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    Mitten aus dem Epizentrum des Humors

    Ja, dazu hat unser Shooting-Star Matthias Brodowy in einer neuen Strophe seines „Keks-Lieds“ die „Stadt am hohen Ufer“ ernannt: Hannover ist das Epizentrum des Humors – ach, wir lassen uns doch gern besingen. Und Atze Schrder hat uns versichert, wir seien ein gaaanz tolles Publikum und er kme mit seinem Programm jetzt achtmal zu uns – und nur zweimal nach Mnchen. Auch die Chaos-Comedy-Helden Eure Mtter pendeln zwischen Hannover und ihrer Heimat: Offenbar gehen nur wir verstockten Norddeutschen beim hheren Bldsinn einer Nach-Unfall-Casting-Show-Nummer so richtig aus uns heraus. Die Mtter werden hier weiter abgefeiert, und da die Kleinkunstbrse Freiburg offenbar einen schlechten Mtter-Tag erwischte, behalten wir sie wohl erstmal fr uns.

    Ja, hier werden die groen kleinen Knste hoch geschtzt: Ihnen galt die allerallererste Amtshandlung unseres neuen OB. Kaum gewhlt, verordnete er, dass Harald Bhlmann das Kleine Fest im Groen Garten weiter leiten darf, auch wenn er im Herbst 2007 aus dem Amt des Kulturdezernenten scheidet. Das Fest ist in der Tat schwer vorstellbar ohne den „Mann mit dem Zylinder“; er erfand es und fhrte es zu so viel Ruhm, dass er selbst im November in die Jury des Daidogei-World-Cup in Shizuoka in Japan, dem grten Straentheater-Ereignis der Welt, berufen wurde. Hohe Ehren. In diesem Sommer findet das Kleine Fest vom 11. bis 29. Juli mit 15 Veranstaltungen statt; seine Ableger wie Eure Mtter, Hinz & Kunz (witzig) und Art of Mouth (phnomenal) fllten im Winter die Orangeriebhne am Groen Garten.

    Ebenso das adventliche Wintervariet, bei dem Hannover wieder eine Strke ausspielte: Man kennt sich hier. Wenn der Werner Buss vom GOP schnell mal tolle Musiker fr die nchsten Monate braucht, dann fragt er den Erwin Schtterle vom Kanapee, wo immer die Knstler mit der riesigen Qualitt und der ausbaufhigen Bekanntheit auftreten. Und schon touren sie durch die GOPs der Republik: Panama Red alias Miko Mikulicz (Violine) und Rainer Ranis (Gitarre und Mundharmonika) rocken das Publikum oder lassen es sinnieren, sind melancholisch oder wild, bluesig, folkig und jazzig und grandios. Dazu Herr Niels, dieser fantastische Pantomime als stummer Moderator, der die dmmste Fresse der nordischen Tiefebene ziehen kann, aber auch ber den beredtesten Blick verfgt, der seine Arme und Beine schlackern lsst wie aus Gummi, sich vllig relaxt auf Luft absttzt und seine pantomimischen Acts in Perfektion beherrscht – der Mann ist top-class. So hatten die Traumtnzer bei uns ein halbes Heimspiel, was kein Nachteil war. Zum dritten Mal fllte das Wintervariet wochenlang die Orangerie, und whrend es in den ersten beiden Jahren mit „Vivace“ und „Sonido“, sagen wir, ganz erfolgreich ausging – Publikum kam und klatschte –, so war es dieses Jahr der Hammer. Die Show poetisch und temporeich, gut gemixt, von den verblffenden Zeitlupen-Handstandknsten Ernest Palchykovs ber die mystisch wirkende Leuchtring-Jonglage des Berliners Jochen Schell bis zu den schwerelosen Salti der Gruppe Crazy Flight klasse Nummern dabei, riesiger Jubel, ausverkaufte Shows, Zusatztermine, dann ging es weiter ins GOP Essen. Und schon wchst Neues in der Leinestadt: Denn Matthias Brodowy und Werner Buss taten sich mit dem Freundeskreis Hannover zusammen, um die jungen Knstler des hiesigen kleinen Variets Rampenlicht auf der groen GOP-Bhne zu prsentieren, professionell umrahmt von Niels und Panama Red sowie Brodowys charmant-bissigen Moderationen. Beeindruckend schon die Vielfalt, die von Johanna, der Clownshexe auf der Glasharfe, bis zu charmanter A-cappella von Vocaldente reichte. Als Jngster lie der 15-jhrige Mark bis zu sechs Blle temporeich fliegen und dirigierte mit abgezirkelten Gesten selbstbewusst das Publikum. Gerade erst 20 Jahre alt, hat Cody Stone schon eine Deutsche Meisterschaft in der Tasche: Er ist Jugendmeister der Zauberkunst und mit seiner Serie „Magic Attack“ auf Kabel 1 wohl auch Deutschlands jngster TV-Magier. Bei der GOP-Show freilich litt er unter dem rappelvollen Haus, man sah ihn auch von hinten – da knnte auch kein Copperfield zaubern. So belie er es bei charmant prsentierten Fingerfertigkeiten – sonst hat er klasse Tricks mit Skateboards und fesselnde Entfesselungsknste drauf. Im Juni gastiert er im Blub-Blub-Club, im Oktober soll eine abendfllende Show Premiere haben; derzeit bespat er die CeBIT. Und zwar zusammen mit einem weiteren Hit des Nachwuchs-Abends: Benni, einem Diabolo-Derwisch. Zu rasanter Musik tanzt er ber die Bhne, lsst bis zu drei Rollen gleichzeitig Formationen fliegen, hpfen und kreiseln, ver- und entknotet den Strick, dass das Auge kaum mitkommt, und elektrisierte selbst das recht gesetzte Publikum dieses Abends. Noch eine erfreuliche berraschung: Sngerin Stefanie Seelnder, an dieser Stelle schon einmal arg geschmht, bewies, dass sie doch ber Bhnenprsenz und Witz verfgt. Sie arbeitet an einem neuen Programm – wenn’s in dem Stil weitergeht, knnte es ein Lichtblick werden.

