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    Jahresrückblick 2013 - von Thilo Seibel


    "Ein Mann - ein Jahr - ein Blick zurück" - der Jahresrückblick


    Ein komisches Jahr. Irgendwie war nichts so richtig, oder?

    art_250_Seibel_EinMannEinJaEinen geilen Winter hatten wir, das schon. Aber wieso im Frühling? Eine neue Bundesregierung haben wir, das schon. Aber wieso wieder mit Merkel? Und das nach DEM Aufwand: Das gesamte erste Halbjahr war Wahlkampf, das zweite Halbjahr dann Sondierungs- und Koalitionsgespräche.

    Was war noch – man kann sich an Bruchstücke erinnern: Die Deutsche Bank hat zusammen mit der NSA Wechselkurse manipuliert, Uli Hoeneß hat seine Billigwürste in Bangladesch produzieren lassen, dann ist eine Fabrik eingestürzt und 1000 Arbeiter wurden zu Wurst verarbeitet, das hat keinen gestört, aber als man Pferdefleisch in den Würsten gefunden hat war der Ofen aus und Hoeneß mußte Wladimir Putin um Asyl bitten; aus Scham für Markus Lanz bekommen wir 73 Cent vom Rundfunkbeitrag rückerstattet, Peter Altmaier hat  in einem himbeerbonbonfarbenen Jogginganzug „Wetten dass“ mitmoderiert… - nein, so geraten die Ereignisse durcheinander, wir müssen das irgendwie ordnen. Chronologisch kann jeder Kalender, ich schlage vor, wir ordnen das Jahr 2013 anhand von Themen.


    Da wären zum ersten die Wahlen:

    Wir erinnern uns: Diese fulminante Wahlkampf! Der Stinkefinger von Peer Steinbrück. Aufregung. Feuilletonschreiberlinge gaben zu bedenken, das hätte „Dynamik in den Wahlkampf“ gebracht. Da sind wir inzwischen: Intellektuelle Dynamik im Wahlkampf entsteht in Deutschland durch einen Stinkefinger. Ich würde eher nüchtern sagen: So lange ein Politiker seinen Mittelfinger in die Kamera hält, kann ich wenigstens in dem Moment sehen, wo der seine Finger drin hat.


    Was immer man davon hält, in jedem Fall war Steinbrücks umstrittene Geste immer noch kreativer als Angela Merkels Worte. Im Wahlspot der CDU sagte sie u.a.: „Sie kennen mich“.

    ?!?

    Ich habe mir den Spot bei Youtube 42 mal hintereinander angesehen. Ich bin nicht darauf gekommen was sie damit sagen wollte. Außer „diese Bundesegierung hat vier Jahre lang nichts auf die Kette bekommen, aber: Sie kennen mich.“

    Dann kam der emotionale Höhepunkt des Wahlkampfes: Das Duell. Halb Deutschland hat es gesehen. Hauptsächlich weil nichts anderes im Fernsehen kam. Es war unfassbar spannend. Bis zu dem Moment, wo es anfing. Aber im Vorfeld! Man hat gefiebert: Kann er den unglaublichen Erwartungsdruck, der auf ihm lastet, meistern? Oder wird er, wie früher, arrogant und ausfällig? Das war sicher nicht leicht – für Stefan Raab.

    Raab hat mitmoderieren dürfen, damit sich „wieder mehr junge Menschen für Politik interessieren“. Für das nächste Duell 2017 laufen bereits Verhandlungen mit Moderatoren wie Dieter Bohlen und Sponge Bob. Stefan Raab hat es dann aber gar nicht so schlecht gemacht. Zwischenzeitlich konnten Wissenschaftler während des Duells im Studio sogar Spuren menschlichen Lebens nachweisen.

    Angela Merkel hat im Duell nicht viel mehr gesagt als „Sie kennen mich“. Und das hat dann gereicht! Fast die absolute Mehrheit für die Union. Wie das? Warum wodurch wofür?!

    Es war eine Wiederwahl: Die Wiederwahl von Konrad Adenauer in einem weiblichen Körper. Adenauer war berühmt für die Losung „Keine Experimente“. Merkel hat das einfach nur erweitert: Auch keine Inhalte, kein Programm und keine Partei mehr. Wozu auch? „Sie kennen mich“.


    Lichtblick am Wahlabend war das Verschwinden von Philipp und seinen Brüderle, diesses gelben Zäpfchens im Allerwertesten der verschiedensten Lobbygruppen. Man darf die große Leistung der FDP für die Demokratie nicht unterschätzen: So dreist gewesen zu sein, dass die Menschen kurz wach geworden sind. Das haben noch nicht viele geschafft.

    Etwas rätselhaft war die Lage bei den Grünen. Nach dem miesen Ergebnis haben sie schon am Wahlabend nach intensiven internen Recherchen festgestellt, dass der gesamte Wahlkampf von Jürgen Trittin allein geführt worden ist. Und alle Grünen wußten plötzlich auch schon immer, dass die nette und urgrüne Idee des Veggie-Days keine nette Idee, sondern stalinistische Bevormundung der Bevölkerung war. Was ist da eigentlich passiert? Wenn man in Deutschland einen vegetarischen Tag auf freiwilliger Basis vorschlägt, dann protestieren dagegen mehr Menschen als gegen Wuchermieten, den NSA-Skandal und die Finanzkrise zusammen. Da hat wohl jemand ein bißchen Lobbyarbeit gemacht? Daran sehen wir doch, dass ein Fleischkonzern wie Wiesenhof Hähnchen nicht nur dem Vereinsvorstand von Werder Bremen, sondern offenbar auch etlichen Wählern das Hirn mit Hühnerkacke verkleistert hat.

    Die Überraschung direkt nach dem offiziellen Wahlergebnis: Schwarzgrüne Sondierungsgespräche. Das war so SÜSS! Allein schon, wie die miteinander geredet haben! Diese Bilder: Hermann Gröhe, der Ganzkörper-Teddy der CDU, tief ins Gespräch vertieft mit Katrin Göring-Eckhard, dieser gelungenen Mischung aus evangelischem Kirchentag und Biokarotte.

    Und sie hatten schon ein paar gemeinsame Punkte erarbeitet:

    Ein grundsätzliches Ja der Grünen zu Auslandskampfeinsätzen der Bundeswehr, wenn die Bundeswehr im Gegenzug in ihren Gulaschkanonen einen vegetarischen Tag einführt.

    Die sofortige Abschaffung des Betreuungsgeldes, außer es wird auch für die Betreuung von Jürgen Trittin und Claudia Roth ausgezahlt.

    Bei Geländewagen und Luxuskarossen ab sofort, also ab 2030, der zwingende Einbau von solarstromgetriebenen Zigarettenanzündern.

