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    Clowns im Flüchtlinglager

    artbild_350_clownFluechtIm Moment kommen viele Flüchtlinge nach Deutschland. Das Thema ist in den Medien ganz vorne. Viele Leute in unserem schönen Land heißen die Schutzsuchenden willkommen und helfen. So auch einige von uns Künstlern.

    Clowns Ohne Grenzen haben Flüchtlingslager besucht und ein wenig gute Laune verbreitet. Wir haben zwei Mitglieder von Clowns ohne Grenzen interviewt und nach ihren Erlebnissen dort befragt.

    Jan Heilig, Filmproduzent, im Vorstand von Clowns ohne Grenzen.




    1. Wer bist Du?

    Kassandra Knebel: Welchen Hintergrund hast du?

    Jan Heilig: Ich bin jemand, der gerne andere zum Lachen bringt und unterhält. Ganz besonders diejenigen, die nicht so viel zu lachen haben. Außerdem habe ich eine Film- produktionsfirma und eine Agentur, dort produziere ich Filme für NonProfit Kampagnen... und oft auch die Kampagnen selber gleich mit. Zwei Kinofilme hab ich auch schon hinter mir. In meinem Garten leben fünf glückliche freilaufende Hasen und drei Frauen, zwei davon sind meine Töchter (also nicht von den Hasen!)

    Ich bin im Verein der Clowns ohne Grenzen e.V. im Vorstand aktiv und betreue deren Marketing & Kommunikation online, ebenso wie die Regionalgruppen der Clowns, darunter auch Berlin. Dabei bin ich kein professioneller Clown, das ist aber für diesen Job auch nicht nötig, Filmemachen, Webseiten und Events produzieren aber schon. Ich bin den Leuten bei den Clowns wesensverwandt und sie brauchten jemanden wie mich. Das kam durch Zufall zu mir -  irgendwann standen sie in meinem Büro wegen einem Filmprojekt, bei dem ich beteiligt war - und fragten dann so nebenbei: Sag mal, willst DU nicht Vorstand werden, wir bräuchten dich...“ - Nun ja....    


    2. Du hast für Flüchtlinge gespielt. Oder Veranstaltungen für Flüchtlinge organisiert.

    Kassandra Knebel: Wie bist du auf die Idee gekommen? Was hat dich motiviert?

    Jan Heilig:
    Wir haben ein verdammt gutes Leben hier in D-Land. Einfach nur durch Geburt. Und dann kommen anderen, bei denen das genau das Gegenteil ist. Ebenfalls einfach nur durch den Zufall, weil sie eben woanders zur Welt kamen. Mir geht es wie vielen Deutschen: Da kann man einfach nicht nichts tun. Ich würde mich schämen... Aktionen für Flüchtlinge sind eben etwas, was mir leicht fällt, zu organisieren. Mehr Motivation braucht es glaube ich nicht. Es kommt zu einem, man sucht sich das nicht aus. Und dann muss man halt „ja, mach ich“ sagen, oder eben nicht. Aktuell habe ich zwei Flüchtlinge in einem Projekt engagiert, und unterstützte sie, bei dem Flüchtlinge für Flüchtlinge eine Info-News-Tipps-Unterhal-tungs-Web-Plattform aufbauen, Zukar, also R4R „refugees for refugees“ – aber die standen eines Tages vor meiner Tür, die habe ich nicht gesucht...    


    3. Die Situation vor Ort.

    Kassandra Knebel: Was hast du gesehen? Wie sind die Lebens-Umstände? In welcher Situation waren die Kinder?

    Jan Heilig: Die Kinder und Familien, die ich bei Aktionen in Deutschland gesehen habe, oder mit denen ich Kontakt hatte, sind zunächst mal einfach ganz normale Menschen. So war meine Wahrnehmung. Sie sind aus allen Gesellschaftsschichten, und die kulturellen Unterschiede zu uns erschienen mir kleiner als die Unterschiede, die sie untereinander haben. Ich weiß, dass viele traumatische Erlebnisse hinter sich haben, aber man sieht das nicht auf den ersten Blick. Erwachsene sind oft sehr bescheiden, viele schämen sich, dauernd etwas annehmen zu müssen. Andere sind extrem misstrauisch und trauen dem Frieden nicht ganz. Andere hingegen – besonders Studenten oder junge Menschen, erleben die öffentliche Sicherheit, die in Deutschland herrscht, als sehr befreiend. Andere zucken zusammen, wenn sie Polizeisirenen hören.

