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    Geschichten, die das Leben schreibt

    Newcomer und Alte Hasen im Showgeschäft

    Forderungen werden laut nach mehr deutscher Schlagermusik in den Fernseh- und Rundfunksendungen. Sind das die Nachwehen der Auftritte etwa eines Guildo Horn oder sogar einfach das Bemühen um mehr Volkstümliches? Wie dem auch sei: In einer Zeit, in der Spartensender fast jedem Zuhörergeschmack gerecht werden können, scheint mir eine derartige Diskussion anachronistisch zu sein. Bunte Musikmixturen im Rahmen einer Sendung gehören der Vergangenheit an. Das ist auch gut so. Schon als Kind habe ich mich beim Mitschneiden von Musiksendungen darüber geärgert, dass etwa nach einem Hit der Beatles Billy Mo sich lieber einen Tirolerhut kaufen wollte. Und auch bei Live-Auftritten gibt es nicht „von jedem etwas“. Deswegen können die Anhänger des einen oder anderen Genres sehr wohl entscheiden, zu welchen Konzerten sie gehen und welche Musik sie sich anhören wollen.

    Ich habe das auch getan, und habe wieder einige Tipps für euch. Und dabei stellte ich fest, dass gerade die „Alten Hasen“ des Showbiz Geschichten erzählen können, die das Leben schrieb. Die Newcomer werden dieses Schicksal nur mit ihnen teilen können, wenn sie im Musikleben Bestand haben.

    Mit der Debüt-CD „Changing Places“ hat das Klaviertrio um den knapp 33-jährigen norwegischen Pianisten und Komponisten Tord Gustavsen im letzten Jahr in der Jazzszene auf sich aufmerksam gemacht. Nach seinem Musikstudium in Oslo und Trondheim gründete Gustavsen mit dem Bassisten Harald Johnsen und dem Schlagzeuger Jarle Vespestad das Tord Gustavsen Trio.

    Gustavsen experimentiert in seiner Musik nicht. Er ist Klavierromantiker, entdeckt für sich und sein Publikum das Diktat der Melodien, die die Schönheit der Harmonien beschwören. Dabei ist der klassische Einfluss kaum zu leugnen, erinnert etwa an Satie. Und unverkennbar die Inspirationen durch norwegische, spanische und lateinamerikanische Klassik und Folklore. Zart bedient Gustavsen sein Instrument, und zart und verhaltend klingen Stücke wie „Sentiment“ oder „The Ground“, in denen die Piano-Tonläufe das Geschehen bestimmen. Das Trio nimmt seine Zuhörer mit in die Welt der Schönklänge, in der freie Improvisationsphasen wie Befreiungsschläge wirken. Dezent wie Tords Nadelstreifenanzug wirkt seine Spielkunst. Kaum hörbar im Gesamten das einfühlsame Saitenspiel von Harald Johnsen am Bass. Und noch zurückhaltender, ja minimalistisch selbst in den Solosequenzen, klingt das Schlagwerk, mit dem Jarle Vespestad den Rhythmus markiert und dabei mit dem Jazzbesen auf Snare und Toms Streicheleinheiten verteilt.

    „Man muss nicht eine neue Sprache erfinden, um eine neue Geschichte zu erzählen“, sagt Gustavsen. Und in der Tat ist er ein Geschichtenerzähler. Aus seinen musikalischen Erzählungen strömt geballter Frohsinn gepaart mit Melancholie in den Saal. Augen zu und ab ins Land der Träume, ins nordische vielleicht. Gustavsens Musik strömt wie dieses Land Ruhe und Schlichtheit aus, von der man sich gerne gefangen nehmen lässt, die einen herausholt aus dem Alltag und musikalisch in überaus angenehme Sphären bringt.