    Und in Hessen machen sie das jetzt wirklich! Nur halt nicht mit Auslandskampfeinsätzen, dafür aber mit Fluglärm. Ausgerechnet in Hessen, das Land des gelbgerauchtesten Ministerpräsidenten der Republik, Volker Bouffier: Der Mann mit dem Goldzahn unter dem 70er-Jahre-Toupet.

    Und was mit der SPD? Die SPD erstarrte zunächst in Angst. Angst vor der Bedeutungslosigkeit, Angst mit anderen Parteien als der Union auch nur zu sprechen, Angst vor Neuwahlen, Angst davor, dass Andrea Nahles wieder im Bundestag spricht. Die hatten dermaßen die Hosen voll - wäre die SPD eine Person, hätte man geraten: „Du mußt dir mal professionelle Hilfe holen. Eine Therapie ist doch keine Schande.“

    Diese stolze Traditionspartei SPD, die dieses Jahr auch noch 150. Jubiläum hatte! Das ging ein bißchen unter, denn es gab ein weiteres großes Jubiläum: 150 Jahre Aldi. Die ersten 50 Jahre SPD ging es also noch ohne Aldi.

    Am allermeisten Angst hatte die SPD, durch eine schwarz-rote Koalition zerrieben und zermerkelt zu werden und bei den nächsten Wahlen ein katastrophales Ergebnis einzufahren. Da würde man als Therapeut beruhigen: „Das ist doch völlig unbegründet: Gerade diese Wahl hat doch gezeigt, dass Sie schon ganz ohne schwarz-rote Koalition ein katastrophales Ergebnis bekommen“.

    Das muss gewirkt haben, denn nun gibt es die GroKo. Sigmar Gabriel sagte bei der Präsentation des Koalitionsvertrages: „Tun Sie mir einen Gefallen und lassen Sie uns den Quatsch beenden!“ – nein, das wäre an dieser Stelle schön gewesen, aber das sagte er erst später bei Marietta Slomka – zum Vertrag sagte er: „Das ist ein großer Wurf für die kleinen Leute.“

    Und: Natürlich habe man „Kompromisse“ machen müssen.

    „Kompromisse“ heißt in diesem Fall: Man hat alles da reingeschmissen, was beide Seiten irgendwie gut oder zumindest nicht völlig Scheiße finden – eine Rente für die Mutti, eine Maut für Onkel Seehofer – und um den Krempel zu finanzieren werden die Sozialbeiträge erhöht. Nicht die Steuern, die Sozialbeiträge. Damit ist zu 150% sichergestellt, dass kein einziger Gutverdienender oder gar Vermögender auch nur einen Cent zum Wunschkonzert beitragen muss. Denn wer zahlt Sozialbeiträge? Ausschließlich Menschen mit einem kleinen Einkommen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze! Danke, SPD! Sigmar Gabriel meinte vermutlich „Dies ist ein großer Wurf AUF die kleinen Leute.“

    Personell gab es ein paar kleine Überraschungen im neuen Kabinett. Das Beste: Ursula von der Leyen. Eine großartige Entscheidung! Wir werden keine Waffen mehr brauchen. Ursula wird alle unsere Feinde in Grund und Boden reden. Schon sieht man sie übers Schlachtfeld rennen und rufen „ich möchte für jeden Soldaten ein warmes Mittagessen…“ – egal wo, sie werden in Panik wegrennen von der kleinen blonden Frau.

    Schön für die Welt, aber traurig für Kabarettisten: Ronald Pofalla ist nicht mehr dabei. Traurig für niemanden: Peter Ramsauer auch nicht mehr. Dafür kommt jetzt die Doofprindte. Das Klügste an ihm ist seine Brille. Wir werden sehen ob das reicht für die Pkw-Maut.

    Wieso überhaupt Pkw-Maut – alle sind sich einig, dass das im besten Fall gar nichts bringt, aber wir müssen darüber reden, weil Horst Seehofer im Halbschlaf „Maut“ gegrunzt hat und die Doofprindte als Bettvorleger hat das dann aufgeschrieben.

    Großartig am Wahlabend in Bayern, eine Woche vor der Bundestagswahl: Sigmund Gottlieb. Zensur kann so lustig sein. Mitten in einer Rede von Sigmar Gabriel (zufällig hat er genau da die Bürger vor der Pkw-Maut gewarnt) drehte ihm Gottlieb den Saft ab und sagte, man wolle für ein wenig Abwechslung sorgen. „Deshalb zeigen wir Ihnen jetzt ein Portait des Mannes, der der CSU wieder zur absoluten Mehrheit…“ und dann ein Film über Seehofer, den vermutlich Leni Riefenstahl gedreht hat. Gegen den BR ist das chinesische Staatsfernsehen investigativ.

    Schließen wir dieses Thema ab: Colaflaschen haben jetzt Namen. Und das ist neu: Flaschen mit Namen kannte man bisher nur aus der CSU.


    Ein weiteres zentrales Thema im gesamten Jahr 2013: Der NSA-Skandal

    Im Juni ist ein Albtraum wahr geworden: Es gibt eine Behörde, die alle 5 Minuten weltweit mehr Daten absaugt und speichert, als die Stasi in 40 Jahren DDR sammeln konnte. Sie wissen, wann du mit wem wie lange telefoniert hast und bei welchem Internetportal du die Hose gekauft hast, die du beim Schauen welchen Pornokanals gerade aufgeknöpft hast. Davon wissen wir durch den Mut eines einzelnen Mannes, der hoffentlich noch entsprechend gewürdigt durch den Friedensnobelpreis, oder wenigstens Asyl in einem Land außerhalb des Wirkungsbereichs des ehemaligen Geheimdienstmannes und Gewaltherrschers Putin.

    Was geschah dann - es gab einen kurzen Moment der Spannung im Duell: Angela Merkel mußte auf direktes Nachfragen der Journalisten, die zu  diesem Zeitpunkt noch nicht eingeschlafen waren (Peter Kloeppel war es also nicht) einräumen, dass sie erst aus der Presse und durch die Enthüllungen von Edward Snowden von dem gigantischen Daten-Diebstahl durch die NSA erfahren hat. Hätte man weiter nachgefragt, hätte sie auch zugeben müssen, dass sie von der Existenz der NSA und des BND erst aus der Presse erfahren hat. Damit war die Frage im Raum: Hat Merkel  ihren Amtseid verletzt, indem sie Schaden von Deutschland nicht abgewendet hat? Und nicht bei den Amerikanern auf Aufklärung bestanden hat? 