    Die Kinder bei Clowns-Auftritten in Krisengebieten sind oft sehr viel wilder und ausgelassener als hier – das gilt für Clowns-Auftritte in Flüchtlings-Aufnahmeeinrichtungen in Deutschland auch, soweit ich das miterlebt habe - und ist wohl so eine kulturelle Geschichte. Eigentlich mag ich die wilden Rabauken ganz gerne – da ist vielleicht nicht jeder Bühnenmensch drauf vorbereitet, aber ich finde es gut. Vollkontakt-Auftritte, statt Frontalunterricht mit Klatschen. Auch eine Form der Kommunikation.

    Dazu kommt, dass ich Flüchtlingskinder durch die Bank als sehr viel reifer erlebt habe, als ihre deutschen Alterskollegen. Ich schiebe das auf ihre Erfahrungen im Gegensatz zu der relativ behüteten Kindheit, die wir hierzulande unseren Kindern ermöglichen. Studien dazu kenne ich nicht, ist also nur mein bescheidener Blickwinkel.

    Eine Erfahrung ist, das ganz niederschwellige Dinge am besten funktioniert haben, also z.B. Seifenblasen geht besser als Zaubertricks. Man muss nicht so viel verstehen, aber kann hemmungslos staunen.

    Da ich selber nicht als Clown auf der Bühne bin, kann ich es nicht noch detaillierter beschreiben. Aber eines ist mir fast überall begegnet: Viele Flüchtlinge – die Älteren jetzt - sind sehr energiegeladen, sie blicken nach vorne, nicht zurück, und wollen etwas tun, ein Leben aufbauen, eine Existenz, sie suchen nach Zukunft. Ganz sichern wollen sie nicht hier rum sitzen und dem Gras beim Wachsen zusehen. Sie wollen leben. Genau wie wir.


    4. Der Auftritt  

    Kassandra Knebel: Gab es besondere Ereignisse, Szenen, Anekdoten?

    Jan Heilig: Kinder bei den Auftritten hier sind wie überall auf der Welt: Sie lieben Clowns. Das ist so eine Konstante. Manche sehen zum ersten Mal im Leben einen Clown und sind eher misstrauisch, was das nun ist. Aber das Eis bricht extrem schnell. Eine Szene ist für mich sehr schön gewesen, dabei war sie ganz still und kaum zu bemerken: Ein kleines Mädchen hatte sich zum Auftritt hingekniet und dann mit offenem Mund so versunken und gebannt der Vorstellung des Clowns zugesehen, dass sie völlig das Klatschen vergessen hatte. – und als alle loslegten, da hat es ein paar Sekunden gedauert, bis sie sich schüttelte, um wieder hoch zu kommen. Dann hat sie begeistert mitgejubelt. Aber ein paar Augenblicke war sie entrückt in einer anderen Welt. Das zu sehen, das ist so mein ganz persönliches Fest. Cheeriooo!


    5. Reaktionen

    Kassandra Knebel: Wie war die Reaktion auf eure Aktion?

    Jan Heilig: Wie gesagt: Alle lieben Clowns, nicht nur Kinder ;-). Kultur hin oder her.      


    6. Die Durchführung  

    artbild_450__2Kassandra Knebel: War es schwierig, eine solche Aktion zu starten beziehungs- weise durchzu-führen?