    Stephan Sulke hat im letzten Jahr seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert. Sein Kommentar: „Sechzig Jahre überlebt und 30 Jahre deutsche Lieder, das muss man feiern oder sich erschießen.“

    Der in Shanghai geborene Liedermacher hat entscheidend die Szene mitgeprägt. 1963 veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Steif“ die erste Single und startete damit seine Karriere, während der er mit Preisen überhäuft wurde, darunter der Grand Prix du Premier Disque, den ihm Maurice Chevalier überreichte. Schon eine Berühmtheit in Frankreich, den Staaten und zudem erfolgreicher Toningenieur, produzierte Sulke erst 1974 einen Titel in deutscher Sprache – und unter seinem Namen. Seine Texte und sein musikalischer Stil machten ihn in ganz Deutschland bekannt. 1987 dann sein Rückzug als Sänger und Komponist. Erst 1999 bekommt er „Heimwehkoller nach Musik“ und veröffentlicht eine Studio-CD mit neuen und alten Titeln. Als Musiker ist er seither wieder auf Tourneen live zu erleben. Dieses Jahr betitelt er die große Jubiläumstour logischerweise mit „Stephan Sulke 60“. Er ist also gottseidank wieder da. „Ich mach’ s wieder“ heißt sein Programm mit immerhin 13 neuen Liedern. Und die – als wär’s sein Markenzeichen – überschreiten seit eh und je nur unwesentlich die 3-Minuten-Grenze. Mehr Zeit brauchte dieser Poet nie, um Geschichten von „Uschi“, „Tom“ und anderen zu erzählen und seine feinsinnigen Beobachtungen mitzuteilen, sprachgewaltig, teils mit spitzer Zunge, aber ohne erhobenen Zeigefinger, dafür eher mit einem Lächeln im Gesicht.

    Wieder unterwegs in der Gitarristik ist Gernot Gingele. Seine Leidenschaft ist seit mittlerweile 25 Jahren der Flamenco. Und seine Fans der ersten Stunde haben mir erzählt, dass schon damals kein Mucks zu hören war, wenn der Maestro zur Gitarre griff und den Konzertsaal kurzerhand musikalisch zum spanischen Hoheitsgebiet erklärte. Das war in den 70er- und in den 80er-Jahren, und war in etwa auch seine Jazz-Zeit bei der Formation „Kroton“. Seit 4 Jahren ist Gingele nun wieder on stage und auf Tour. Seine Konzerte gleichen mittlerweile einer Reise durch die Entstehungsgeschichte des Flamencos. Neben eigenen Stücken hat Gernot Gingele immer auch Arrangements ganz unterschiedlicher spanischer Interpreten und Komponisten wie Martinez, Montoya, Pena und de Lucia im Gepäck. Und denen drückt er seinen unverwechselbaren Stempel auf. Seine Musik ist neben der Folklore vor allem vom Jazz inspiriert. Dadurch entsteht was Neues, etwa ein „Latino-Flamenco“, der am Puls der Zeit mit ungeheurem Groove ausgestattet ist .Bei Gingele sind Sauberkeit, Rasanz und Präzision in der Spieltechnik nicht Selbstzweck. Erst in Verbindung mit seiner sensiblen, ja lyrischen Art der Interpretation wird der Musiker dem traditionellen Flamenco und der ihm innewohnenden Dramaturgie gerecht. In seinen Händen verwandelt sich die 10-saitige Konzertgitarre in ein ungewöhnliches Jazz-Instrument, lateinamerikanische Rhythmen mit harfenähnlicher Attitüde eingeschlossen. Beeindruckend ist das, was auf seiner neuen CD zu hören ist, die im Januar 2004 auf den Markt kam. „Flamenco & Latin“ heißt sie und bietet 45 Minuten Gitarristik vom Allerfeinsten. Unterwegs ist Gernot Gingele momentan mit dem Zauberer Andino. Zaubern im Doppelpack sozusagen. Fingerfertigkeit zeichnet beide aus, den einen bei spannenden Illusionen, den andern bei tollkühnen Riffs auf 10 Saiten. Mehr als passend ist der Programmtitel „Saitenzauber“, mit dem Andino und Gingele in einem mehr als 2-stündigen Programm ihr Publikum verwöhnen. Hingehen und anschauen ist dringend zu empfehlen.

    Bis demnäx, euer Bernhard Wibben

    2004-06-15 | Nr. 43 | Weitere Artikel von: Bernhard Wibben





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