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    Flotte Kleinkunstdampfer gegen Mumien-Schlepper!

    Im Stuttgarter Schauspielhaus gab es die Uraufführung von „Stadt ohne Eigenschaften“. Wie „Smarthouse“ und „LSD“ stammt auch dieses Stück aus der Feder von René Pollesch. Wie wollen wir leben, welche Scheißvorstellungen davon haben wir im Kopf? Ist unsere Umgebung Realität oder zusammenfantasiert? Wie in den Vorläuferstücken schreit und tobt, flüstert und flucht das bewährte Quartett Bächli, Scheibe, Brey und Schumann in den heiligen Hallen des Staatstheaters. Die Bühne ist wieder zwischen den Sitzen installiert, das Outfit ist grell, Mineralwasser fließt in Strömen. Geredet wird in einem höllischen Tempo, improvisiert, kurze Verschnaufpausen werden mit Oldies gefüllt. Pollesch nennt das „Radikaltheater ohne Tradition“. Eine neue Form von Theater mit einem Schuss Satire; zuerst ist das gewöhnungsbedürftig, doch dann kann man süchtig danach werden. Politik mischt sich mit Allzumenschlichem. Ein Experiment, dass wir sonst nur von freien Gruppen zu sehen bekommen. Zweimal hingehen: Doppelt hält besser!

    Die LAG-Theaterpädagogik BW veranstaltete im September im Stuttgarter Theaterhaus das alljährlich stattfindende „Schultheater der Länder“. Mit Theater, Tanz und satirischen Produktionen zu Themen wie Kopftuch in der Schule, Rudi Dutschke, Bomben-Wetter oder Uhrwerk Orange, mit einem hervorragenden kabarettistischen Rahmenprogramm und Johannes B. Bretter wurde das 20. Jubiläum gefeiert. „Macht nicht so viel Theater um die Schule, sondern mehr Theater in der Schule“, hieß das PISA-trächtige Motto. Was die 300 Schüler inhaltlich und theatralisch auf die Beine stellten, beeindruckte auch die knallharten Profis der Szene. Bei der Eröffnung waren der Staatstheaterintendant Friedrich Schirmer, der theaterbegeisterte Geschäftsführer der DM-Märkte Götz Werner und weitere Prominente auf der Bühne, alles professionell moderiert vom SWR-Moderator Markus Brock. Ein fantastisches Festival für Jugendliche, Lehrer und Publikum, das 2005 wieder in Pirmasens stattfindet.

    Die Kleinkunstkneipe Rosenau steigert sich von Monat zu Monat. Neben bekannten schwäbischen Komödianten wie Uli Keuler und Bernd Kohlhepp treten jetzt immer häufiger bundesweit bekannte Fernsehgrößen hier auf. Timo Brunke veranstaltet zweimal im Monat seinen Poetry-Slam, Roland Baisch moderiert die „Open Stage“. Im Stuttgarter Raum wird die Entwicklung mit Spannung verfolgt.

    Eine sati(e)rische Wiener Gruppe stellte sich auf der Freiburger Kulturbörse dem „kritischen“ Publikum. Einige Eisriesen unter den Veranstaltern verließen fluchtartig den Saal. Zu früh, denn sie verpassten das a-capella-Schlagzeugsolo, das den „Flying Stickets“ gewidmet war. Wer Ahnung hatte, verstand. Was unter dem Namen Flying Pickets seit 1987 durch die Lande zieht, ist ein müder Abklatsch der Original Flying Pickets von 1981–1986, politisch, stimmgewaltig, schauspielerisch, eng mit den englischen Gewerkschaften verbandelt. Wer das Anfang der Achtziger live erleben durfte, hat heute eigentlich keinen Bock mehr auf „Acapulka & Co“. Aber vielleicht können die abgefahrenen Wiener – Die Echten – in ihre Fußstapfen treten. Raffiniert machen sie aus englischen Hits eigene österreichische Lieder. Aus „Under the Boardwalk“ wird „Wann da da Boart wochst“, selbst der tausend Mal gerührte „Psychokiller“ wirkt bei ihnen frisch, frech und witzig. Eine Gruppe, die man zweimal hören muss, um alle Doppel- und Dreibödigkeiten mitzubekommen.

    Das „Opening“ der Börse in Freiburg machte der Schweizer Frank Baumann mit „Bilder im Kopf“. Auch bei ihm rasten einige Eisriesen fluchend aus dem Raum. Gut, was der Hund auf der Bühne sollte, blieb vielen ein Rätsel. Die Wortkaskaden und Schnellzeichnungen zum Thema Mann/Frau haben auf jeden Fall alle köstlich amüsiert, die aus Erfahrung wissen, was Männer- und Frauengruppen bedeuten. Schwachstelle: die ausgedehnten Zitate aus historischen Schinken über Beziehungen und Sex. Hier wäre weniger mehr! Evi & das Tier, ein Duo zwischen Chanson und Musik-Comedy? Ja, da wird geklimpert und geröhrt, da wird gestöhnt, da rockt und rollt man/frau über und unter’s Klavier. Beste Unterhaltung, zwischendurch ein paar Comedy-mäßige Ansagen, der Draht zum Publikum glüht. „Ekstase an der Rampe“? Ein treffender Titel! Ausgefallen der Auftritt von Tr’éspace, ein Mix aus Jonglage, Tanz und Musik.

    Bemerkenswert die musikalische Arbeit am Bass, die Interaktion der drei Künstler, perfekte Artistik. Der kurze Ausschnitt macht Lust auf mehr.

     

    Redaktion: Bruno Schollenbruch

    Termine

    Stuttgart: ROSENAU

    3.4. Stuttgarter Poetry-Slam mit Timo Brunke
    15.4. Comedy mit Reinhard Grebe
    21.4. Georg Danzer & Band
    28.4. Sebastian Krämer

     

    2005-03-15 | Nr. 46 | Weitere Artikel von: Bruno Schollenbruch



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