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    Fahre nach Griechenland und gib Dir Dein Leben zurück!

    Zwei herausragende Kabarettproduktionen der jüngeren österreichischen Szene sind in diesem Titel vereinigt. Pepi Hopf beschäftigt sich in „gib Dir Dein Leben zurück“ mit der aberwitzigen Geschichte eines Ferialpraktikanten in der Werbebranche namens Christian Dworschak, der sich lieber „Chicko“ nennt. Er steigt zufällig – ohne viel Zutun seinerseits, denn er übernimmt größtenteils dumme Sprüche aus seiner Umwelt – zum König der Werbebranche auf. Die Welt der Werbung wird immer schneller und „Chicko“ ist mit dabei – bis er gnadenlos überholt wird. Aber er wäre nicht „Chicko“, würde er nicht den genialsten und morbidesten PR-Gag aller Zeiten planen. Ein Freund aus einer anderen zwielichtigen Welt, der Bordellbesitzer, hilft ihm dabei – doch leider nicht bis zum Schluss. Mehr sei nicht verraten, denn es ist wahrlich ein Genuss, der Geschichte zu folgen, die bis zum Ende höchst spannend und vergnüglich bleibt. „Gib Dir Dein Leben zurück“ ist der geniale Wurf eines neuen und reifen Pepi Hopf, der erstmals ein Stück konzipiert hat, in dem er in verschiedensten Rollen perfekt agiert, mit einem wirklich guten, stringenten Text und einer ebensolchen Regie von Leo Lukas. Höchstes Lob für beide!

    Thomas Stipsits, zweiundzwanzigjähriger Shooting-Star der österreichischen Kabarett-Szene, überzeugt sein Publikum in seinem bereits dritten Soloprogramm „Griechenland“ durch eine gute Geschichte und durch schnelle, gekonnte Rollenwechsel. Alte Bekannte aus den beiden vorangegangenen Soli tauchen unvermittelt in Griechenland, selbst am Olymp auf. Prüfungen hat er zu bestehen, Poseidon fährt ihn manchmal im Taxi hin. Zeus scheint burgenländischer Kroate zu sein (ja, auch Götter sind eine Minderheit) und Dionysos ist ein ständig besoffener Gott, der immer wieder lallt, dass sich nichts geändert habe. Wie überhaupt die Götter bei Stipsits als ganz normale Menschen mit Alltagssorgen beschrieben und dargestellt werden, die günstig bei Hofer (Aldi) Biskotten erwerben wollen und auch abwaschen müssen. Für die Regie zeichnet Andi Peichl verantwortlich, der auch als Manager des Jungstars gekonnt agiert. Eine metaphorische Glanzleistung gelingt Stipsits in der Hydra-Aufgabe (Sie wissen schon, Hydra, das Ungeheuer des klassischen Altertums, das der Sage nach neun Köpfe hatte, die aber, sobald sie abgeschlagen wurden, nachwuchsen). Die Szene lehnt sich an die letzten Tage im Führerbunker an, wo Stipsits die Hydra, die nunmehr Haider – mein Landeshauptmann – heißt und als Hitler in der Bruno-Ganz-Version dargestellt wird, töten muss. Und es gelingt! Der junge Griechenland-Tourist meistert alle Aufgaben und darf dann endlich seinen Urlaub genießen. Abseits vom Programm ist zudem die Spendenaktion, die als Verkauf von Marketingartikeln und Benefiz-Veranstaltungen getarnt ist, erwähnenswert. Der Erlös, mittlerweile 10.000,– Euro, wurde dem Obmann des Integrationshauses, Willi Resetarits, vor kurzem übergeben. Ab September 2006 spielen Thomas Stipsits und Pepi Hopf wiederum in der „Langen Nacht des Kabaretts“ zusammen mit Stefan Haider und Fredi Jirkal. „Herr Müller sucht das Glück“, das neueste kabarettistische Solo von und mit Ludwig W. Müller, überzeugt wieder durch grandiose wie absurde Wortspiele, Dialektjonglagen, Sinnlos- wie Schüttelreimen und Lautmalereien. Eine wahre Freude für Freunde der Vielfalt der Sprache. Ganz nebenbei wird der Wellness-Wahnsinn aufs Korn genommen. Alfred Dorfer präsentierte sein neuestes Programm „fremd“, das nicht beschrieben werden kann. Es ist ein assoziatives Stück rund um eine zersplitternde Welt, die durch globale Bilder und Phrasen, die überwiegend nicht mehr hinterfragt werden, nicht mehr zusammengehalten werden kann und sich gerade durch diesen Konsens der Entfremdung allerorten aussetzt. Ach ja, und das neue Programm von Lukas Resetarits, das er „XXII“ nennt, ist einfach entspannte, schöne, unspektakuläre, aber mit hohem Unterhaltungswert versehene Gesellschaftskritik.

    Das Festival „Seelax“ bietet heuer bereits zum sechsten Mal Cabaret im Freudenhaus, Bregenz, Seepromenade – und zwar vom 6. Juli bis 19. August. Ende August öffnet auch das Kabarett Niedermair zum Einstimmen nach der Sommerpause wieder seine Pforten. Ein gemischtes Programm wird geboten, u. a. mit Roland Düringer, Klaus Eckel, Reinhard Nowak und Thomas Maurer.

    Eine kurze Herbstvorschau noch: Die Wiener Kleinkunstbühne Gruam feiert im September ihr 5-Jahres-Fest. Mit großartigen Premieren kann das Kabarett Niedermair in Wien aufwarten: So werden neben der „Langen Nacht des Kabaretts“ auch I Stangl, Martin Puntigam, Mike Supancic und Leo Lukas ihre neuen Solo-Programme präsentieren. Gunkl wird sein neuestes Opus in der Wiener Kulisse dem Publikum vorstellen und der ganz junge, 17-jährige Clemens Maria Schreiner (Kleinkunstvogel-Gewinner des Vorjahres) wird im Herbst sein zweites Programm auf die Kleinkunstbühne Hin & Wider im Grazer Theatercafé stellen. Apropos: Der 20. Kleinkunstwettbewerb in Graz brachte Alice Frick den Publikumspreis und Marc-Uwe Kling aus Berlin den begehrten Jury-Kleinkunstvogel. Deshalb sind bereits Auftritte des Nachwuchskabarettisten in der Grazer Kleinkunstbühne Hin & Wider sowie in Kitzbühel und Straden in Planung.

    Redaktion: Iris Fink

    2006-06-15 | Nr. 51 | Weitere Artikel von: Iris Fink





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