    Jan Heilig: Es war schwierig, wenn es ganz kurzfristig passieren musste, so wie unser Auftritt am LaGeSo Berlin letztens – übermorgen soll das stehen. Das ist eigentlich nicht gut. Auftritte der Clowns vor Publikum in – oder aus – Krisenregionen werden von langer Hand geplant und sorgfältig durchdacht. Monate vorher. Eine Show wird einstudiert. Gewisse Dinge muss man in anderen Kulturen beachten: Keine Berührung von Mann und Frau auf der Bühne, im muslimischen Kontext. Unpolitisch bleiben. Oder auch keine lauten Knalleffekte bei Kindern aus Kriegsgebieten... Lösungen für die Sprachbarriere finden (Es gibt eine Clownsprache, die sehr intuitiv ist) usw. Aber man kann auch nicht alles planen, daher nehmen wir erfahrene Clowns für diese Reisen. In Deutschland ist das etwas entspannter, denn hier ist auch ein etwas geschützterer Rahmen. Dennoch ist ein Clowns-ohne-Grenzen (CloG)-Auftritt nicht 1:1 wie ein normaler Auftritt, das ist so der Anspruch.

    Ansonsten: Im Augenblick lassen sich Aktionen in und um das Thema Flüchtlinge relativ leicht organisieren, die Stimmung ist ja deutlich umgeschwungen, und damit die Angst der Heim-Betreiber gesunken. Man bekommt sehr viel leichter Zugang. Zumindest in Berlin ist das so. Ist geradezu ein Hype. Unser Sommermärchen. Mal sehen, wie lange es hält. Immer noch brennen andauernd Asylbewerberheime, aber die Medien sind nicht mehr so voll davon. Hmmmm.    

    Kassandra Knebel: Was oder wer hat geholfen? Was oder wer hat die Aktion behindert?

    Jan Heilig: Eine Firma hat uns angesprochen – sie haben ihrer ganzen Belegschaft einen Tag frei gegeben, um diese Fest durchzuführen – dazu kam noch eine selbstorganisierte Initiative, die sich um die Flüchtlinge in Berlin, besonders am LaGeSo kümmert. Das war sehr hiflreich, und die Idee der Firma hat mich beeindruckt, darum haben wir eben kurzfristig was organisiert, was sonst nicht unsere Art ist.

    Kassandra Knebel: Könnten andere das auch? Was empfiehlst du dafür? Auf was sollte man achten?

    Jan Heilig: Aktionen kann jeder machen – vielleicht nicht unbedingt 1:1 was wir tun – aber meine Empfehlung wäre immer, nicht alleine loszulegen. Derzeit herrscht in Deutschland und in unseren Medien ein Flüchtlings-Hype und es werden Kleiderberge angehäuft, die keiner braucht. Ich habe schon Tüten für muslimische Familien gesehen mit Miniröcken drin. Naja... Ich misstraue dem Hype und bin da sehr kritisch, weil ich mit Flüchtlingen rede – und viele Aktionen sind eher wilder Aktivismus. Leute, Ihr erfindet doch nicht gerade das Rad neu - es gibt schon Profis in dem Feld, die langjährige Erfahrungen gesammelt haben – Caritas, Pro Asyl, Rotes Kreuz usw usw. - die freuen sich über Unterstützung und können auch den richtigen Rat geben, was Sinn macht. Das ist nachhaltiger, und trägt vor allem oft den Bedürfnissen der Menschen mehr Rechnung, als einfach mal irgendeine Aktion zu machen, weil man grade Bock drauf hat und es ja auch jeder macht. Habe gehört, manchmal zahlen die sogar für Unterstützung.


    7. Dein Fazit

    Kassandra Knebel: Würdest du das wieder machen?

    Jan Heilig: Ja.  

    Kassandra Knebel: Glaubst du es hat etwas gebracht? Was?

    artbild_450_-4_1Jan Heilig: Ja: Ein Tag Auszeit für die Kinder – und damit auch für ihre Mütter. Ist ja bei deutschen Kinderfesten nicht anders oder? Die haben vielleicht nicht 6 Monate Flucht hinter sich... ist halt schwer zu messen, aber CloGs machen oft die Erfahrung, dass die Kinder nach einem Jahr, bei einem weiteren Besuch in einem Flüchtlingslager an der Syrischen Grenze immer noch die Lieder können, die sie damals gerade ein einziges Mal gehört hatten... es bleibt also ganz schön was hängen.

    Kassandra Knebel: Was war nachher anders als vorher? Gibt es etwas, das dich jetzt anders handeln, fühlen, denken lässt als vorher?

    Jan Heilig: Nö – mach ich wieder, wenn es vor der Tür steht. Und der Tag bitte 27 Stunden hat.


