Kleinkunst  Straßentheater  Kabarett  Variete  Circus
        Agenturen  Wettbewerbe  Comedy  Galas  Festivals

 
 
 
Suche im Trottoir

Kategorien Alle Jahrgänge







33. Internat. Kulturbörse Freiburg

21. Kleinkunstfestival Usedom

Trottoir-Special Straßentheater 2029
Scharfe Barte Melsungen

Tuttlionger Krähe 2021

Comedy Institut

Fairsicherungsladen Hagen/NRW

ein Lächeln



Kulturtermine

Ausschreibung,Wettbewerbe

Artikel - gewählte Ausgabe
Meist gelesen
Statistik
  • Kategorien: 66
  • Artikel: 3515
  • Szenen Regionen :: Saar

    [zurück]

    SAARLAND SOMMER UND HERBST

    Echt pfannig!

    Comedy dominiert aber Kabarett gewinnt St. Ingberter Kleinkunstpreis

    Sie ist „erwachsen geworden“, die St. Ingberter Pfanne. Zum 18. Mal wetteiferten Comedy- und Kabarettvertreter um den begehrten Kleinkunstpreis der saarlndischen Mittelstadt. Zwei Hauptpreise gab es, und obwohl diesmal etliche gestandene Vollprofis angetreten waren, gingen die Pfannen eher an die Auenseiter, so zum Beispiel an den bayrischen Soloknstler Claus von Wagner. Er war die eigentliche berraschung. Zwar erst 24 Jahre jung, berzeugte er besonders durch die erstaunliche Lssigkeit, mit der er biografisches, fiktives und aktuelles zu verbinden wute. Sein Charme und seine natrlichen Prsenz berzeugten nicht nur die Jury, sondern auch das Publikum, so dass Wagner nicht nur einen Hauptpreis sondern auch noch den Publikumspreis mit nachhause nehmen konnte.

    Der andere Hauptpreis ging – ebenfalls vllig zu Recht – an das Klner Kabarettduo Seibel und Wohlenberg, ein solides Duo, das wohl bisher nur Insidern ein Begriff gewesen ist und aktuelles und abwechslungsreiches Kabarett bot. Nur eine Vermutung: obwohl auch in St. Ingbert viel Comedy auf dem Programm stand, wollte die Jury bewusst Kabarett auszeichnen. Bei der gebotenen Qualitt eine einfache und richtige Entscheidung – und nur, um nicht missverstanden zu werden: natrlich beherrscht die Comedy den Markt und ist deshalb auch in St. Ingbert stark vertreten. Dagegen gibt es auch nichts einzuwenden. Und natrlich stimmte auch hier die Qualitt! Aber das Kabarett hatte nun mal die Nase vorn! Und vielleicht resultiert daraus ja ein Nachahmeffekt...

    Rund 5000 Zuschauer verfolgten den Wettbewerb in diesem Jahr. Rund 130 Bewerber aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, erstmals auch aus den Niederlanden, zeigen: Die Pfanne ist wirklich erwachsen. Und nach der Pfanne ist vor der Pfanne, sie geht jetzt stark auf die neunzehn zu!

    Was gab’s noch im kleinsten Flchenbundesland der Republik? Reichlich Querelen oder sagen wir lieber Irritationen um das Festival „Perspectives“, das als Lieblingskind des Saarbrcker Kulturdezernenten gilt. Warum, wei er alleine, ist die von Charlie Bick organisierte Sommerszene mit europischem Straentheater beim Publikum doch eindeutig das beliebtere Festival. Da gibt es „Kunst (fast immer) umsunst“, leider auch mit fast nur marginaler Untersttzung aus dem kommunalen Kulturgeldsckel.

    Also, zuerst die „Perspectives!“ Die hieen diesmal – zum 25. Geburtstag – „Perspectives Nouvelles“, weil auch die Franzosen im Departement Moselle mitmachten, was zustzliches Geld in die Kassen und damit ein umfangreicheres Programm brachte. Die Spielorte waren originell: Eine alte Industriehalle, ein Zivilschutzbunker, der Keller eines Museums, ein Straen-Caf, ein ehemaliges Schwimmbad. Und nicht mehr nur Straentheater stand im Mittelpunkt, sondern auch aktuelle Strmungen im deutschen und franzsischen Sprech- und Tanztheater wurden vorgestellt.