    Auch Brodowy wagt Neues: Er tut sich mit Mnnergestalten zusammen, dem Kpt’n-Blaubr-erprobten Puppenspieler Detlef Wutschig. Die gemeinsame Show heit  „Bert Engel sagt Tsch“ und angeblich wird der wohlstandsgerundete Brodowy dabei im hautengen Kostm einen Ausdruckstanz wagen. Am 10. April ist Premiere in Alma Hoppes Lustspielhaus in Hamburg, in Hannover am 7. Mai bei Desimo im Apollo-Kino. Dort, beim Lindener-Spezial-Club, durfte Brodowy erstmals nicht die Laudatio fr den jhrlichen Publikumspreis „sPezialist“ halten – er war selbst einer der Bepreisten. Auer ihm wurden der technisch und darstellerisch brillante Bauchredner Sascha Grammel aus Berlin sowie das Duo Helge und das Udo aus Tbingen geehrt, deren Sketch mit dem hyperaktiven Buddhisten brillant war. Der Lindener-Spezial-Club luft weiter hchst erfolgreich, auch die Soloabende mausern sich. Bodo Wartke, Jungstar des Musikkabaretts, war im Januar so ausverkauft wie umjubelt. Auch in der Brunsviga Braunschweig ist der „Club“ weiter aktiv, und neuerdings auch in Rethmar gleich bei Hannover: Auf dem Gutshof Rethmar hat nmlich Wolfgang Werner, in Hannover Macher der kleinen Bhne Werkstatt Galerie Calenberg, einen neuen Spielort mit charmantem Ambiente und 400 Pltzen aufgemacht, wo im Mrz schon das Wall-Street-Theatre und Kalle Pohl auftraten und am 20. Mai die Mnchner Lach- und Schiegesellschaft gastiert.

    Voran geht’s auch bei Fischbrtchen 1 Euro, die Kulturbrse Freiburg kam diesmal in den Genuss ihres „Arsch-aus-der-Hose-Mann“s: Hannovers schrgstes Duo schlug sich tapfer auf der Bhne, sang Hits wie den vom Rabatt, den es im Puff nicht gibt, und machte die Tempeltnzerin. Und auch wenn sie nicht ganz so locker und lustig wie daheim waren, trudelten Angebote ein. Ihr Blub-Blub-Club prsentiert die bunteste Humor-Mischung der Stadt: Female-Trash-Comedy von Heike Schneider aus Kln etwa, die intensiven Zungenkontakt mit dem Mikro pflegte und einen Zuschauer auszog, oder Berliner Bldelei mit Beppo Pohlmann von den Gebrdern Blattschuss, der das Haus humorig rockte. Am gleichen Abend bewies der hannoversche Stimmimitator Christian Korten, dass seine Zunft auch nach Stoibers Abgang wenig Sorgen hat, solange ein Glos, ein Khler und eine Merkel bleiben. Im April erwartet der Blub-Blub-Club den Prix-Pantheon-Preistrger Fatih Cevikkollu, dazu spielt das hannoversche „Ferkelpop“-Duo Saufziege und Frst B. – und die halten, was ihre Namen versprechen.