    Da sagte sie: „Hab ich wohl. Sie kennen mich“. Und sie hat ja tatsächlich nach Bekanntwerden des Skandals ihre erste Geheimwaffe gezogen: Hans-Peter Friedrich, die Topfpflanze des Innenministeriums. Sie hat ihn nach Washington geschickt, um „den Amerikanern auf den Zahn zu fühlen“. Da war aber Washington in Angst! „The Topfpflanze comes!“ Sie haben ihn in einen fensterlosen, abhörsicheren Raum geführt – also einen Raum, den nur die NSA abhören kann -  da hat man ihm ein Blatt Papier gegeben, ohne Briefkopf oder Unterschrift, auf dem stand, dass sich „sämtliche Aktivitäten der NSA innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegt“ hätten. Dann haben sie ihm auf die Schultern geklopft und Bye-bye Häns-Pieter Topfpflanze. Dann ist er wieder heim, und da sah er wirklich aus wie ein lange nicht mehr gegossener Gummibaum. Eine Dienstreise von Hans-Peter Friedrich für eine Massage nach Thailand hätte unserem Land mehr Entspannung gebracht.

    Dann ist etwas Ungeheuerliches passiert: Manchen hat dieses Blatt Papier von der Topfpflanze als Erklärung nicht gereicht. Es gab Journalisten, die haben nachgefragt. Und da hat Angela Merkel ihre zweite, finale Geheimwaffe gezogen: Den Terminator. Den Mann, der  Kraft seiner unfassbaren Autorität sämtliche Vorgänge auf diesem Planeten beenden kann, der Terminator eben: Ronald Pofalla. Er hat die Debatte über den NSA-Skandal für immer beendet, indem er sie für beendet erklärt hat. Aber WIE er das gemacht hat - beeindruckend, wie Pofalla Horden von Reportern und Oppositionspolitikern mit bloßen Spuckebläschen niederstreckte.

    Im Oktober gab es einen dramatischen Wendepunkt in den Deutsch-Amerikanischen Beziehungen. Es war bereits bekannt, dass die NSA in Deutschland millionenfach und widerrechtlich Daten abgesaugt und gespeichert haben. Da hat die Bundesregierung erklärt: „Freunde ausspionieren – das geht gar nicht“. Im Oktober ging aber aus Edward Snowdens Enthüllungen hervor, dass u.a. auch Angela Merkels Handy abgehört worden ist, 10 Jahre lang. Und da platzte der Kanzlerin der Kragen. Sie sagte: „Befreundete Regierungschefs ausspionieren – das geht gar nicht“.

    Es gab ein direktes Gespräch mit Obama – Merkel mußte ja nur am Telefon sagen „und an die Kollegen von der NSA: Stellt mich mal sofort durch zu Barack, sonst glüht der rote Draht – Sie kennen mich!“ – und schon war Obama dran.

    NSA-Chef Keith Alexander, der dieses Gespräch natürlich abgehört hat, hat sofort reagiert: „Wir verfolgen mit diesen Programmen Terroristen“.

    Wenn sie Angela Merkel abhören?

    Davon abgesehen, dass das eine bodenlose Unverschämtheit ist und einem Einbruch gleichkommt  - aber was versprechen sich eigentlich Geheimdienste davon, Angela Merkel abzuhören? Wahrscheinlich rätseln die Geheimdienstleute bis heute, was die Merkel für einen abgefahrenen Sprachcode benutzt, das ist ja für uns Deutsche völlig unverständliches Zeug!

    Dann flog ein weißhaariges, ältliches, schmächtiges Männlein mit Theo-Waigel-Gedächtnis-Augenbrauen kurzerhand geheim zu Edward Snowden. Dieser war bereit, der Bundesregierung zu helfen und Aussage darüber zu machen, was die NSA konkret noch alles gegen die Bundesrepublik unternommen hat und ob auch andere Spitzenpolitiker abgehört wurden - Sigmar Gabriel z.B. wollte sehr gerne abgehört werden, aber die NSA hatte kein Interesse. Die Bundesregierung wollte Snowden aber auf keinen Fall in Deutschland aussagen lassen, um „die Beziehungen zu den USA nicht noch mehr zu belasten, als sie es jetzt schon sind“.

    So was sagt der Regierungssprecher, der seibernde Steffen, ohne zu lachen, auf das Bundespressekonferenz-Tischchen zu kotzen oder wenigstens rot zu werden.

    Wir trauen uns nicht einmal, den Zeugen des Einbruchs zu befragen! Damit nicht genug: Nach und nach kam heraus, dass deutsche Geheimdienste und die Bundesregierung nicht nur alles gewußt haben, sondern sogar Verträge mit US-Diensten und deren dubiosen Subunternehmern gemacht haben, die auch in der Entführungs- und Folterbranche tätig sind. Aufträge z.B. für die Email-Verschlüsselung von Regierung und Parlament. Heißt: Wir trauen uns nicht, den Zeugen des Einbruchs zu befragen, und wir lassen uns vom Einbrecher auch noch Türen und Schlösser liefern. Mit diesem Einbrecher werden wir weiterhin gute Beziehungen haben, denn wir er wird weiterhin gerne bei uns einbrechen.

    Ronald Pofalla, Kraft seines Amtes der Wurmfortsatz der Geheimdienste, hat dann am 6.11. endgültig versichert: Im Weißen Haus sei „die politische Dimension der Affäre voll erkannt“ worden. ER weiß das. „Voll erkannt“ – wenn man um die sexuelle Bedeutung des Wortes „erkennen“ aus der Bibel weiß, dann weiß man, dass die Amis damit gesagt haben: „Wir haben Euch voll gefickt.“

    Man kann festhalten: Die NSA ist sozusagen die Behörde des Jahres.


    In diesem Zusammenhang kann man dann auch das Gerät des Jahres nominieren, und das ist: Die Drohne.

    Drohnen – das sind diese modischen unbemannten Fluggeräte, die z.Z. jeder haben will. Drohnen sind ein Must-have, quasi die Gucci-Handtasche moderner Generäle. Thomas de Maziere wollte das auch unbedingt haben, wußte aber nichts mehr davon. Unklar ist heute nur, wann der Zustand seiner Bewußtlosigkeit eingetreten ist, erst nach der Entwicklung von Euro Hawk, vor seiner Amtsübernahme oder unmittelbar nach seiner Geburt.

    Problem: Die Drohne „Euro Hawk“ arbeitet so wie das Bundesverteidigungsministerium: Es sitzt niemand drin, der das Ding steuert.

    Man hat viele Milliarden in Euro Hawk gesteckt, dann flog es sogar, und als es dann so hübsch flog stellte man fest, dass es Vorschriften gibt, wegen denen es nicht fliegen darf. Ich weiß nicht, ob das amerikanische Militär immer beim Ordnungsamt Ramstein / Pfalz anruft, um eine Flugerlaubnis für ihre Drohnen zu erbitten, um damit dann in Pakistan Leute in die Luft zu jagen.

