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    COMEDY-SZENE SCHWEIZ


    Im Sommer, wenn das Publikum verreist und die Theateragenda dünner wird, bleibt immer noch die Flimmerkiste. Und die ist in der Sauren-Gurken-Zeit erst recht für eine Schlagzeile gut. Diesmal entzündete sich in der Schweiz eine Debatte um die TV-Schauspieltruppe Friends. Publikum und Showgrößen wetterten gleichermaßen über die Mimen, welche die Samstagabendkiste von Starmoderator Beni Turnheer mit Sketchen anreichern. Die Friends haben kaum Freunde. Stellvertretend für die vielen Kritiker seien Schauspielgröße Walter Roderer („Gipfel der Blödheit“) oder Kabarett-Legende Emil Steinberger („Grenze des Erträglichen“) genannt.

    Letztlich läuft die Debatte auf den immer größeren Gegensatz zwischen anspruchsvoller Kleinkunst und massentauglicher Comedy heraus (Emil: „Die Schweizer Lachbranche agiert heute wenig subtil.“). Wobei sich alle einig waren, dass die Friends auch bei der TV-Comedy abfallen. Emil, Mitbegründer des Luzerner Kleintheaters, empfiehlt dem Schweizer Fernsehen, sich auf Qualität zu konzentrieren.

    Was nur wenige wissen: Bei den Friends tut vor allem auch der Volkstheaterstar Erich Vock mit. So heftig die Friends in der Kritik stehen, so hoch steht er in der Gunst der Szene. Vock räumte beim wichtigsten Show-Award der Schweiz – dem Prix Walo – gleich zwei Auszeichnungen ab: Bester Schauspieler und Beste Produktion für die Neufassung der „Kleinen Niederdorfoper“. Vielleicht bezeichnend: Beim Publikum steht Vock nicht ganz so gut da. Die erwartete Trophäe Publikumsliebling ging an das Kabarett-Duo Divertimento. Also doch noch ein Sieg der Kleinkunst über Volkstheater und TV-Comedy.

    Beim Swiss Comedy Award hingegen gingen Jury- und Publikumspreis an denselben: Nepo Fitz, das Sprach-Musik-Talent aus München. Die 600 Zuschauer im Event-Dome am Zürichsee waren hin und weg vom Charmebolzen mit dem messerscharfen Witz. Der Schweizer im Finale – Veri, der Abwart – konnte sich leider nicht durchsetzen. Veranstalter Danny Gundelfinger war begeistert, dass sich Publikum und Jury einig waren. Überhaupt war der Anlass besonders gelungen, was auch an der komischen Moderation Herrn Wasers und des Richigers (Duo Hinterletscht) oder den Überreichungen durch Musicstar Fabienne Louves oder TV-Präsentatorin Sandra Studer lag.

    Ein Mann in der Schweiz schafft derzeit den Spagat zwischen Massen-Comedy und intelligenter Komik: Claudio Zuccolini (siehe Box).

    Viel von sich reden macht der „neue Star am Schweizer Comedy-Himmel“: David Bröckelmann, Protegé von Victor Giacobbo. Seine Komik stützt sich auf Parodien von bekannten, aber leicht exzentrischen Schweizer Persönlichkeiten. Sein erstes Soloprogramm Dr. Klapp hat Hunger - oder warum man bei Wissensdurst essen sollte“ feierte am 30. März im Casinotheater Winterthur Premiere und ist eine skurill-kabarettistische Forschungsreise durch verschiedene Charaktere des Menschen. Dr. Klapp ist ein Wissenschaftler, der die Menschen verstehen, erforschen und begreifen möchte. Dafür hat er eine eigene Methode entwickelt, die es ihm erlaubt, in andere Charaktere zu schlüpfen. Nicht nur in Prominente aller Gattungen, sondern auch in Therapeuten, in Esoteriker, in bachblütige Anthroposophen, in raue Handwerker, Touristen, Jugendliche und in Politiker. Ein Erzähltheater der besonderen Art.

    Zum Schluss noch der Bericht über ein ungewöhnliches Theater-Unterfangen. Der berühmte Schweizer Regisseur Thomas Hostettler, der in den 80ern die Schweizer TV-Soap „Motel“ machte und später wunderbare Theaterproduktionen mit Stéphanie Glaser, ist zurück mit einem (allerdings eher leisen) Knaller: Die Premiere seines Stückes „EXIT“ zur Sterbehilfe ist in einer Totenhalle, die teilweise noch genutzt wird. Weitere Tourneehalte finden in Kirchen statt, Ende ist dann im Frühjahr in der Herderkirche Weimar. Eine Hauptrolle hat der unverwüstliche Max Rüdlinger.

    Redaktion: Bernhard Sutter

     

    TERMINE

    Ab 1.8. Zofingen: „EXIT“ in der Totenackerhalle, mit Max Rüdlinger, danach auch Luzern, Bern, Zürich, 2011 in Weimar (D)

    Ab 1.9. St. Gallen: „Erfolgsprogramm“ von und mit Claudio Zuccolini im Zelt, danach Schweizer Tournee

    Ab 1.9. Zürich: David Bröckelmann mit „Dr. Klapp hat Hunger“ im Kaufleuten, danach Auftritte in der ganzen Schweiz

    Ab 1.9. Basel: Divertimento mit „Plan B“ im Stadtcasino Basel, danach Tournee

    Ab 1.10. Volketswil: Duo Hinterletscht im Zentrum in der Au, danach Auftritte in der ganzen Schweiz

     

     

     

     

    2010-06-15 | Nr. 67 | Weitere Artikel von: Bernhard Sutter





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