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    Improvisationsfreudig und offen für Elfen

    Drei Hamburg-typische Stätten? Das Publikum im Theaterschiff am Mäuseturm überlegt nicht lange: Hagenbecks Tierpark, Hauptbahnhof und Wilhelmsburg. Fünf Akteure und ein Keyboarder greifen die Stichwörter auf und gestalten daraus spontan ein zweistündiges Stück. Ein Mini-Hamburg-Musical mit originellen Typen und einer richtigen Geschichte, dargeboten mit Spielfreude und Witz, und wieder eine Premiere: damit ein typisches Angebot des freien Theaters Steife Brise, das sich bereits seit 1993 der Improvisation verschrieben hat. Unter Einfluss von Impro- und Theatersport-Vater Keith Johnstone gründete Thorsten Brand die Profi-Gruppe, die heute von ihm, Katharina Budding und Ulrike Schlößer geleitet wird. Die Steife Brise experimentiert gern mit längeren Theaterformen, aufgetreten wird am Mäuseturm, in der AGMA Zeitbühne und im LOLA in Bergedorf. (www.steife-brise.de)

    "Leider gibt es in Hamburg immer noch zu wenig Impro-Angebote", sagt Marc Günther von den Zuckerschweinen. Der 30jährige Verkäufer gründete seine fünfköpfige, hochengagierte Amateurtruppe vor vier Jahren zusammen mit Kristian Brand. Günther vermisst in der Stadt eigene Impro-Bühnen und die Bereitschaft großer Theater, solche Gruppen auftreten zu lassen: "Es würde sich lohnen, denn die Publikumsakzeptanz dieser uralten Theaterform steigt nun auch in Norddeutschland." Die Zuschauer fänden ihr Vergnügen auch in der Schadenfreude: "Manche warten nur darauf, dass Spieler beim Improvisieren scheitern." Unter den wenigen Gruppen in Hamburg, zu denen auch Zap-A-Lot aus Bergedorf und Freier Fall gehören, empfinde man sich nicht als Konkurrenz, sondern "wie eine Familie", sagt Günther. So hatten sich Brand und er einst auf einem Workshop von Steife Brise kennengelernt. Die rein männlichen Zuckerschweine bieten kürzere "Shows": offene Szenen und Themen in Variationen. (www.Zuckerschweine.de)

    Einmal im Monat gastiert Hidden Shakespeare im Schmidt-Theater. Die sechs Profi-Schauspieler sorgen für ein volles Haus, an den Tasten improvisiert dann virtuos Schmidts Musik-Chef Martin Lingnau. Soap Opera, Absurdes Theater und Stummfilm-Ästhetik - aus diesen Elementen setzte sich etwa das abendfüllende Spontan-Stück um einen gewissen Franz Aldi aus Barmbek zusammen, bei dem Hidden Shakespeare mit darstellerischer Präsenz, Geistesgegenwart, skurrilen Einfällen und sogar Tiefgang glänzte. Immer wieder forderte Moderatorin Mignon Remé das Publikum zur Mitwirkung auf - die Stimmung stieg, bis jeder nur noch eine Tomate von Aldi sein wollte.

    Hidden Shakespeare erlebt man mit anderen Formen auch in Alma Hoppes Lustspielhaus und auf der AGMA Zeitbühne. Mignon Remé, die mit Kirsten Sprick das Ensemble 1993 gründete, erklärt das auffallende Niveau mit regelmäßiger Fortbildung auf internationalen Festivals: "So ein Festival auch in Hamburg zu haben - das wäre phantastisch für die Szene hier." (www.hiddenshakespeare.de)

    Und was passiert sonst Neues auf Hamburgs Brettln?

     "Die Rache ist mein", dachte sich Lisa Politt und widmete ihr jüngstes Solo (nach Jahren) eben diesem Thema. Aus aktuellem Anlass, natürlich. Im glitzernden Kampfanzug und mit Springerstiefeln jumpte die Rothaarige auf die Bühne des Schmidt-Theaters, sang, zürnte und kalauerte rund um Wut und Vergeltung - politisch wie privat. Die Politt, seit zwei Jahrzehnten "Herrchens Frauchen", ist eine Ikone des gerade in dieser Stadt raren politisch-feministischen Kabaretts. Sie darf sich ihres Formats und ihrer Ausstrahlung gewiss sein. Dennoch: Im Vielerlei von Nasenoperationen, Geschlechtsumwandlungen, einem vom Blitz erschlagenen Moorbauern, US-Einsatz in Afghanistan und den Reminiszenzen an die eigene politische Vergangenheit verlor ihr Biss trotz mancher Highlights streckenweise an Schärfe.

    Die Luft- und Wassergeister gerieten in Aufruhr, als Stefan Schwidder zur "Reise in die Phantasie - eine kleine Feen- und Elfenkunde" nach Oevelgönne einlud: Das idyllisch in der Elbe gelegene Schiff mit dem gemütlichen Museumshafen-Café, in dem Schwidders Lesung stattfand, schaukelte derweil heftig - was wundersam zur Stimmung passte. Der Autor, Dozent und Komödiant hat sich nämlich dem Übersinnlichen verschrieben: Eigene Gedichte und Prosa (sein Büchlein "Wolkensteins Märchen") sowie romantische Verse der großen Kollegen Heine, C.F. Meyer und Bürger rund um geheimnisvolle Geistwesen standen auf seinem Programm. Unterhaltsam, eher verspielt als abgründig vermittelte der 31jährige sein Anliegen, sich auch im Alltag "wieder mehr für die feinen Schwingungen der inneren und äußeren Natur zu öffnen." Den wie sagten schon die Gebrüder Grimm: "Glück verbreitet sich in einem Haus, das einen Elfen besitzt."                                                                   

    Redaktion: Ulrike Cordes

    2002-06-15 | Nr. 35 | Weitere Artikel von: Ulrike Cordes





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