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    Kritik: Neu-Kabarettist Kaie muss den Punkt erst noch finden

     

    Viele kennen ihn als den die Wahrheit zwischen Mann und Frau ergründenden „Caveman“, denn in Esther Schweins Inszenierung des Ein-Personen-Bühnen-Knüllers tourt er seit vier Jahren erfolgreich durch Süddeutschland: Karsten Kaie, 37-jähriger Bayer, der sich in New York zum Schauspieler ausbilden ließ und unter anderem am Stadttheater Augsburg wirkte. Dass Kaie auch Kabarettist mit erstem eigenen Soloprogramm ist, erlebten allerdings zunächst die Norddeutschen: Auf Gerd und Anke Schlesselmanns renommiertem Hamburger Theaterschiff fand die Deutschland-Premiere von „Lügen – aber ehrlich“ statt, einer Anleitung zur Wahrheitsverdrehung.

    In knallblauem Anzug und mit flottem Gestus gab Kaie einen „Lügenmotivator“, der das Publikum anhand eines Ratgeberbuchs mit 13 Kapiteln – „eines für jeden Monat“ – in den entsprechenden Tricks und Kniffen unterweisen wollte. „Ich guck’ gar kein Fernsehen, lieber les’ ich ein Buch oder mach’ meinen Sport“ – mit einer spürbar dicken Unwahrheit begann der zweistündige Abend, an dem der Kabarettist auch „weiße Lügen“ und Notlügen unterschied, weibliches Spezialtalent analysierte und die angemessene Körpersprache vorstellte. Präsenz und Vitalität machten dabei Kaies Vorzüge aus, ebenso sein Geschick, arglose Menschen in der ersten Reihe zu gut gelauntem Mitmachen zu animieren.

    Etliche seiner Witze zündeten denn auch. Doch insgesamt überzeugte das Programm noch nicht: Kaies Ideen-Ansätze verlangen nach mehr Struktur – nach einem Konzept, das unser aller Verlogenheit ebenso sinnmachend auf den satirischen Punkt bringt wie den Kommunikationstrainer-Boom. Auf manch Unflätiges könnte der Künstler locker verzichten, und auch die beiden Männerfreunde, in deren Rollen er immer mal wieder schlüpft, untergraben die Schlüssigkeit seiner Vorstellung.

    Redaktion: Ulrike Cordes

     

    2005-09-15 | Nr. 48 | Weitere Artikel von: Ulrike Cordes





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