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    So a haaßa Summa

    Wir haben überlebt! Der Sommer ist schon fast wieder vorüber, die Urlaubszeit vorbei und die Sonnenfinsternis hat auch keine sichtbaren Schäden hinterlassen. Obzwar kleinkunstmäßig nicht extrem viel los war, gab es sehr wohl einige Highlights auf Wiens Kleinkunstbühnen, über die man ruhigen Gewissens nur absolut Positives berichten kann. Doch das Beste folgt erst: Die Premieren des Herbstes. Hier und jetzt einige Vorausblicke und im nächsten Trottoir dann die Berichte davon.

    Markus Linder - Lebenslang: Er war zwar der Kleine Prinz bei Günther Mokesch, als Solist ist der sympathische Zwei-Meter-Rankweiler jedoch nicht nur eine herausragende Bühnenerscheinung, sondern im wahrsten Sinne des Wortes eine überaus gelungene Verkörperung seines Programmtitels. In seiner Wien-Serie im Metropoldi überzeugte Markus Linder als Jazzer, Rock'n'Roller, Lyriker, Balladist, Parodist und Philosoph. Der blendende Rhetoriker führt uns durch seine Lebensstationen der letzten Jahrtausende, war unter anderem Oswald von Wolkenstein, ein Bluessänger in New Orleans, Johann Strauß, Graf Rudolf von Montfort Feldkirch, ein Gregorianischer Mönch und der Proponent des Kommittées "Kampf den Schlaftabletten". Einfach großartig sein Heimat-Rap, sein Rankle-Blues, sein Voodoo-Master, seine Version von "My Baby left me" sowie das flotte "Schachmatt". Markus Linder ist gleichermaßen böse wie lieb, streichelweich wie schrullig, tiefdenkend wie weitblickend, jedoch stets sympathisch und freudeverbreitend. Ein absolut sehens- und hörenswerter Trip vom Hier zum Damals und retour.

    Ottfried Fischer - Was tun: Ich weiß, als Österreicher in einem deutschen Kleinkunstmagazin einen deutschen Kleinkunst-Superstar vorzustellen, mag infam erscheinen, ich wage es dennoch. Zumal die Bühnenbretter des Wiener Orpheums ächzten, was das Zeug hält, als Bayerns gewichtigster Kabarettist und Schauspieler im buntkarierten X-Large-Hoserl als Robert Wegscheider einen Termin im Wartezimmer seines Psychiaters urgiert und uns dabei von all seinen Erlebnissen im Supermarkt, beim Zahnarzt, im Kino, als Erfinder oder was auch immer erzählt. Er mag Wortspiele ("Da kommen heute noch einige!"), Bayerische Originale Verarschen, Werbung, Texthänger ("Ich hol jetzt nur schnell mein Textbuch von hinten!") und selbstverständlich das von ihm himself erfundene elektronische Ntütü. Seine Wort-Stakkati sind dabei mindestens ebenso phänomenal wie seine Satzkonstrukte und seine stets allgegenwärtige Bösartigkeit. Obwohl "die CSU kein Thema ist", rutscht sie ihm dennoch immer wieder dazwischen. Bezogen auf seine ziemlich deftig geschüttelten Reime bleibt vor allem ein Fischer-Zitat hängen: "Ich weiß, das macht sie jetzt ein wenig betroffen." Und eine Frage: "Wo gibt's so a Hosn?"

    Shakespeares gesammelte Werke: Und nun zu etwas ganz anderem. Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield feierten damit bereits triumphale Erfolge. In der Übersetzung von Dorothea Renckhoff und der Bearbeitung derselben durch Rupert Henning und Hakon Hirzenberger präsentierte die Christopher Hoffmann Productions im Wiener Metropol die 2-Stunden-Version sämtlicher 37 Tragödien, Komödien und Königsdramen sowie aller 154 Sonetten. Die 1834 dafür notwendigen Schauspieler wurden durch 3 - Viktor Gernot, Rupert Henning und Michael Niavarani verkörpert, Hakon Hirzenberger führte Regie. Dem etwas faden Beginn folgte vor der Pause ein Sammelsurium an Pointen (Titus Andronicus als ziemlich schwarzhumoristische Talk-Show, Othello als Blues, McBeth mit vegetarischem Orgien-Mysterium-Spiel unter Beisein von Hermann Nitsch, die Königsdramen als Fußballmatch, Romeo und Julia als Parodienfeuerwerk) und nach der Pause ein etwas lähmender Hamlet samt Publikumsbeteiligung und High Speed Version. Dennoch, ein amüsanter Abend mit drei umwerfend komischen Hauptdarstellern.

    Ab in die Theater - Es wird ein heißer Herbst: Jackpot, das neue Kabarett-Programm von Ludwig Müller hatte zwar bereits am 6. September im Kabarett Niedermair Premiere, der Redaktionsschluß dieser Ausgabe war dennoch etwas früher dran.

    Genauso ging es mir mit Paternoster, dem neuesten Wurf des mittlerweile leicht umbesetzten Kabarett-Quartetts Heilbutt & Rosen. Daher: Von beiden Programmen das nächste Mal.

    Von 19. - 23. Oktober findet im Theater am Alsergrund wieder der beliebte Wettstreit um den Goldenen Kleinkunstnagel statt. Sollte aus deutschen Landen jemand Interesse daran haben, daran teilzunehmen, der schicke einfach seine Kurzinfos samt Video. Details dazu erfahren Sie von Heike Henninger unter 0043/1/310 46 33 oder 0043/664/376 62 37.

    Am 5. Oktober hat Andreas Vitasek mit seinem neuen Solo-Programm in der Kulisse Premiere. Wir haben zwar im Moment noch keine Ahnung wie das Programm heißen und worum es gehen wird, können aber - wie immer bei Vitasek - voller Freude darauf neugierig sein.

    Am 8. Oktober kommt Alfred Dorfers erst kürzlich unter der Regie von Harald Sicheritz abgedrehter Western-Epos "Wanted" in die Österreichischen Kinos. Ein Film, dem man einen ähnlichen Erfolg bescheinigt wie seinerzeit "Indien", den Dorfer gemeinsam mit Josef Hader schrieb. Übrigens: Auch Bernhard Ludwig hat einen Film abgedreht. Quasi als Anleitungsvideo für all jene, die keine Karten für seine Seminarkabaretts "Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit" bekommen.

    Abschließend noch eine kleine Information aus der Managerecke: Völlig neue Dimensionen in Sachen Marketing bringt René Berto in die heimische Kabarett- und Comedy-Szene. Nach seiner vielbestaunten Bierdeckelaktion für seinen Schützling Alf Poier charterte er sowohl im Juni als auch im September unmittelbar vor dessen Kulisse-Spielserie einen Flächenflieger und ließ diesen mit einem Alf Poier-Transparent samt Kulisse-Telefonnummer über die SCS, die Donauinsel und den Neusiedlersee kreisen. An die zwei Millionen Kontakte. Hut ab!

    Redaktion: Willy Zwerger

    1999-09-15 | Nr. 24 | Weitere Artikel von: Willy Zwerger





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