    Im Falle der Bundeswehr ging es bisher nur um eine Aufklärungsdrohne. So eine Aufklärungsdohne wollten auch Italiener und Franzosen unbedingt haben, um damit herauszufinden, wer im eigenen Land gerade regiert.

    Aber nicht nur Staaten und Terroristen wollen Drohnen, sondern dieses Jahr auch die Deutsche Bahn. Offiziell haben sie gesagt, sie wollen so ganz kleine Drohnen, um damit Grafitti-Sprayer zu entdecken und zu verfolgen. Aber das stimmt nicht. Die Bahn will Aufklärungsdrohnen, um damit nach dem Verbleib ihrer Züge zu forschen. Eine Drohne würden sie nach Wolfsburg schicken und eine nach Mainz… sobald sie wissen, wo das ist…


    2013
    war nicht nur das Jahr der NSA, sondern auch des NSU:

    Der „Nationalsozialistische Untergrund“ hat in diesem in doppelter Hinsicht eine Rolle gespielt: Ein Untersuchungsausschuß zu den Ermittlungspannen ist eingesetzt worden, und der Prozess gegen Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben begann im Frühjahr in München.

    Man muss sich nochmal vergegenwärtigen: Auch der BND, unser eigener schnuckeliger Geheimdienst mit der Nazi-Vergangenheit,  sammelte systematisch millionenfach Daten von deutschen Bürgern. Und trotz all dieser Überwachungsmöglichkeiten war man 10 Jahre lang nicht in der Lage, drei tumbe, mordende Neonazi-Vollpfosten zu entdecken. Seit Herbst weiß man auch, warum: Die Sicherheitsbehörden waren bis jetzt völlig ausgelastet damit, statt Nazis die Linke zu beobachten. Es ist in den letzten Jahren ja auch kaum ein Tag vergangen, an dem nicht Ausländer von Gregor Gysi und Katja Kipping zusammengeknüppelt worden sind. Verfassungsschützer waren fassungslos, dass ihnen das im Herbst das Verfassungsgericht verboten hat. Das die sauer waren kann man verstehen: Ich würde auch statt tumber Neonazis lieber Sarah Wagenknecht beim Baden beobachten.

    Die Pannen waren leider nicht auf die Ermittlungen beschränkt: Bei Beginn des NSU-Prozesses im Frühjahr in München hat der Vorsitzende Richter den Prozess wegen der hohen Nachfrage nicht etwa in einen größeren Raum verlegen lassen – das wäre zu einfach gewesen. Er hat die zu knappen Pressekarten verlosen lassen. Deshalb konnten dann wir im berühmten Polit-Magazin „Brigitte“ etwas über Beate Zschäpes Frisur lesen.


    In diesem Zusammenhang kann man den Job des Jahres nominieren: V-Mann!

    Ein toller Job: Man kann weiter kriminell sein, bekommt aber vom Staat Geld dafür.

    Es heißt, man braucht V-Männer, um Infos aus der Szene zu bekommen, um  damit dann Verbrechen zu verhindern. Das hat ja im Fall NSU super geklappt.

    Ich habe Ihnen hier einmal die drei skurrilsten Beispiele aus dem Jahr 2013 zusammengetragen, was V-Männer so treiben:

    Im NSU-Untersuchungsausschuß wurde bekannt, dass drei V-Männer für drei unterschiedlichen Dienststellen – einer für den Berliner Verfassungsschutz, einer für das LKA Berlin und für das BKA - aus der rechtsradikalen Szene im Großraum Berlin berichtet haben. Die drei V-Männer haben sich also gegenseitig beobachtet... Allerdings: Die drei V-Männer wußten untereinander, dass sie alle V-Männer für unterschiedliche Dienststellen waren. Die Dienststellen wußten es aber nicht. Die V-Männer hatten großen Spaß. Die Dienststellen nicht.

    Beispiel 2: Ein anderer V-Mann hat mit den insgesamt 200 000 Euro Lohn, die er als vom Staat als Beobachter der rechten Szene Sachsen bekommen hat, die rechtsradikale Szene Thüringen aufgebaut. Für die rechtsradikale Szene Thüringen braucht man jetzt wieder neue V-Männer. Die werden dann von ihrem Lohn wahrscheinlich die rechtsradikale Szene Sachsen-Anhalt aufbauen – es ist ein perpetuum mobile der Verblödung.

    Beispiel 3: Beim NSU-Prozeß wurde ein V-Mann vernommen, der in einem Nürnberger Internet-Cafe saß und in dem 12 qm großen Raum angeblich nicht mitbekommen hat, dass in genau dem Moment, als er da saß und sich Pornoseiten angeschaut hat, der Besitzer am Tresen mit drei Kopfschüssen ermordet wurde – er hat am Tresen gezahlt, sich ein bißchen gewundert und ist gegangen.

    Wenn mit Hilfe solcher Leute die Verfassung geschützt werden soll, bin ich verdammt froh, dass ich nicht die Verfassung bin.

    Wir bleiben noch bei diesem düsteren Themenkomplex, den ich gerne überschreiben würde mit „Nett sein zu Immigranten“, denn 2013 war auch ein Jahr der Flüchtlingskatastrophen. Neben vielen anderen, wie dem Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland, möchte ich für diesen Jahresrückblick an Lampedusa erinnern.

     

    Lampedusa

    Am 3. Oktober gab es über 300 Tote vor Lampedusa, der Insel am Arsch der reichen Welt. Es gab viel Betroffenheit. Joachim Gauck, der mecklenburgische Messias, die intellektuelle Hämorhoidensalbe,  hat uns hart die Leviten gelesen: „Diese Menschen hineinsegeln zu lassen in einen vorhersehbaren Tod mißachtet unsere europäischen Werte.“

    Ihm muss da ein Detail entgangen sein. Denn leider haben alle Mitgliedsländer der EU gemeinsam eine Richtlinie beschlossen, in der es heißt: „Wenn in einem Mitgliedsland jemand Nicht-EU-Ausländer vor dem Ertrinken rettet (Sie sollten also einen Ertrinkenden vor der Rettung immer fragen, ob er Inländer, Ausländer oder Nicht-EU-Ausländer ist), dann MUSS das betreffende Land die Retter nur dann nicht bestrafen, wenn das Ziel dieses Verhaltens humanitäre Hilfeleistung sein sollte.“

    !?!

    Lassen wir uns das mal auf dem Großhirnlappen zergehen: „Falls das Ziel der Rettung Ertrinkender humanitär sein sollte“ - dagegen ist deutsches Beamtenrecht sinnvoll. Dort finden Sie nur Formulierungen wie „mit dem Tod des Beamten endet das Dienstverhältnis“.

