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    Lutz Langhoff

    Er zeigt faszinierende Feuer- und Musiknummern, rappt, jongliert und tanzt zugleich, bietet 100 Minuten lang ein breites Kleinkunstprogramm von Varieté bis hin zu frecher Stand-up-Comedy. Als Höhepunkt spielt der zwei Meter große Hamburger in zwei Metern Höhe auf einem Hochrad einbeinig fahrend einen Dudelsack und jongliert dazu noch mit Feuer.                          

    Harz Kurier Juni ’99

     

    P. H. Lehmann: Lutz Langhoff, Sie haben gerade Ihr Diplom gemacht als Soziologe, sind also Vollakademiker und machen gleichzeitig Jonglier- und Straßenshows, wo Sie Hunderte unterhalten. Wie passt das zusammen?

    Lutz Langhoff: Mit den Shows habe ich erst während meines Studiums ange­fangen. Am Anfang waren es klassische Straßen­shows, heute fast nur noch Engagements, zur Hälfte mein abendfüllendes Jong­lier- und Comedy-Programm. Es hat sich also langsam entwickelt. Seit fünf Jahren kann ich von meiner Kunst leben und stand daher öfters vor der Entscheidung, das Studium zu knicken. Ich habe aber schnell gesehen, dass ich die intellektuelle Herausforderung brauche und habe daher mein Studium als Hobby deklariert.

    Wie sieht denn heute Ihr Programm aus? Wie unterhalten Sie Ihr Publikum?

    Am besten kann man dies auf meinem Video sehen. Da sind zum einen die klassischen Elemente meiner Straßenkunst: 5 Fackeln und 5 Bälle, Hochrad und Dudelsack mit Feuerjonglage und die Stand-up-Comedy. Seit vier Jahren habe ich eine fette Beschallungsanlage mit Headset und Licht. So konnten einige durchchoreografierte Nummern mit Musik entstehen, die heute zu meinen besten zählen. In meiner neuen Varietéshow, die Anfang 2000 auf den Markt kommt, entwickele ich dazu noch Performancegeschichten und einige Großillusionen. Es ist ein großer Genremix.

    Sie jonglieren ja nicht nur, sondern Sie unterhalten Ihr Publikum, indem Sie es mit einbeziehen. Wie wichtig sind die Texteinlagen bei Ihnen und wer schreibt sie?

    Ja, das Wichtigste in einer Show ist der Bezug zum Publikum, wie ich es schaffe, eine Beziehung zu ihnen für diesen Abend aufzubauen. Selbst meine technisch schwierigsten Nummern sind an sich Nebensache und wirken erst richtig gut, wenn beidseitige Sympathie vorhanden ist. Die Texte sind dabei ein Medium, Körpersprache, Mimik, Humor und die Jonglage andere wichtige Elemente. Um auf die Texte zu kommen, ich schreibe alles selber, hole mir aber gerne Anregung von anderen Künstlern und gestalte sie für mich um.

    Seit wann jonglieren Sie? Liegt es in der Familie, sind Ihre Eltern Artisten?

    Meine Eltern sind Kaufleute. Es liegt aber dennoch in der Familie. Alle, die meinen Vater gut kennen und mich heute sehen sagen, „das musste ja daraus werden“. Mein Vater ist ein sehr guter Tennisspieler. Obwohl er lauffaul ist, gewinnt er öfter Tuniere, da er den Ball dahin kriegt, wo er will. Das habe ich geerbt und in meiner Kindheit und Jugend entwickelt. Jonglieren fing ich erst mit 20 an und habe dann ab meiner Zivildienstzeit hart trainiert.

    Es ist doch sehr selten, dass ein Artist, und als solcher kann ich Sie bezeichnen, erst mit zwanzig Jahren zu seinem Beruf findet. Ist Ihnen das vorher nicht in den Kopf gekommen?

    Ein solcher Beruf lag vorher nicht in meinem Erfahrungshorizont. Ich wollte immer Ingenieur werden. Erst mit 18 distanzierte ich mich von diesem Bild und sah dann ab 20, dass ich eine unheimliche Gabe habe, mich vor Menschen auszudrücken. Erst in dieser Zeit kristallisierte sich meine Kunst heraus. Von meinem trockenen Humor habe ich vorher auch nicht viel gesehen. Vielleicht liegt darin auch mein Durchhaltevermögen als Jong­leur, da ich dann wirklich wusste, was ich werden wollte. Wobei ich mir für die Zukunft eine Grenze bei 35 Jahren gesetzt habe.

    Diese Kunst kann man also nicht ewig machen. Was kommt dann?

    Ob die Grenze bei 35 liegt, weiß ich nicht genau. Die hatte ich mir Anfang 20 gesetzt. Es gibt allerdings Spitzenjongleure wie Francis Brunn, Jahrgang 1925, die heute noch auf der Bühne stehen. Für mich ist aber dieser Lebensstil, da ich selten im Varieté arbeite, mit 1500 km und 3 Shows am Wochenende nicht ewig durchhaltbar Was dann kommt, weiß ich nicht genau. Ich möchte auf alle Fälle noch per Fernstudium eine theologische Ausbildung machen und eventuell in ein paar Jahren meinen Doktor. Eine pastorale Tätigkeit schwebt mir vor Augen.