    Es gab Peter Brooks "Hamlet"-Inszenierung mit den Bouffes du Nord als auch Thomas Ostermeiers Berliner Schaubhne mit "Supermarket" und im Bereich Tanztheater "Allegoria Stanza", die jngste Choreographie des in Frankreich geborenen Abou Lagraa. Groe Namen  - ein groes Programm. Allerdings zerfaserten die Perspectives dadurch auch etwas, denn die frhere Konzentration auf franzsisches Theater machte das „Festival Perspectives“ zu einem speziellen. Auf 2003 darf man dennoch gespannt sein, womit wir beim Punkt Irritation wren. Denn zwischenzeitlich tauchte das Gercht auf, die Perspectives 2003 knnten ausfallen. Ausgelst wurde die Krise durch einen berraschenden Karrieresprung Brunners nach Paris, wo er jetzt den Kulturminister bert. Heikel war nicht nur der Wechsel, sondern auch ein Defizit von rund 50000 Euro. Gut, Peanuts fr eine Kulturmetropole, aber im strukturschwachen Saarbrcken verdammt viel Geld! Doch mittlerweile hat Brunner zugesagt auch die Perspectives 2003 verantwortlich zu gestalten. Ich wiederhole mich: Auf die Perspectives 2003 darf man gespannt sein.

    Apropos Brunner: Sein Weggang heit auch, dass das Le Carreau in Forbach eine neue Leitung sucht. Klar ist aber schon "Le mme esprit!" Also den selben Geist wollen sie bewahren, bis der neue Chef oder eine Chefin kommt. Der selbe Geist, das heit Munterkeit, Qualitts-Bewusstsein und Aufgeschlossenheit auch gegenber den Bedrfnissen des deutschen Publikums. Vor Dezember wird in Sachen Brunner-Nachfolge keine Entscheidung erwartet. Auch hier darf man gespannt sein...

    Und dann war da noch die Sommerszene und ihr einziger natrlicher Feind: das Wetter! Viele verregnete Auffhrungen – aber dennoch lie sich das Publikum die Lust am Programm nicht verhageln. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr die beiden grten deutschen Straentheaterproduktionen. Zur Erffnung verwandelte Pan Optikum mit „Il Corso“ den Saarbrcker Schlossplatz in eine riesige Theaterkulisse und verzauberte das Publikum mit unvergesslichen Feuerbildern. Dabei bewegten sich mobile Groobjekte ber die von stationren Feuerskulpturen eingerahmte Spielflche und die Zuschauer waren immer inmitten des Geschehens. So wurde die traumhafte Gedankenwelt eines Dichters sichtbar, denn Grundlage des Spektakels ist Pablo Nerudas "Buch der Fragen".

    Krnend-feuchter Abschluss der Sommerszene war das Theater Titanick, das mit gigantischen Maschinenkonstruktionen und atemberaubenden Spezialeffekten Bau und Untergang des Luxusdampfers „Titanic“ in Szene setzte. Mal ehrlich: Da wre doch strahlender Sonnenschein wirklich deplaziert gewesen.

    Auch fr die Sommerszene gilt. Man darf auf 2003... aber irgendwie wiederhole ich mich.

     Redaktion: Christian Bauer 

    2002-12-15 | Nr. 37 | Weitere Artikel von: Christian Bauer





    Copyright © 2008 Quibo e.K.
    Alle hier erwähnten Produkt- und Firmennamen sind Marken der jeweiligen Eigentümer. Trottoir-online ist ein Online-Magazin für Kleinkunst - redaktionell aufbereitete Themenbereiche: Variete, Kabarett, Circus, Comedy, Straßentheater mit Agentur-News und Terminen von Festivals, Premieren, Wettbewerben und Ausschreibungen, Workshops und Weiterbildung.