    Um keine Flüchtlinge aufnehmen zu müssen hat Hans-Peter Friedrich, die Topfpflanze des Innenministeriums, die Entwicklungshilfe entdeckt. Das ist neu. Deutschland hatte bisher in Dirk Niebel einen Entwicklungshilfeminister, der sich bei der persönlichen Ausplünderung von Drittweltländern auch noch am Zoll hat erwischen lassen, weil er geistig nicht einmal das Niveau der Bodenbeläge erreicht, die er im Koffer versteckt hatte.

    „Zuflucht Suchende sind verletzliche Menschen - würde man den Schleim der ganzen Reden mit Taschentüchern aufwischen und auf einen Haufen werfen, er wäre so hoch wie die Berge an Fisch, die europäische Fischtrawler jedes Jahr direkt vor den afrikanischen Küsten den Menschen dort wegfischen. Denn die einzige Konsequenz aus dem Tod der Ertrunkenen ist: Man baut Eurosur auf, ein System, mit dem die Flüchtlingsschiffe früher aufgespürt und dorthin zurückdrängt werden, wo sie hergekommen sind; dort werden die Flüchtlinge ordnungsgemäß den dortigen Behörden übergeben, die sie ordnungsgemäß in der Wüste aussetzen. Wo sie dann aber wenigstens nicht ertrinken, sondern verdursten. Mit dem Rest der 400 Millionen Euro für Eurosur wird das Mittelmeer sicherer gemacht durch Schilder mit der Aufschrift: „Das Verrecken in unserem Vorgarten wird streng bestraft“.

    Einen weiteren Themenkomplex des Jahres 2013 würde ich gerne mit der Überschrift „Wirtschaftskriminalität“ versehen.

     

    Wirtschaftskriminalität

    Mein Vorschlag für das Land des Jahres als Opfer von Wirtschaftskriminalität: Bangladesch, die Folterkleiderkammer des Planeten.  

    Erst NACH dem Einsturz der Fabrik Rana Plaza mit über 1000 Toten haben manche Hersteller ein Brand- und Gebäudeschutzabkommen unterzeichnet. H&M , C&A, KIK, Zero, Aldi – alle dabei. Wohlgemerkt: Brandschutz. Es geht also nicht um bessere Arbeitsbedingungen für die Menschen oder gar um mehr Lohn.

    Und: Der deutsche TÜV hat das Gebäude kurz vor dem Einsturz geprüft und für in Ordnung befunden. Interessant. Ich habe ein sehr altes Auto. Es gibt da alle zwei Jahre gewisse Probleme. Ich würde sehr gerne die Adresse von dem TÜV bekommen, der solche Gebäude durchkommen läßt.

    Wirtschaftskriminalität gab es auch in Europa.

    Im Frühjahr saßen die europäischen Finanzminister zusammen und haben eine unglaubliche Entdeckung gemacht: Es gibt in Europa Steueroasen! Das wußte vorher niemand. Bestürzt haben sie sich gefragt „Wie kann das sein, wieso gibt es diese Steueroasen?“ Dann haben sie weiter in der Zeitung geforscht und haben festgestellt „Ah, weil wir sie selbst angelegt haben…“

    Dann kam auch noch heraus, dass beim Aufbau dieser Steueroasen die Deutsche Bank verwickelt war.

    Überraschung!

    Das ist so, als würde man nach jahrzehntelangen kriminologischen Recherchen feststellen: Sieh an, beim europäischen Drogenhandel ist ja auch die Mafia beteiligt.

    Und man hat entdeckt, dass es sogar in Deutschland Steuerhinterziehung gibt. Am Fall dieses süddeutschen Wurstfabrikanten, dem ehemaligen Manager und heutigen Immer-noch-Präsidenten eines sehr erfolgreichen Fußballvereins, der in Bayern Weltrang genießt. Der Fall ist zweifellos der gewagteste Nicht-Rücktritt des Jahres. Warum auch nicht? Einfach mal nicht zurücktreten. Es gab ja auch dieses Jahr Rücktritte aus weitaus nichtigeren Anlässen: z.B. Annette Schavan. Ihr Rücktritt warf die Frage auf, wieso sexuelle Gewalt an Kindern nach 10 Jahren verjährt ist, das Vergessen von Fußnoten in Doktorarbeiten aber nie.

    Ich dachte damals, wenn schon eine so brave, unbescholtene Frau wie Annette Schavan zurücktritt, dann kann doch jetzt nur noch der Papst kommen.

    Und dann hat der das wirklich gemacht!

    In Franziskus wurde für katholische Verhältnisse atemberaubend schnell der Nachfolger gewählt. Der Grund für diese Geschwindigkeit: Es durften diesmal im Kardinalskollegium nur Kardinäle unter 80 Jahren an der Wahl teilnehmen. Es waren also kaum welche dabei!

    Wir bleiben noch einen Moment bei Wirtschaftskriminalität in Deutschland:

    Es gab eine Schlagzeile im Juni: „Merkel schützt deutsche Autoindustrie“. Im Oktober gab es ein Treffen der EU-Umweltminister, bei dem Peter Altmaier erfolgreich für Abgaswerte aus deutschen Auspuffrohren rang – ein peinlicher Auftritt, ganz Europa war einig gegen den deutschen Wunsch, aber wenn Peter Altmaier für etwas ringt, ist der Rest eben platt.

    Was steckt dahinter?

    Ist es wirklich die zufällig im gleichen Zeitraum erfolgte Großspende der BMW-Familie Quandt an die CDU?

    Nein, da steckt mehr dahinter. Genau zwei:

    Zum einen Ecki von Klaeden. In der CDU einer der „jungen Wilden“ - also 47 Jahre alt und wild wie ein Beutel Fencheltee. Er wechselte schon im Frühjahr als Cheflobbyist zu Daimler-Benz, blieb aber vorsichtshalber bis September als Staatsminister im Kanzleramt Merkels Vorzimmerdame. Das ist der neue Lobbyistentyp „Ecki“: Macht in dem Konfirmationsanzug, in dem er aus Mutti herauskroch, einen auf dicke Hose für den neuen Chef.

    Und zum anderen ist da Matthias Wissmann, als Chef des Verbandes der Automobilhersteller das Süßholz der Autoindustrie, eine noch von Helmut Kohl in die Welt geworfene Kreuzung aus Saugwurm und Aktenordner, die von beiden Elternteilen nur die abstoßendsten Eigenschaften übernommen hat. Ein Saugwurm, der sich schon als Ministerkollege von Angela Merkel in die Verbindungen hineingewunden hat, die es ihm heute ermöglichen, Briefchen ins Kanzleramt mit „Liebe Angela!“ zu überschreiben; würmelige Briefchen, die dafür sorgen, dass eine Brüsseler Verordnung schon für den Arsch ist, ehe sie überhaupt formuliert ist.

