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    Große Häuser machen kleinen Theatern Konkurrenz

    In der Schweizer Kleinkunstszene gibt es einen Trend zu beobachten, der einerseits (für die Künstler) erfreulich, anderseits (für die Veranstalter) nicht ganz unproblematisch ist: Immer mehr große Spielstätten (Stadttheater, Open-Air-Stätten usw.) programmieren Kabarettisten/Komiker, aber auch Konzerte mit Musikerinnen und Musikern, die man bisher vorwiegend in Kellertheatern zu sehen und zu hören bekam. Manchmal geschieht das unter einem bestimmten Titel, wie im Stadttheater Chur, wo in der vergangenen Spielzeit Joachim Rittmeyer, Andreas Thiel, Simon Enzler, Georg Schramm, Alf Poier und andere in der Programmreihe „Maulhelden“ auftraten. Es ist indes kein Geheimnis, dass Künstler wie die Genannten den renommierten Theatern kostengünstig vollere Häuser bescheren und sie häufig aus rein kommerziellen Gründen gebucht werden. Für die kleineren Theater besteht mitunter die Gefahr, dass „ihre“ Künstler abwandern – Richtung Veranstaltungsorte mit ungleich größeren finanziellen Mitteln. Das Gros der Künstler, das der Kleinkunstszene zugerechnet werden kann, ist sich aber bewusst, dass es den zahlreichen Kellertheatern im Land viel zu verdanken hat, und hält ihnen entsprechend die Treue. Bestes Beispiel dafür ist der erwähnte Appenzeller Kabarettist Enzler, der auch mit seinem neuen, äußerst erfolgreich laufenden Programm „Phantomscherz“ in Theatern auftritt, deren Sitzplatzkapazitäten von 50 bis über 1.000 reichen.

    Es sind natürlich rein logistische Gründe, die das Clownduo Ursus & Nadeschkin im Frühsommer größere Locations wie das Theater 11 in Zürich bespielen ließ: Das Projekt „Im Orchester graben“ war zum zweiten Mal auf Tour – mit einem ganzen Sinfonieorchester (Camerata Schweiz) im Schlepptau ist der Platzbedarf halt etwas größer. Apropos Ursus & Nadeschkin: Die sind im Frühherbst einen Monat lang mit einem neuen Programm von „Perlen, Freaks & Special Guests“ unterwegs – einer kleinen Auswahl von Lieblingskünstlern des weit gereisten Duos, ein wilder Mix aus Nummern und Genres. Dabei kommt es unter anderem zu einem Wiedersehen mit den umwerfend komischen, hochpoetischen BP Zoom (USA/Frankreich).

    BP Zoom stehen dann auch im Dezember beim Arosa Humorfestival auf dem Programm. Zum zweiten Mal unter der künstlerischen Leitung von Frank Baumann wurde die Idee, ausschließlich im Zelt auf 2.000 Metern über dem Meeresspiegel zu spielen, bereits wieder über Bord geworfen. Es gibt zwar keine Rückkehr ins Casino, aber mit dem Saal im Hotel „Bellavista“ eine kleinere, den dort programmierten Künstlern hoffentlich angemessene Spielstätte. Auf dem Postplatz wird das Comedy-Duo Oropax dem Publikum unter freiem Himmel einheizen und das Festival damit definitiv wieder ins alpine Touristendorf zurückbringen.

    Noch ein kurzer Rückblick auf den vergangenen Sommer, der alles andere als kleinkunstlos verlief. So ist das 2. Komik + Ko Fabrik-Festival im St. Galler Rheintal erfolgreich über die Bühnen von verschiedenen Firmen in Vorarlberg, auf der Schweizer Seite des Rheins und in Liechtenstein gegangen. Der österreichische Kulturveranstalter Willi Pramstaller und Clownfrau Gardi Hutter als Programmverantwortliche zeigen sich jedenfalls zufrieden mit gegen 2.000 Besuchern bei zwölf Veranstaltungen mit Künstlern wie Stefan Vögel, Bernhard Ludwig, Andreas Thiel, Ferruccio Cainero, Microband und TheaterMobil. Grenzen seien lachend überwunden worden.

