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    Die größten Hits aller Zeiten – Nostalgie und Gegenwart im Einklang

    Die größten Hits aller Zeiten werden momentan wieder intensivst für Fernsehen und Rundfunk aufbereitet. Sortiert nach Jahrzehnten (59er, 60er usw.) oder als Fetenhits oder Après-Ski-Titel werden sie wie einzigartige Musikbrillanten erneut in die Köpfe der musikinteressierten Menschen gebracht. Und wer einmal hineinzappt in diese Sendungen, gerät in den Sog des Nostalgischen. Selbst Jugendliche fühlen sich in diesem musikalischen Ambiente wohl und reagieren positiv darauf, dass die Melodien und Rhythmen längst vergangener Zeiten sogar wieder in den aktuellen Charts reinkarnieren.

     Atze Bauer Wir erinnern uns gerne an die „Golden Fifties“, an raschelnde Petticoats, schmalztriefende Tollen, chromblitzende Autos, mitreißende Liveshows und Ohnmachtsanfälle – eine Zeit, in der die Ausgelassenheit der Jugend zum Maß aller Dinge wurde. Die Gottheiten, die diese Zeit verkörpern, waren Jerry Lee Lewis, Bill Haley, Buddy Holly oder Little Richard. Und die, die heute diese Zeit in einzigartiger Weise musikalisch wiederbeleben, nennen sich The wild Bobbin’ Baboons. Authentisch selbst beim Handstand auf dem Kontrabass wirbeln die 7 Rock ’n’ Roller über die Bühne und reißen das Publikum derart mit, dass ihm bei mehrstimmigem Gesang, knackigem Kontrabass, fetziger Vollresonanzgitarre, panisch röhrendem Tenorsax, schrillem Piano und never-ending treibendem Beat nicht bewusst wird, wie ihm geschieht. Aber spürbar bleibt der Spaß, bleibt die Ausgelassenheit, die von der Bühne schwappt.

    Seit mehr als 15 Jahren sind die Bobbin’ Baboons bereits gemeinsam musikalisch unterwegs und haben Konzerte absolviert u. a. mit Chuck Berrry, The Rattles, Harpo oder den original Comets von Bill Haley. Mögen sie noch viele Jahre dafür sorgen, dass die Fifties lebendig und erlebbar bleiben.

    Übrigens standen die Baboons auch schon mit der deutschen Beatlegende The Lords auf den berühmten Brettern. Nach nunmehr 50 Jahren gibt es die Lords immer noch. Qualität hat anscheinend kein Verfallsdatum. Lord Ulli somit auch nicht. In meinen Jugendjahren wurde der Bandnahme The Lords in einem Atemzug genannt mit The Beatles und The Rolling Stones.

    Alles begann 1959 in Berlin, als Ulli Günther weitere fünf begeisterte Skiffle-Anhänger um sich scharte. Mit ihrer Musik, u. a. mit Banjo, Gitarre, Waschbrett und Kamm, brachten sie im Nu jeden Tanztee zum Kochen.
    Prompt gewannen sie 1961 den vom Berliner Senat ausgeschriebenen Wettbewerb um das „Goldene Waschbrett“. Als 1963 der Beat seinen Siegeszug um die Welt antrat, strich man vorausschauend „Skiffle“ aus dem Bandnamen – gleichzeitig wechselte die Besetzung.
    Nur kurze Zeit später, im September 1964, wurden die Lords im Hamburger Starclub zu Deutschlands „Beatformation Nr. 1“ gewählt – der Rest ist Geschichte. Ein Auftritt jagte den anderen. Die Gruppe tourte u. a. mit The Who und den Kinks und durchschritt als erste westliche Beatband den „eisernen Vorhang“. In Polen und Jugoslawien gelang ein Triumphzug ohnegleichen. Ganz nebenbei lieferten The Lords einen Hit nach dem anderen ab. Zwischen 1965 und 1969 hatte die Gruppe 11 Singles in der deutschen Hitparade, wobei heute „Poor Boy“ zu den absoluten Klassikern zählt.
    Lord Ullis tragischer Tod in Potsdam machte im Herbst 1999 die Jubiläumstour zu Makulatur. Doch Mitte 2000 stand fest: „Wir machen weiter und starten unseren dritten Frühling!“. Den erleben The Lords momentan – und jeder, der ihn bei einem Konzert miterleben darf, wird froh sein.