    Wie kommen Sie denn dazu? Gott tauchte in Ihrer Berufswahl bisher nicht auf.

    Dieser entscheidende Faktor kam erst Anfang zwanzig in mein Leben, als ich mich in einer großen Krise befand. Als ich ganz unten war, habe ich in all meiner Verzweiflung meinen Stolz beiseite getan und mal bei einem Gottesdienst reingeschaut. Gott wurde mir über die Monate immer realer und mit 21 habe ich mich dann für Jesus entschieden. Die Beziehung zu Ihm durchzieht heute mein ganzes Leben, meine Ehe und natürlich meine Kunst.

    Was hat Glaube mit Kunst zu tun? Muss man das nicht trennen?

    Allein die Frage stört mich, als ob die eigene Weltanschauung etwas Privates sei, wie Gerhard Schröder dummerweise behauptet. Jeder Mensch hat ein Bild von dieser Welt und handelt, natürlich durch das Unterbewusste und andere Faktoren beschränkt, nach diesem. Es beeinflusst zutiefst, ob wir Hoffnung und Glaube in unserem Leben haben oder die ewige Suche nach Spaß, Lebensfrust oder nur die Sucht nach Anerkennung uns dominiert. Dies durchzieht auf lange Sicht immer unsere Kunst, auch wenn wir meinen, etwas vormachen zu können.

    Verändert dies auch den Umgang mit dem Publikum? Oft genug werden die Freiwilligen ja als pure Tollpatsche vorgeführt.

    Ich nehme meine Freiwilligen schon ran, habe aber meine Zielsetzung, dass sie immer als Helden die Bühne verlassen. Ich mag es nicht, auf deren Kosten Applaus zu bekommen. Jango Edwards, ein begnadeter Clown, ist da für mich das Antibeispiel. Die Freiwilligen tun mir bei ihm richtig Leid.

    Was war denn Ihr größter Auftritt, den Sie bis jetzt hatten.

    Der kam völlig überraschend aus Turku, Finnland. Ich wurde zu einem Festival eingeladen und als ich dort war, stellte sich heraus, dass ich 40 Minuten vor dem Main-Act des Abends vor 12.000 Leuten auftreten soll. Dank Videotechnik und Großbildleinwand konnten alle meine Show, die ich auf Englisch hielt, sehen und verstehen. Innerlich hat mich das umgehauen, als die Begeisterung losging.

    Gibt es für Sie altersmäßig oder nach Gesellschaftsschichten ein Lieblingspublikum?

    Eigentlich ist es mir egal. Wobei, ein gemischtes Publikum in einer Stadthalle, wo jung und alt zusammen sind, das reizt mich am meisten. Durch das Jonglieren und die Comedy habe ich, neben meinem Stil, die einzigartige Möglichkeit, alle Gruppen auf einmal anzusprechen. Das gelingt Wenigen. Konzipiert habe ich die Show allerdings hauptsächlich für Leute zwischen 15 und 45.

    Wie lange dauert eine Show von Ihnen?

    Ich bin sehr flexibel. Eine Abendshow dauert 100 Minuten.

    Wie oft wechseln Sie die Show? Gibt es Jahresintervalle mit neuem Programm oder ziehen Sie die Standardelemente durch?

    Beides. Ich habe ein Standardprogramm seit 5 Jahren und das wird bleiben. Agenturen wissen genau, was ich mache. Dadurch erleben die keine bösen Überraschungen. Mein Hauptaugenmerk hat zur Zeit meine neue abendfüllende Varietéshow, in der neben den Klassikern auch viele neue Elemente wie Großillusionen und Performance aufgenommen werden. Ich war gerade in einem Studio in Düsseldorf und habe Musik dazu produziert. Die älteren Stücke habe ich mit Ulli Harraß vom NDR 2 aufgenommen. Zusätzlich arbeite ich noch mit einem guten Lichtdesigner der Firma Großmann und Grünberg in Hamburg zusammen, um das ganze so richtig gut ins Licht zu setzen.

    Ist ein Mann, der so vielseitig begabt ist, überhaupt noch zu bezahlen?

    Ich habe bis heute keine gute Agentur gefunden, die für mich das Richtige wäre. Ich „manage“ mich daher selber und kann daher preiswerter auftreten. Ich liege in der mittleren Preislage.

    Herr Langhoff, wir bedanken uns für das Gespräch.

    Das Interview führte der Stern-Reporter Peter Hannes Lehmann.

    Infos: Lutz Langhoff, Lokstedter Weg 51, 20251 Hamburg, Tel. 040/244462, Fax 244464

    1999-12-15 | Nr. 25 |





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