    Ein wunderbares neues Projekt ist „D’Märlikarawane“, die „rond omm de Säntis“ (rund um den Alpstein mit dem Säntis als Hauptgipfel) unterwegs war – ein Märchenerzähl-Zirkus für Klein und Groß, mit Schwein und einem Huhn, das goldene Eier legt. An zwei Dutzend Stationen wurde mindestens einen Tag Halt gemacht und in Kleinst-Wohnwagen aus DDR-Produktion „Bed & Breakfast“ angeboten. Das Patronat hatte „Märchenkönigin“ Trudi Gerster (90) inne. Ob es zu einer Fortsetzung der Märchen-Karawane kommt, weiß Initiant Gerold Huber aus St. Gallen noch nicht. Mit der aufgebauten Infrastruktur lassen sich jedenfalls gut weitere Reisen vorstellen, etwa „rund um den Bodensee“.

    Das Theaterschiff Herzbaracke ist seit zehn Jahren auf dem Zürichsee unterwegs. Jetzt meldet Federico Emanuel Pfaffen, der Leiter dieses außergewöhnlichen Theaters mit einzigartigem Ambiente, einen Erfolg für den Zürcher Pantomimen Damir Dantes. Dieser, einer der „Stammkünstler“ der Herzbaracke, habe beim diesjährigen Internationalen Theaterfestival von Sarajevo den Hauptpreis (Goldener Ziegenbock) sowie den Publikumspreis gewonnen.

    Nur bedingt, aber zwischendurch eben doch immer wieder, hat das Buch „Musikszene Schweiz“ mit der Kleinkunst zu tun. Das von „Tages-Anzeiger“-Journalist Christoph Merki herausgegebene 700-Seiten-Werk liefert wunderbare Blicke auf die oftmals verkannte Vielfalt der Musik hierzulande. Da ist natürlich zwangsläufig von der Auseinandersetzung mit dem Schweizer Volksliedgut die Rede, dem Mundartrock oder auch „importierten“ Klängen, in einem Kapitel über den Balkan „Immigrantenmusik“ genannt. Künstler der genannten Genres sind häufig in Kleintheatern zu hören. So ist etwa der „Sternenkeller“ in Rüti im Zürcher Oberland die Heimat der Romalieder-Band Dschané; danebst ist dort ein Viertel der jährlich rund 50 Veranstaltungen der World-/Folkmusic gewidmet. Oder das Internationale Musikfestival Alpentöne in Altdorf im Kanton Uri: Dieses hat sich binnen weniger Jahre zu einem der führenden europäischen Festivals gemausert in Sachen Musikprojekte, die sich mit der alpinen Tradition auseinandersetzen. Heuer spielten unter dort anderem Max Lässer & Das Überlandorchester, Corin Curschellas & The Recyclers, die Wellküren, da Blechhauf’n und die Schäl Sick Brass Band. Die Schäl Sick präsentierten unter dem Motto „Global denken – lokal blasen” World Music from Cologne und kamen mit einem besonderen Alpen-Special nach Altdorf.

    Redaktion: Hans Bärtsch

     

     

    Termine:

    02.10.: Luzern, Kleintheater, Theater Marie mit „Erster Liebe“

    bis 04.10.: Zürich, Volkshaus, Ursus & Nadeschkin präsentieren „Perlen, Freaks & Special Guests“; mit Annamateur & Außensaiter, BP Zoom, Duo Iroshikov, Hilty & Bosch, Inertie, Morgan

    19.10.: Zürich, Weisser Wind, „Züri lacht“

    ab 28.10.: St. Gallen, Kellerbühne, Wiederaufnahme der Eigenproduktion „Sirenentränen“ (www.kellerbuehne.ch)

    ab 29.10.: Zürich, Theaterschiff Herzbaracke, u. a. mit Damir Dantes, Duo Lunatic, Klezmer Pauwau, Marco Zappa, Schümli Pflümli, Ssassa, Zapzarap

    02.11.: Luzern, Kleintheater, „Lozärn lacht“ u. a. mit Christian Überschall, Duo Full House, Helge & Das Udo, Ingo Oschmann, Michael Elsener, René Caldart, Reto Zeller, Wilde Weiber

    03.–13.12.: Arosa, Humorfestival u. a. mit Alfred Mittermeier, AutoAuto, BP Zoom, Jockel Tschiersch, Johann König, Leo Bassi, Marco Rima, Matthias Egersdörfer, Men in Coats, Michael Mittermeier, Oropax, Piet Klocke/Simone Sonnenschein, Rob Spence, Simon Enzler, Tschirpke/Krämer, Willy Astor (www.humorfestival.ch)

    2009-09-15 | Nr. 64 | Weitere Artikel von: Hans Bärtsch





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