    8. Inspiration für andere

    Kassandra Knebel: Was glaubst du kann man für die Leute tun, die bei uns Schutz suchen?

    Jan Heilig: Diese Menschen brauchen vor allem eines: Einen Starthilfepaten! Persönlich. Eins zu Eins! Alles andere kommt weit danach.

    Kassandra Knebel: Was können insbesondere Künstler tun? Was empfiehlst du dafür? Auf was sollte man achten?

    Jan Heilig: Sich immer fragen: Nutze ich diese Menschen nur aus? Endlich ein Publikum, dass sich nicht wehren kann? - Leider habe ich das schon ein paar mal gesehen. Eigentlich sogar recht oft. Ansonsten: Haltet einfach die Tür offen – es kommt zu Euch...

    Aber eins ist auch klar: Künstler müssen von ihrer Arbeit leben. Flüchtlinge habe kein Geld. Also bei Benefiz für Flüchtlinge, bei denen ihr für lau von irgendwem Finanzkräftigen angefragt werdet, ... tja, das würd ich mir überlegen, und keine Hemmung haben, eine Gage anzufragen, vielleicht reduziert. Aber wenn ihr selber bald nix mehr im Kühlschrank habt, ist es mit der Begeisterung für Flüchtlings-Aktionen bald vorbei, auch bei Euch. Lieber nachhaltig arbeiten, und Aktionen unterstützen, aber selber auch sehen, wo Ihr bleibt.

    Auch die CloGs-Mitglieder haben Jobs, von denen sie leben, manche als Clowns, manche in anderen Berufen – wie ich z.B. - und spielen durchaus auch für Honorar bei Benefizen für Flüchtlinge. Nur echte Vereins-Reisen von uns oder Auftritte, die die CloGs selber organisiert haben, im eigenen Namen, laufen pro Bono. Unsere Expertise für die Flüchtlinge ist ja ein Mehrwert, aber Künstler sind eben auch fast immer Freiberufler. Auch meine Firma dreht mal einen pro Bono Film – aber eben nur ausnahmsweise.


    9. Zukunft

    Kassandra Knebel: Was wirst du als nächstes machen?

    Jan Heilig: Kaffee trinken. Sehr wichtig. Diese Zusatzarbeit ist sehr anstrengend und ich mach es ehrenamtlich und pro Bono neben meinen eigentlichen Brot-Jobs. Bin aber auch kein freiberuflicher Clown.

    Kassandra Knebel: Was wünschst Du Dir?

    Jan Heilig: Sofortige Arbeitserlaubnis für alle Flüchtlinge und freie Wahl des Aufenthaltsortes und bei der Wohungssuche. Wie bescheuert muss man sein, um Flüchtlingen die Arbeit zu verbieten und sie mehr oder weniger in Legebatterien zu verordnen. Und DANN aber von ihnen zu fordern, dass sie sich bitte sofort integrieren... (ach ja, ihr Asylantrag wird aber evtl. nächste Woche abgelehnt, genaues weiß man nicht) Also wirklich, das ist asozial. Im wahrsten Sinne des Wortes.
    Außerdem für jedes Flüchtlingskind, das herkommt, sofort einen Platz in einer Kita oder einer Schule – tja, und ein Ende der Syrienkrise, der Palästinakrise, der Krisen in Somalia und und und... Träumen ist ja erlaubt.

    Kassandra Knebel: Eine Message an die Leser?

    Jan Heilig: Künstler, die dies hier lesen: Macht doch mal ein Projekt mit Flüchtlings-Künstlern. Die gibt es auch. Viele sehr hochkarätig. Und genauso auf der Suche wie ihr. Und vielleicht haben sie auch Euch was zu geben... mir ist das schon passiert. Wir sind nicht nur Geber und Spender!



    artbild_200_CoG_LogoClowns Ohne Grenzen
    haben Flüchtlingslager besucht und ein wenig gute Laune verbreitet. Das zweite Mitglied von Clowns ohne Grenzen, das wir nach ihren Erfahrungen und Erlebnissen befragt haben, ist Monika Staffansson, Vorstandsmitglied Clowns ohne Grenzen e.V. Freiberufliche Kinderkrankenschwester, Craniomensch, Clown, Mutter zweier Töchter 11 und 14.