    In anderen Ländern ist Korruption etwas Handfestes: Schwarze Sonnenbrillen, schwarze Geldkoffer, bedauerliche Todesfälle. Bei uns sind die Verbindungen zwischen dem ausgestopften Konfirmationsanzug und dem Saugwurm so glitschig, die müssen nicht mal schmieren. Das flutscht auch so.

    Altmaier – Merkel – Autos – damit sind wir bei einem weiteren jahrbestimmenden Themenkomplex: Energie!

     

    Energie

    Wir hatten das Jahr über eine interessante Situation: Der Strom ist teuer, weil er billig ist.

    Man muss sehr flexibel im Denken sein, um darin eine Logik erkennen zu können. 

    Der Strom ist teurer für uns geworden, weil er an den Strombörsen durch mehr Angebot an regenerativem Strom billiger geworden ist.  Wir Verbraucher müssen aber als Ökostrom-Beitrag die dann größerer Spanne zwischen Börsenpreis und festem Einspeisungspreis bezahlen. Das bedeutet: Je besser die Energiewende läuft, desto teurer für den Verbraucher. Und das bedeutet, das System ist so konstruiert, als hätte es ein Kohlelobbyist mit 4,8 Promille zwischen zwei Puffbesuchen auf sein Diktiergerät gelallt.

    Allein die plakative Ausweisung des „Ökostrombeitrag“  - seht, wie viel das Ökozeug kostet! Würde man die aberwitzigen Subventionen für Kohle und Atomkraft ebenfalls auf den Strompreis aufschlagen und das dann „Fossilstrombeitrag“ nennen, gäbe es sofort eine Mischung aus shitstorm und Bürgerkrieg.

    Ein weiteres Späßchen aus dem Hause Merkel und Altmaier (und dem verblichenen Rösler): Den Ökostrombeitrag zahlen nur die Kleinverbraucher, „energieintensive Unternehmen“ sind ausgenommen. Zu „energieintensiven Unternehmen“ zählen aber nicht nur Stahlwerke, sondern auch Golfplätze. Wobei - es ist auch extrem energieintensiv, ein paar Hektar Wald in englischen Rasen mit Löchern zu verwandeln, damit darauf ein paar weißgekleidete Schnösel mit albernen Einkaufswägelchen herumlaufen und sich darin messen können, wer seine kleinen Bällchen mit dem langen Stöckchen am schnellsten ins Löchlein stoßen kann.

    Die GroKo will am schwachsinnigen System übrigens nichts ändern, dafür aber den Ausbau der Windenergie drosseln, um die Kosten zu deckeln.

    Das ist so, als würde man als Reaktion auf zu hohe Brotpreise beschließen, das Backen von Schwarzbrot einzuschränken.

    Und als wäre das nicht genug, kam dann auch Hannelore Kohle-Kraft daher und wollte „Arbeitsplätze vor der Energiewende schützen“. Sie meinte Arbeitsplätze in der Braunkohle. Argwöhner haben Hannelore Kraft attestiert, ihre Welt reiche nur von Mülheim bis Lüdenscheid. Aber das ist zynisch und böse. Ihre Welt reicht von Düsseldorf bis Düren. Arbeitsplätze in der Braunkohle vor der Energiewende schützen - mit Hannelore Kohle-Kraft müßte man heute noch die Arbeitsplätze in der Schreibmaschinen- und Morseindustrie vor dem Internet schützen. Vor allem: In der Braunkohle arbeitet nur einer! Man kann den sehen, in der Nähen von Köln, ein kleiner untersetzter Mann, der in einem riesigen Schaufelradbagger sitzt! Wenn der weg ist sind 100 000 andere froh.

    Fazit: Das wünschenswerte Projekt Energiewende ist leider etwa so gut organisiert wie das griechische Finanzsystem.

    Politik. Wirtschaft, Kriminalität – da fehlt jetzt nur noch der Sport.

     

    Sport 2013

    Es war ein erfolgreiches Sportjahr für Deutschland. Wir sind nicht nur im Fußball wieder wer. Auch bei Olympia: Wir sind Sportpapst. Thomas Bach, der unterfränkische Goldfinger mit dem Mettwurst-Schädel, hat sich erfolgreich zum Präsidenten des IOC hochgebuckelt, getreten und geschmiert – IOC, das Internationale Olympische Komitee.

    Bach war mal aktiver Sportler – man sieht´s ihm nicht mehr an – und so sagte er als Ex-Fechter bei seiner Antrittsrede am 11. September in Buenos Aires: „An die Fecht-WM 1977 in Argentinien habe ich gute Erinnerungen. Es war ein frostig kalter Tag, aber wir wurden warmherzig willkommen geheißen von unseren argentinischen Freunden.“ Auf die verwunderte  Nachfrage eines argentinischen Journalisten, wie Bach denn so nette Erinnerungen haben könne, wo doch gerade zwischen 1976 und 1978 die Militärdiktatur auf ihrem Höhepunkt des Folterns und Ermordens war, da ergänzte Bach: „Wir sind traurig gewesen eingedenk der Zustände, aber als der Sport begann war alles voller Atmosphäre“.

    Das ist noch unter dem Niveau von Berti Vogts. Der war auch mal zur fraglichen Zeit als aktiver Sportler in Argentinien, bei der Fußball-WM 1978. Er wurde von einer Zeitung gefragt, ob ihm das keine Sorgen machen würde: Fußball spielen, wenn nebenan gefoltert und gemordet wird? Unvergesslich, wie Vogts  antwortete: „Wieso? Uns werden sie ja wohl nichts tun.“ Das war süß, weil Vogts wenigstens nur für sich allein tumb war.

    Thomas Bach dagegen ist für alle Sportler da und möchte sie „vor politischen Kontroversen schützen“, sprich, ihnen Maulkörbe anlegen. Wer die Spiele zahlt, bestimmt, Bach ist Geschäftsmann. Was olympische Spiele sind, sieht man gerade in Sotschi: Zur Bespaßung von Baufirmen, ein paar Landesfürsten und dem IOC wird eine hübsche Region mit Milliardenaufwand in eine Feinwaschbetonwüste verwandelt, dann laufen zwei Wochen lang ein paar Sportler herum, und am Ende steht das Zeug da. Und in einem Kaff mit Skipiste ohne Schnee, dafür aber Schneekanonen am Badestrand, da kann man nicht mal einen prunksüchtigen vor die Wand gelaufenen Bischof wohnen lassen.

