (Ist der Himmel Nichtraucher- oder Raucherzone?).

    Als leicht nervig erwies sich am Freitag einzige der deutsche Act, die U-Bahn Kontrolleure in tiefgefrorenen Frauenkleidern. Singen können die fünf Jungs schon, aber die Sketche zwischen den Liedern hatten leider Schultheater-Niveau.

    Über den Höhepunkt des Samstagabends kann man geteilter Meinung sein. Für mich war es das Theater Licedei aus St. Petersburg mit einem vielköpfigen Clowns-Theater-Ensemble. Ihr Programm bewegte sich zwischen Klamauk und hintersinnigem Humor mit einem Hauch Anarchie. Sogar Rote-Nasen-Hasser wie ich ließen sich davon begeistern. Standing Ovations.

    Andere sahen in dem Schweizer Stage TV den Glanzpunkt des Programms. Drei Artisten, drei Fernseher, eine Fernsehansagerin, viel Multi-Media. Alles perfekt, glatt, galareif, aber wo bitte war die Komik? Wenn Artisten oder Fernsehansagerinnen versuchen, komisch zu sein, geht das meistens nach hinten los. Die Festival-Besucher hat es trotzdem aus den Sitzen gehoben, also war ich wohl die Einzige, die sich gefragt hat, was das bei Comedy Arts zu suchen hat.

     

    Redaktion: Wiebke Doktor

     
    2002-09-15 | Nr. 36 | Weitere Artikel von: Wiebke Doktor





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