    1. Du hast für Flüchtlinge gespielt. Oder Veranstaltungen für Flüchtlinge organisiert.

    Kassandra Knebel: Was war ausschlaggebend dafür? Was hat dich motiviert?

    Monika Staffansson: Schon im Jahr 2014 gab es erstmals zusätzlich zu den Reisen in Krisengebiete eine Tour durch deutsche Flüchtlingslager. Da so viele Menschen aus Krisengebieten dieser Welt zu uns kamen, war es uns wichtig auch hier den Menschen Freude zu bringen. Damals war die Situation noch sehr ruhig und kaum jemand sprach darüber. Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt unseres Tuns in Deutschland ist, die Grenzen zwischen den Menschen durch Lebensfreude schmelzen zu lassen - Anwohnern und Schutzsuchenden ein gemeinsames positives Erlebnis zu ermöglichen.

    2014 wurde dann die erste Tour durch Deutschland realisiert, bürokratisch sehr mühsam im Übrigen. In diesem Jahr gab es dann die zweite Deutschlandreise, bei der ich für das Clownsteam die Ansprechpartnerin aus dem Vorstand für alle Eventualitäten war. Diese Reise wurde vom Filmemacher Walter Steffen und seinem Team begleitet, es entstand der großartige Roadmovie "Happy Welcome" der am 19.11.2015 in München seine Kinopremiere feiert.


    2. Die Situation vor Ort.

    artbild_450__5Kassandra Knebel: Was hast du gesehen?

    Monika Staffansson: Die Situationen und Lebensumstände vor Ort sind extrem unterschiedlich, was im Film sehr schön zu sehen ist. Je nach dem wie voll oder überfüllt eine Einrichtung ist, sind die Bedingungen wechselnd. Mittlerweile hat sich die Situation ja drastisch verschärft, wesentlich mehr Menschen kommen nun in Deutschland an. Dank so vieler ehrenamtlicher Helfer ist auch das möglich.

    Kassandra Knebel: In welcher Situation waren die Kinder?

    Monika Staffansson: Die Kinder versuchen wie Kinder es nun mal natürlichrweise tun, weiterhin Kinder zu sein... sie versuchen mit nichts oder wenig zu spielen. Allerdings sieht man in den Gesichtern Angst und Traurigkeit, und auch manchmal Resignation. Für Kinder ist es auch sehr schwer zu sehen wie Ihre Eltern leiden.

    Kassandra Knebel:  Wie ging es den Leuten emotional?

    Monika Staffansson: Die Situation ist für die Menschen nicht leicht. Zum einem sind sie natürlich sehr glücklich endlich  in Sicherheit zu sein, zum anderen haben sie viele grausame Dinge erlebt und können oft noch gar nicht realisieren was alles passiert ist. Zudem fühlen sie sich fremd und unsicher wie es weiter geht. Und zu alldem kommt dazu: ein langes langes langes Warten und nichts zu tun haben.

    Kassandra Knebel: Wie war die Stimmung?

    Monika Staffansson: In so vielen Ländern haben wir schon gespielt, aber was in Deutschland absolut auffällig war, war eine starke Apathie und auch Angst aus sich heraus zu gehen, lachen zu dürfen. Vermutlich aus Angst etwas falsch zu machen.


    3. Was genau hast du gemacht?

    Kassandra Knebel: Was genau hast du während der Aktion gemacht?

    Monika Staffansson: Ich war die ständige Ansprechpartnerin (sog. Patin) aus dem Vorstand für das Clownsteam der Deutschlandtour 2015. Was hat die Aktion beinhaltet? Eine Tour durch Erstaufnahemeinrichtungen in 8 Bundesländer, eine eigens dafür vom Clownsteam konzipierte Show mit der Thematik: warten, fremd sein, Sprache nicht verstehen und versuchen gemeinsam Wege zu finden. Zum Kugeln vor Lachen, zum Schmunzeln, berührt werden einfach zum Eintauchen in eine wundersame, leichte, lustig-fröhliche-gefühlsvolle Welt mit vielen Überraschungen.