    Kurz vor Bachs Wahl sind die Olympischen Spiele 2020 nach Tokio vergeben worden. Das werden strahlende Spiele. Wenn da die olympische Flamme mal ausgeht, kann man die einfach in Fukushima an irgendein Gebäude halten – wupp, ist sie wieder an.

    Begründet hat diese Entscheidung Michael Vesper, das Generalsekret des deutschen DOSB: „Da leben ja jetzt auch Menschen. Wir wollen mit den Spielen ein Zeichen setzen, dass wir die Menschen in Japan nicht allein lassen.“

    Aber wieso dann nicht Spiele in Somalia? Da leben ja jetzt auch Menschen, für die man mal ein Zeichen setzen könnte. Aber das japanische Atomregime ist als offiziell als korrupt und zahlungskräftig anerkannt, und Michael Vesper ist nicht umsonst von den Grünen an die Fleischtöpfe des DOSB gewechselt. Schließlich heißt er ja „Michael Vesper“ und nicht „Michael Hungerhaken“.

    Mettwurstgesicht Thomas Bach war geschäftlich immer sehr eng verbandelt mit Joseph Blatter. Das ist der Chef der Fifa. Und damit sind wir beim Fußball.

    Spiel des Jahres: Das Champions-League-Finale! Von zwei deutschen Mannschaften, und das in Wembley, England! Niemand hat zum Empfang gesungen „Football´s coming home“. Aber die Engländer bewiesen Humor – und frohlockten: “Es wird in Wembley auf jeden Fall eine deutsche Niederlage geben.“

    Dazu paßte das Jubiläum: 50 Jahre Bundesliga! Und Fußball ist ein Abbild der Gesellschaft: Wir leisten uns teure Prestigeprojekte wie Stuttgart 21, aber der Rest der Infrastruktur verfällt. Genauso ist es im Fußball - man sah es im Oktober am Zustand des Hoffenheimer Stadions: Sie kaufen für Millionen glänzende Spieler und schillernde Trainer, und für den Rest ist so wenig Geld da, dass sie Tornetze mit Löchern aufhängen müssen.

    Das Phantomtor! 60 000 sahen, dass Stefan Kießling neben das Tor geköpft hatte, incl. Stefan Kießling selbst, aber einer nicht. Ergebnis: Das Tor zählte.

    Der Kölner Express titelt: „Ist Kießling ein Fiesling?“ Hätten sie ein bißchen Arsch in der Hose, hätten sie getitelt: „Ist Blatter eine Natter?“

    Denn gemäß Fifa-Statuten trifft der Schiedsrichter in jedem Fall eine sog. Tatsachenentscheidung, egal welche Tatsache der gesehen hat. Übertragen auf Strafrecht würde das so aussehen: Ein Richter sagt zum angeklagten Mörder „Wir haben alle auf dem Video gesehen, wie Sie den Mann erstochen haben. Aber der diensthabende Polizist, ein blinder Mann mit Augenbinde, will das nicht bestätigen, deshalb spreche ich sie frei, schönen Tag noch“.

    Gegen die Dogmen der Fifa ist die katholische Kirche eine freidenkende Anarchistengruppe.                                                                         

    Fifa-Chef Josef Blatter - eine Mischung aus einem Korinthenkacker und einem Sonnenkönig, der in seinem Leben zu viele Bälle an den Kopf bekommen hat - ist verantwortlich für die Vergabe der WM 2022 nach Katar. Auch da entspricht alles so weit den offiziellen Fifa-Vergabekriterien – Diktatur, korrupt, man muß alle Stadien neu bauen, die danach keine Sau mehr braucht. Aber diesmal haben sie auch hier noch einen draufgelegt: Das Wasser ist in Katar so knapp, dass sich beim Bau der Stadien 100 Gastarbeiter-Sklaven eine Wasserflasche teilen mussten, weshalb dann bis September überraschend 44 Arbeiter auf den Baustellen starben. Für die Fifa sind tote Arbeiter so relevant sind wie für uns die Frage, ob Josef Blatter Durchfall hat.

    Josef Blatter hat dann im Juni eine überraschende Entdeckung gemacht: „Im Sommer ist es in Katar heiß“. Auf den ersten Blick wirkt das so überraschend wie „Ich bin vor die Wand gelaufen, und dann tat das weh!“ Aber Blatter und seine Fifa-Komplizen haben sich diese Erkenntnis diesen Sommer im Rahmen einer aufwändigen Forschungsreise durch Israel, Jordanien und Iran hart erarbeiten müssen. Da war ihnen nämlich in der Wüste „heiß“. Und dann haben sie die Transferleistung erbracht, dass es in Katar zur selben Zeit auch „heiß“ sein könnte. Blatter jedoch ging intellektuell noch weiter: „Katar ist ein kleines Land. Man kann die Luft in den Stadien abkühlen, aber man kann trotzdem nicht das ganze Land abkühlen“. Deswegen erwägt man jetzt ernsthaft, die WM 2022 im Winter stattfinden zu lassen.

    Die Fifa verdient mit jeder WM mehrere Milliarden Euro, und das ist gut so: Es muss sich schließlich für irgendjemanden lohnen, dass man uns für so blöd verkauft.

     

    Kommen wir zum Schluss zur Rubrik „Vermischtes“.

    Familienpolitik 2013:

    Es gab einen lustigen Report des Familienministeriums: Es gibt mit dem Betreuungsgeld insgesamt 157 familienpolitische Leistungen.

    Und es gab ein noch lustigeres Gutachten führender Nicht-nur-Erziehungswissenschaftler über diese 157 familienpolitischen Leistungen. Kristina Schröder hatte dieses Gutachten so verstanden, dass ihre familienpolitischen Leistungen „super“ seien, die Gutachter meinten aber „scheiße“. Urteilen Sie selbst - Ergebnis: Die 157 familienpolitischen Leistungen kosten jedes Jahr 200 Milliarden Euro. Sie fließen größtenteils einkommensunabhängig, weil unbedingt auch Eltern mit 500 000 Euro Einkommen 184 Euro Kindergeld einsacken müssen. Hartz-4er bekommen das Kindergeld dagegen gar nicht. Man könnte mit dem Geld auch Schulen vernünftig ausstatten und Erzieherinnen menschenwürdig bezahlen. Aber davon würden ja auch Unterschichtskinder profitieren würden, deshalb ist das nicht durchsetzbar.