    So froh und begeistert wie jemand, der die britische Rock- und Blues-Formation Ten Years After quicklebendig auf der Bühne erleben durfte. Der leider verstorbene Gitarrist Alvin Lee galt zu seinen Lebzeiten als schnellster Gitarrist der Welt. Und seine Hochtempo-Version von „Going Home“ ist für mich heute immer noch ein Beispiel für hervorragende Gitarristik. Für Lee ist vor einigen Jahren der junge Sänger und Gitarrist Joe Gooch in die Band gekommen, in der mit Leo Lyons am Bass, Chick Churchill am Keyboard und Ric Lee am Schlagzeug noch drei Gründungsmitglieder an den Instrumenten stehen, zwar alle drei jenseits der 60, aber immer noch absolute Könner und jeder für sich ein Rockgigant.

    Auch Joe Gooch ist da nicht ohne Ambitionen, selbst dann nicht, wenn er bei all dem, was die anderen Bandmitglieder zwischendurch so aushecken, ruhig und gelassen bleibt. Samtweich hauchend oder knüppelhart schreiend verleiht er den Songs Leben – solchen wie „Working on the Road“, „King of the Blues“, „Love Like a Man“ oder dem Riesenhit „Good Morning Little Schoolgirl“. Seine gleißenden Riffs lassen einem den Atem stocken. Fantasievoll lässt er Pattern von Hendrix oder Deep Purple einfließen, wobei Virtuosität eine wundervolle Verbindung eingeht mit musikalischer Ausdrucksstärke. Einfach bombastisch und beeindruckend.

    An Luther Allison erinnern sich noch viele von uns. In seinem Sohn Bernard Allison hat dieser Ausnahme-Bluesmusiker sein Weiterleben organisiert, wenn auch zu den spezifischen Bedingungen, die der Sohnemann setzt.

    Bernard Allison hat zwei musikalische Stärken, die jede für sich bestechen: Gesang, wobei die „soulful voice“ durchaus an den Vater erinnert, und virtuoses Gitarrenspiel. Mit diesen Fähigkeiten hält er den Blues am Leben, der für ihn zwischen den beiden Polen „funky“ und „rockig“ pendelt und so zu einem faszinierenden Mix zwischen Tradition und Moderne wird, bei dem das Publikum regelmäßig außer Rand und Band gerät.

    In den letzten Jahren tourt Allison fast ununterbrochen. Das Ziel: eine amerikanische Fangemeinde aufzubauen, die so groß ist wie seine europäische. Um sein Ziel zu erreichen, zeigt er an allen Fronten überwältigendes Engagement. Mit seiner energiegeladenen Show tritt er in kleinen Clubs und bei großen Festivals auf und gelegentlich sogar als Vorband von Künstlern wie George Thorogood und Jonny Lang. Aber letztendlich ist es unwichtig, wo er die Bühne betritt und wie lange er spielt (seine eigenen Konzerte dauern in der Regel zweieinhalb Stunden). Seine Einstellung bleibt unverändert: „Mir ist es egal, ob Michael Jackson oder die Rolling Stones nach mir auf der Bühne stehen. Wenn du Bernard Allison den Job gibst, dann kriegst du eine Bernard-Allison-Show. Ich halte mich nicht zurück.“ Und genau das ist bei Live-Auftritten deutlich spürbar. Die Bühnenpower zieht das Publikum unweigerlich in ihren Bann und lässt es nicht mehr los!

    Zum Schluss noch ein Hinweis auf eine Interpretin, die in den nächsten Jahren von sich reden machen wird, und auch den Traditionen des Rock und Blues verhaftet ist.

    Lisa Doby verschmilzt Gospel, Motown, Jazzfunk und Pop mit Rock und entwickelt daraus ihren eigenen, unverwechselbaren Stil. Sie hat auf internationalen Jazzfestivals zusammen mit Weltstars gesungen – und überzeugt. Die Amerikanerin sang bereits als Kind und Schülerin in Gospelchören und Jazzbands. Dort liegen ihre Wurzeln.

    Lisa Doby verschafft sich Gehör. Mit Würde und Grazie. Sie zeigt, was sie kann. Und sie kann viel. Vor allem aber ihre sagenhafte Stimme. Lisa Doby vermag die Zuhörer zu fesseln, sie zu fordern und sie Teil einer Welt werden zu lassen, die sie mit ihrer charismatischen Ausstrahlung immer wieder aufs Neue schafft.

    Bis demnäx.

    Euer Bernhard Wibben

    AdNr:1014

    2009-03-15 | Nr. 62 | Weitere Artikel von: Bernhard Wibben



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