    Kassandra Knebel: Gab es besondere Ereignisse oder Anekdoten?

    Monika Staffansson: Es gibt immer unzählige Anekdoten und herrliche Geschichten! Eine Szene bei der ich vor Ort war, bewegte mich sehr. Zu Beginn der Show kamen 2 junge Männer. Sehr coole Typen, sozusagen oberlässig... sie waren neugierig geworden, weil sie die Musik hörten... sie begannen die Show zu verfolgen, das Lachen der Kinder steckte die jungen, sehr coolen Männer an und sie lachten mit. Aber nur kurz und sie ertappten sich, dass das ja gar nicht geht als junger Mann. Sie gingen ganz lässig nach hinten, mit dem Ausdruck... ach ja was für die Kleinen, das interessiert uns nicht, so ein Blödsinn. Aber sie blieben, ganz hinten, ganz unauffällig und sie verfolgten die ganze Show, manchmal entkam ihnen versehentlich ein Lachen, eine Träne vor Rührung, ein Überrascht worden sein. 

    Aber sie vertutschten es gut, so dass fast niemand sah wie sehr sie sich amüsierten und berührt wurden. Als die Show zu Ende war, drehten sie sich gewohnt cool um, gingen ein paar Schritte von der Menschenmenge weg und begannen leise gemeinsam das letzte Lied der Show zu singen. Das hat mich sehr berührt und unendlich gefreut. Denn natürlich spielen wir in erster Linie für die Kinder, aber es ist so wichtig, dass gerade auch die jungen Männer ganz "nebenbei" berührt werden und auch dass die Eltern mit Ihren Kindern wieder mal Lachen können.


    4. Reaktionen


    artbild_450__3Kassandra Knebel: Wie war die Reaktion auf eure Aktion? 

    Monika Staffansson: In Deutschland bei den Menschen die Ihre Heimat verlassen mussten war immer auffällig, dass die Stimmung zu Beginn oft sehr sehr schwer und getragen war. Hier zeigt wie wichtig es ist, immer ein professionelles Team am Start zu haben, das gekonnt und feinfühlig die Stimmung aufnimmt und diese in ein freudiges Miteinander verwandeln vermag. Am Ende jeder Show ist immer eine lebendige und gemeinsame Stimmung mit viel Herz! Und auch für die Menschen die dort arbeiten ist es unglaublich stärkend vor Ort und gemeinsam Freude zu empfinden, der Alltag ist ja geprägt von viel Schmerz und Not.

    Kassandra Knebel: Wie haben die Kinder reagiert?

    Monika Staffansson: Die Kinder reagieren schnell... erst gebannt, dann fasziniert und dann mittendrin und lebendig und erleichtert! Wie die Erwachsenen? Sobald die Eltern sehen wie Ihre Kinder aufblühen beginnen auch sie zu blühen!

    Kassandra Knebel: Welche Reaktionen gab es auf die unterschiedlichen Teile der Aktion?

    Monika Staffansson: Sehr wichtig und schön sind auch  immer die persönlichen Begegnungen nach der Show, es wird gelacht, gespielt, gesungen... es gibt ausgiebige Fotosessions. Ein buntes lebensfrohes Treiben.

    Kassandra Knebel: Was hast du gefühlt?

    Monika Staffansson: Es ist immer eine große Dankbarkeit, ein berührtes Herz und Freude. Zugleich auch immer Nachdenklichkeit und viele Fragezeichen zu unserer jetzigen Welt.

    Kassandra Knebel: Welche Gefühle hast du bei anderen wahrgenommen?

    Monika Staffansson: Selbige.  

    Kassandra Knebel: Wie war das, als die Kulturen aufeinandergetroffen sind?

    Monika Staffansson: Unsere Stücke sind immer international verständlich und beachten die jeweiligen kulturellen Aspekte. Das ist sehr wichtig. Bei der Deutschlandtour wurde natürlich  im Besonderen darauf geachtet, dass sie für viele Kulturen klar und passend ist.  


    5. Die Durchführung

    Kassandra Knebel: War es schwierig, eine solche Aktion zu starten beziehungsweise durchzuführen?