    Familienpolitik, die nichts nützt - jedenfalls nicht den Kindern, die da sind, und auch nicht dafür, dass es wegen dieser 157 Leistungen mehr Kinder gäbe: Seit Jahren liegt der Schnitt in Deutschland unverändert bei 1,3 Kinder pro Frau. Heißt: Die deutsche Mittelschicht ist quasi zeugungsunfähig. Da werden zwischen zwei Cafe latte macchiato mit gequältem Gesicht 0,3 Kinder gezeugt. Man hat ja auch nicht mit Blick auf eine familienpolitische Leistungstabelle Geschlechtsverkehr. Das finden nicht mal Deutsche sexy.

    Der Franzose dagegen kriegt fast gar nichts an familienpolitischen Leistungen. Poppt sich dafür aber die Lenden wund. Statistisch über 2 Kinder pro Frau! Man will gar nicht wissen, was der Franzose treiben würde, wenn man ihm jetzt auch 200 Milliarden Euro dafür geben würde...

     

    Pferdefleisch-Skandal

    Das Lied „Es steht ein Pferd auf dem Flur“ erscheint in neuem Licht: Es war der Flur einer Firma, in der Abfälle zu Tiefkühl-Lasagne verarbeitet werden. Es wurden hübsche Begriffe geprägt: Lasagne Black Beauty, schwäbische Gaultaschen, Kaltblüterwurst, Stutenbrust, Würstchen von „Hengstenberg“, und der schönste: „Ich hätte gern ein Pfund Geschecktes, aber garantiert ohne Schimmel.“

    Die Aignerilse, damals noch Verbrauchertrude, hat sämtliche Lebensmittelskandale im Verdauungstrakt der Agrarindustrie verbracht. Damit hat sie sich erfolgreich für höhere Aufgaben in Bayern empfohlen.

    Die Finanzkrise ist noch nicht vorbei. Der Matratzenherstellers Bess brachte eine spezielle Matratze für Krisenstaaten heraus: Sie enthält einen eingebauten Tresor. Sinn: Wer dem Finanzsystem nicht mehr traut kann auf seinem Geld schlafen. Vielleicht ist das der Grund, warum es in den meisten Fußgängerzonen nur noch Apotheken, Bankfilialen und „Matratzen-Concorde“ gibt: Zuerst in der Bank das Geld abheben, damit die Matratze mit dem Tresor kaufen, und dann in der Apotheke ein Schlafmittel, weil es noch keine rückenfreundlichen 7-Zonen-Kaltschaum-Tresore gibt. Brecht schrieb: „Wie man sich bettet, so liegt man.“

    Prozess gegen Christian Wulff: Unsere Skandale sind genau so peinlich wie ihre Aufklärung. Der damalige Präsident ist u.a. gestolpert über einen Kredit für ein häßliches, verklinkertes Einfamilienhaus in Großburgwedel bei Hannover. Ein Kredit, also Geld, das er auch noch zurückzahlt. So etwas wäre in Italien undenkbar.

    Übrig geblieben von allen Vorwürfen ist: Ein aufgepimptes Hotelzimmer in München, ein paar Kröten für die Hotel-Minibar und ein geschenktes Bobbycar im Wert von zusammen 753,90 Euro. Dafür wurden 12 000 Seiten Papier in 20 Aktenordnern ausgewertet, um an 22 Verhandlungstagen 46 Zeugen zu vernehmen.

    Sicher ist sicher: Wahrscheinlich werden vor Gericht auch Helme getragen.

    Nicht zu vergessen: Limburg. Viel Aufregung. Aber: dieses Mausoleum vom Saubartz von Elst ist wenigstens fertig geworden. Moral von der Geschicht: Wenn das Arschloch drin wohnt, wird der Bau fertig. Vielleicht sollte man Klaus Wowereit und Hartmut Wehdorn als Zwangs-WG im Berliner Flughafen einziehen lassen, dann wird das Ding auch irgendwann fertig.

    Apropos Kirche: Es gab eine „Pogromstimmung gegen die katholische Kirche“. Sagte der Meissner. Und das war noch vor Limburg. Grund: In einem katholischen Krankenhaus (wie alle „kirchlichen“ Häuser zu 90% vom Staat finanziert) in Köln hat man einer vergewaltigten Frau  die Abtreibungspille verweigert. Dabei kam u.a. heraus, dass Kardinal Meissner keine Ahnung hat, wie so eine Pille funktioniert. Das bleibt das Problem der Kirche: Greise, die in ihrem Leben offiziell nie Sex hatten, entscheiden über das Leben von jungen Frauen.

    Wir hatten ein kulturelles Event – Heino! Er lebt noch. Leider. Der faschistoide Blondschopf mit dem Stimmumfang einer desorientierten Hummel hat als Verjüngungsinjektion Coverversionen von überwiegend anständigen deutschen Musikern verbrochen. Heino spielt Songs von den Ärzten – das ist etwa so authentisch wie „Philipp Rösler liest aus den Werken von Charles Bukowski“.

    Doch es gibt einen kulturellen Hoffnungsschimmer: Google hat weniger Geld mit Werbung verdient als erwartet. Bis dahin nicht weiter spannend, aber süß fand ich den Grund: Weil viele Menschen auf ihren Smartphone-Bildschirmen die Werbung größtenteils gar nicht erkennen können.

    Spezielle Smartphone-Vergrößerungsgläser haben sich aber nicht durchgesetzt, weil dann Facebook pleitegehen würde: Dann würde man ja plötzlich erkennen, wie die all diese „Freunde“ wirklich aussehen.

    Schließen möchte ich mit der Auswahl des Zitates des Jahres. Welches Zitat faßt das Jahr unfreiwillig hübsch zusammen? Hier ist meine Auswahl:

     

    „Der Vorwurf der vermeintlichen Totalausspähung in Deutschland ist vom Tisch.“

    HP Friedrich, „The Topfpflanze“ im Juni

    „Wenn alles gut geht, dann kann ich sagen sind alle unsere Vorhaben auf einer guten Grundlage“

    Angela Merkel nach den Koalitionsverhandlungen mit der SPD

    „Also gut äh, ich hab nicht äh einen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Also die laufen da alle frei herum, weder in Ketten, gefesselt oder mit irgendwelchen Büserkappen am Kopf. Ich äh habe ein anderes Bild von Arabien.“

    Von wem mag das sein?

     

    Entscheiden Sie mit und schicken Sie mir eine mail an Seibel@netcologne.de - der Gewinner bekommt zwei Eintrittskarten für meinen Jahresrückblick in einem Ort seiner Wahl. Die Termine finden sie hier.

    Und jetzt wünsche ich Ihnen allen einen reizenden Übergang ins neue Jahr, einen entspannten Start und ein herrliches 2014!


    Thilo Seibel

    50677 Köln

    Tel.: +49(0)178 - 796 69 89
    Web: thiloseibel.de
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    2013-12-30 | Nr. 81 | Weitere Artikel von: Thilo Seibel


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