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    Messegut und Eigenbau

    Über die „Szene Ost“ für die September-Ausgabe von Trottoir ist immer viel zu berichten. Da sind die neuen Programme, dann die Lachmesse, auch die neuen Cabinet-Preisträger und schließlich alles, was sonst noch so zu bemerken ist. Diesmal erneut der sich über einen langen Zeitraum hinziehende Umzug der Leipziger Pfeffermühle. (Trottoir 01/07 berichtete bereits darüber) Die Galgenfrist für das Kabarett läuft am 31. Oktober ab, mehr aber weiß man nicht. Als Interimslösung steht eine Spielstätte im Gespräch, mehr nicht. Auch eine neue Bühne ist ins Auge gefasst, doch die muss dafür ausgebaut werden und wer soll das bezahlen? Mit anderen Worten: Die Pfeffermühle sucht Sponsoren …

    Nun aber zu den neuen Programmen. Gleich nebenan, bei den academixern, hatte im Frühsommer das Programm „Kauf mich!“ Premiere. Auf der Bühne stehen Carolin Fischer und Anke Geißler, die Texte stammen von verschiedenen Autoren, und für die Bühne eingerichtet hat sie Holger Böhme. Es ist ein solides, unterhaltendes Programm. Nicht mehr und nicht weniger. Über dieses Maß hinaus geht einzig die Musik von Ekky Meister (p), seinem Bruder Christoph (dr) und Christoph Schenker (Cello). Sie sucht im Populären das Außergewöhnliche und ist dabei erfrischend findig. Das hätte man sich auch vom Programm gewünscht. Der Kampf zwischen Kaufhaus und Kunde wird illustriert und wenig auf die Spitze getrieben. Dann verlassen die beiden Damen auch noch die doch recht ergiebige Thematik. Regisseur Holger Böhme setzt auf Unterhaltung. Carolin Fischer und Anke Geißler absolvieren ihr Spiel mit großer Routine und das Publikum nimmt die unterhaltende Seite des Abends freudig auf.

    Ein klassisches Nummernprogramm hat die Leipziger Funzel vorgestellt. Überschrieben ist es mit „EntMüntigt und ausgeMerkelt“, ein politisches Zeitbild der heiter bis bösen Art. Natürlich geht es um die Vernunftehe zwischen der Bundeskanzlerin und ihrem Vize und da wird gefeilscht statt geliebt. Hinzu kommen wirklich gute Nummern zum Thema Globalisierung oder Ausländerpolitik. Gut ist, dass nicht platt abgeurteilt wird. Der spielerische Umgang überwiegt und damit auch die Lust zu überzeichnen.

    In Dresden gab es am 1. Mai im Staatsschauspiel ein Gipfeltreffen der Ensemble-Kabaretts. Die Herkuleskeule hatte Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, das Düsseldorfer Kom(m)mödchen und Die Distel aus Berlin eingeladen. Jedes Kabarett hatte reichlich eine halbe Stunde, um seine Spielart vorzustellen. Ein großes Fest der Ensemblespielkunst wurde es nicht, weil die Kurzvarianten der Programme nicht viel vom Ganzen durchblicken ließen. Den interessantesten Spielanlass zeigte das Düsseldorfer Kom(m)ödchen, der Publikumsliebling war aber unstrittig die Herkuleskeule.

    Die hatte kurz danach noch eine Premiere. Thema sind die Unsitten der vierten Gewalt in der Republik, Überschrift „Die nackte Wahrheit“. Auf der Bühne stehen Rainer Bursche und Michael Rümmler, die musikalische Leitung hat Thomas Wand und Regie führt Michael Frowin. Einige Nummern gehen dem Thema auf den Grund und zeigen, wie wenig es braucht, um die Finanzwelt ins Straucheln zu bringen, oder wie böse mancherorts denen mitgespielt wird, die sich journalistisch nicht dem Regime der Macht beugen. Andere Nummern erklären mehr als sie ausführen. Das ist dann weniger aufregend.

    Einen Hinweis verdient in jedem Falle der Zwickauer Erik Lehmann. Er ist der jüngste Solokabarettist der Republik. Mit seinen 22 Jahren liefert er ein verblüffend sauberes Figurenspiel ab. Seine treffsichere Boshaftigkeit hat zum Teil beängstigende, ja surreale Züge. Mit seinem neuen Programm „Herr Lehmann wünscht: Gute Besserung“ zeichnet er die grotesken Züge der Gesundheitspolitik und deren Folgen nach. Das ist einfach gutes Kabarett. Meinte auch die Herkuleskeule, die ihn für eine Spielzeit in ihr Ensemble aufnehmen wird.

    Und nun zur Lachmesse, die vom 11. bis 21. Oktober läuft. 160 Künstler aus sieben Ländern werden in diesen Tagen in Leipzig 99 Veranstaltungen bestreiten. Der Österreicher Klaus Eckel eröffnet das Festival als Preisträger des „Leipziger Löwenzahns“, und dann folgt ein großes Treffen von Stars und Sternchen. Neben den Leipziger Größen sind aus Großbritannien Rebecca Carrington zu erleben und aus den Niederlanden Hans Liberg, die deutschsprachige Szene ist sehr gut vertreten mit Herrchens Frauchen, Katrin Weber, Andreas Thiel, Martin Buchholz, Richard Rogler, Holger Paetz sowie Matthias Deutschmann, und die neue Generation meldet sich mit Annamateur und Zärtlichkeiten mit Freunden zu Wort, den Cabinet-Preisträger vom letzten Jahr. Die diesjährigen heißen in der Sparte Kabarett Ensemble Weltkritik, ein Duo aus Leipzig, das textlich, spielerisch wie auch dramaturgisch grandioses politisches Kabarett zeigt; in der Sparte Musik wird der Meister des knappen Liedes Marco Tschirpke ausgezeichnet und in der Sparte Comedy der umwerfende Puppenspieler René Marik.

    Redaktion: Harald Pfeifer

     Termine:

    04.09. Magdeburger Zwickmühle: „Die Würde ist unter uns“

    16.09. Sanftwut: „Sachsentaxi – Sgladdschdglei!“

    19.09. Kiebitzensteiner: Gala-Abend 40 Jahre …

    16.10. Die Arche: „Wir lachen den Weg frei“

    26.10. Breschke & Schuch: „Schuchmatt“

    25.11. academixer: „Besser geht’s nicht“

    01.12. Breschke & Schuch: „Striezelmarkwirtschaft“

    2007-09-15 | Nr. 56 | Weitere Artikel von: Harald Pfeifer





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