    Monika Staffansson: Die organisatorisch-bürokratische Vorarbeit war immens.  

    Kassandra Knebel: Könnten andere das auch? Auf was sollte man achten?

    Monika Staffansson: Egal was Ihr tut, für die Menschen die bei uns Schutz suchen: tut es mit ehrlichem Herz und respektiert die Menschen in Ihrer vollen Größe. Teilt mit Ihnen auf Augenhöhe, lernt von Ihnen. Und im Speziellen, beherrscht eure Profession gut und macht Euch vorher kundig welche kulturellen Belange für die Menschen wichtig sind. Sie hatten noch nicht die Möglichkeit unsere Kultur kennen zu lernen, daher ist es sehr hilfreich Ihnen entgegen zu kommen, um den Menschen die Hand reichen zu können.  


    6. Dein Fazit

    Kassandra Knebel: Würdest du das wieder machen?

    Monika Staffansson: (lacht)

    Kassandra Knebel: Glaubst du es hat etwas gebracht? Was?

    Monika Staffansson: Unsere Erfahrungen im Ausland und in Deutschland zeigen, ein gemeinsames positives Ereignis verbessert den Zusammenhalt der Menschen, lässt Grenzen schmelzen und fördert nachhaltig die Resilienz des Einzelnen.  

    Kassandra Knebel: Gibt es etwas, das dich verändert hat? Etwas, das dich jetzt anders handeln, fühlen, denken lässt als vorher?

    Monika Staffansson: Es ist in Deutschland, Europa und der Welt wichtiger denn je, gemeinsam zu lachen!   


    7. Inspiration für andere

    artbild_450__6Kassandra Knebel: Was glaubst du kann man für die Leute tun, die bei uns Schutz suchen? Was können insbesondere Künstler tun? 

    Monika Staffansson: Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele (Pablo Picasso)    Auf gehts Künstler, Ihr werdet gebraucht! Dringend! Macht was mit Kolle- gen für die Menschen, macht was mit den Menschen, seid mutig es warten wunderbare Menschen mit herrlich viel Kunst - und Kultur-schätzen auf Euch!    


    8. Zukunft

    Kassandra Knebel: Wie geht dein Clowns-Leben weiter? Was wirst du als nächstes machen?

    Monika Staffansson: (Lach) Vorstandsitzungen mit 8-10 h durchhalten, Interviewfragen beantworten, Texte schreiben, Spenden generieren, Benefizaktionen organisieren... und sobald mal wieder Luft ist...auch mal gerne wieder reisen mit der Nase auf!!!  

    Kassandra Knebel: Was wünschst Du Dir?

    Monika Staffansson: Ich wünsche mir, dass alle Menschen den Film "Happy Welcome" sehen werden! Ein Roadmovie. Mit Clowns ohne Grenzen durch Deutschland. Auf dem Weg zu einer neuen Willkommenskultur. Der neue Kino-Film von Walter Steffen dokumentiert die Auftrittsreise der Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V. zu acht Erstaufnahmeeinrichtungen von Flüchtlingen im Juni 2015. Der Film wird auch zu einer Bestandsaufnahme der Willkommenskultur in diesem Land. Er wird für die Zuschauer Anregung sein, damit jeder auf seine eigene Weise sagen oder zeigen möge: “Welcome to Germany”.  Kinostart: 19. November 2015. Werdet Teil dieses wichtigen Films und unterstützt ihn als Fans und Sponsoren, als Multiplikatoren, Raus-Posauner und mehr: (Happywelcome).  Und ich wünsche mir ganz viele Menschen die unser Tun unterstützen! Jeder so, wie es für Ihn gut ist!

    Kassandra Knebel: Eine Message an die Leser?

    Monika Staffansson: Jedes Lachen vermehrt das Glück auf Erden! -Jonathan Swift-           

    Info: Clownsohnegrenzen  


    Redaktion:
    Kassandra Knebel


    Bildnachweis:
    Alle Fotos Foto: Jan Heilig





    ANZ_clown_schule_tamm_1_8315|739 TG: Clownschule Uli Tamm . Klinik-Clown . Clownschule







     

    2015-09-30 | Nr. 88 | Weitere Artikel von: Kassandra Knebel



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