    Traditionsgem spielte das hannoversche Kabarett-Urgestein Dietrich Kittner im Januar in Hannover – doch gegen die Tradition diesmal nicht im Theater am Kchengarten (TaK). Was verwundert, hat er doch das TaK gegrndet – im Januar vor genau 20 Jahren. Allerdings hat das TaK vor drei Jahren erst Zehnjhriges gefeiert – zehn Jahre nach der bernahme durch Horst Janzen nmlich. So verabschiedet man sich von seiner Vorgeschichte. Ein Grund: Das TaK mchte sich verjngen, es hat mit Volker Surmann, Ingo Brchers, Ludger K., Hans Gerzlich, Robert Louis Griesbach und Florian Schroeder im Frhjahr jngere Knstler eingeladen. Auch beim Publikum strebt man nach Nachwuchs und offeriert Schulveranstaltungen. Verjngen konnte sich jedoch auch Erzlstermaul Dietrich Kittner bei seinem Umzug ins undergroundige Kulturzentrum Faust: Das dortige Stammpublikum, gut anderthalb Generationen jnger als der Knstler, fand mchtig Gefallen am ungebeugt links-kritischen Humor des alten Haudegens. „Sehr geehrte Drecksau“, der Programmtitel entstammt einem Schmhbrief an Kittner, denn ein „Briefroman“ bildet das Gerst des wieder mehr als dreistndigen Programms: viele satirische Schreiben, die Kittner im Laufe seiner Karriere an Innen- und Verteidigungsminister sandte und jngst auch an Bernd Neumann. Vor Jahrzehnten hatte der geuert, er wrde die Werke Erick Frieds lieber verbrannt sehen. Nun sandte ihm Kittner zum Amtsantritt als Kulturstaatsminister Zndhlzer – Neumann se ja nun an der richtigen Stelle. Und zwischen Dank an Struck fr seinen Hang zum Hindukusch und Schmh ber Schubles Passbilderlass, der Staat verbiete Lachen und Zhnezeigen, schpft Kittner aus seinem riesigen satirischen Fundus, improvisiert, rechnet, wettert gegen den Lauschangriff, gegen die „Diktatur der extremen Mitte“, gegen Kampfeinstze: „bitter, bse, gut“, titelte eine Tageszeitung zutreffend.

    So pointiert politische Tne hrt man sonst am ehesten noch bei Volker Pispers und Hagen Rether, die beide bei Hannovers erstem Kabarettfestival die rappelvolle Orangerie jubeln lieen – ebenso wie natrlich Urban Priol. Sehr erfolgreicher Start, nun folgt der zweite Streich: am 14. September erffnet Mitternachtsspitzen-Star Wilfried Schmickler, am 15. folgt ZDF-„Anstalts“-Neuling Georg Schramm, am 16. Thomas Reis, am 17. das Kom(m)dchen und am 19. die Lach- und Schiegesellschaft. Zwei Ensemble-Abende also diesmal, beide mit Jubilumsprogramm. Wir freuen uns darauf.

    Redaktion:Evelyn Beyer

     

    Termine

    + Blub-Blub-Club mit Fischbrtchen 1 Euro: immer am 2. Donnerstag im Monat im Enercity-Expo-Caf

    + Desimos Lindener-Spezial-Club: am letzten Montag im Monat im Apollo-Kino in Hannover. Nchster Desimo-Spezial-Club in der Brunsviga Braunschweig: 24. April

    + „Bert Engel sagt Tsch“ von Matthias Brodowy und Detlef Wutschig: Am 10. April Premiere in Alma Hoppes Lustspielhaus in Hamburg, Hannover-Premiere am 7. Mai im Apollo-Kino

    + Kleines Fest im Groen Garten in Hannover vom 11. bis 29. Juli, im Kurpark Bad Pyrmont am 4. August, im Schlosspark in Ludwigslust am 10. und 11. August, im groen Park Clemenswerth am 25. August

    + 15.–19. September: zweites Hannoversches Kabarettfestival mit Wilfried Schmickler, Georg Schramm, Thomas Reis, Kom(m)dchen, Lach- und Schiegesellschaft.

     

    2007-03-15 | Nr. 54 | Weitere Artikel von: Evelyn Beyer





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