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    Straßenkunstfestivals

    Wie ein Festival für die teilnehmenden Künstler verläuft, beurteilen sie oft nach ganz subjektiven Kriterien. Wenn eigentlich alles schlecht organisiert ist, man aber ein (hohes) Preisgeld mit nach Hause nehmen kann, war es natürlich ein gutes Festival. Die leidige Frage, ob Wettbewerbe überhaupt notwendig sind oder einfach nur zu viel Konkurrenzdruck erzeugen, lassen wir hier aus. Wenn es gute und schlechte Plätze auf einem Festival gibt, aber man selber alle Shows auf dem besten Platz spielt, war es super. Wenn die Shows vielleicht nicht so gut waren, weil man um 11 Uhr morgens in einer abgelegenen Seitengasse spielen muss, man dafür aber viele Freunde wiedertrifft und die Organisatoren nett sind sowie Unterkunft, Essen und Bezahlung stimmen, hat man trotzdem ein tolles Festival gehabt. Je nach den subjektiven Erfahrungen, die ein Künstler macht, fällt dementsprechend seine Bewertung aus. Aber es gibt dennoch ein paar objektive Kriterien, an denen man die Qualität in der Festivalorganisation festmachen kann:

    1) angemessene Aufwandsentschädigung/Gage + Fahrtkosten für alle in angemessener Höhe

    2) adäquate Unterbringung

    3) ausreichend große Garderoben/Aufenthaltsräume für die Künstler mit Catering

    4) auffindbare Ansprechpartner für Probleme während des Festivals

    5) das Bemühen der Organisation, den Künstlern passende Plätze zuzuweisen, durch vorherige Absprachen (jeder Act erfordert andere Bedingungen, Schlappseil-Acts beispielsweise benötigen oft einen Haltepunkt)

    6) abwechslungsreiche Künstlerauswahl (nicht nur Hocheinrad-Act, sondern möglichst verschiedene Shows)

    7) Kontakt zu den Künstlern (Infos rechtzeitig(!) zuschicken, Absagen verschicken, ...)  

    Wieso schreiben wir das Ganze? Wir waren in diesem Jahr auf vielen Festivals unterwegs und von einem so enttäuscht, dass wir hier unsere Kritik anbringen möchten. Wir hatten vorher schon viel Schlechtes über das Straßenkünstlerfestival La Strada in Augsburg gehört und wollten uns nicht nur auf das Hörensagen verlassen, sondern lieber selber ein Bild machen. Doch in fast allen der o. g. Kriterien fiel dieses Festival durch:

    Zu 1) Es gab lediglich eine Pauschale von 100 € pro Gruppe, wobei egal war, von wo die Künstler anreisten.

    Zu 2) Für eine Unterkunft war nicht gesorgt. Wir erhielten vorab die Adresse eines Campingplatzes. Während des Festivals konnte tagsüber auf dem Parkplatz des Sozialamts geparkt werden; nachts mussten die Fahrzeuge entfernt werden.

    Zu 3) Es gab weder eine Garderobe noch einen Aufenthaltsraum/Treffpunkt für die Künstler, vom Catering ganz zu schweigen. Auf Nachfrage war es dann doch möglich, eine Umkleide zu bekommen – ein Klo! Zum Glück wussten nicht alle Künstler von dieser Möglichkeit.

    Zu 4) Die Ansprechpartner waren entweder völlig gestresst, nicht anzutreffen, noch im Bett o. ä. oder, wenn sie doch da waren, total überfordert, desinteressiert und uninformiert. So fehlte auch schon mal einer der Juroren während einer zu bewertenden Show.

    Zu 5) Plätze zum Spielen tagsüber in der Stadt gab es eigentlich gar nicht. Uns wurde die Möglichkeit genannt, abends vor den Zelten des La Strada Theaterfestivals, das parallel zum Straßenkünstlerfestival stattfand, zu spielen. Nur war es so, dass Gruppen, die für das Theaterfestival engagiert waren, feste Spielzeiten vor den Theaterzelten hatten, sodass auch diese Spielmöglichkeit für die Künstler des Straßenkünstlerfestivals ausschied. Also keine Möglichkeit, die 100 Euro-Pauschale etwas aufzubessern.

    versicherungsladen_67_35Noch ein Wort zur Vergabe der Preise, die bei diesem Wettbewerb unseres Erachtens nach äußerst unfair verlief. Wie oben schon kurz erwähnt, fand parallel zum La Strada Straßenkünstlerfestival das La Strada Theaterfestival statt. Das Theaterfestival hatte u. a. fünf Künstler/-gruppen engagiert, die gleichzeitig auch am Straßenkünstlerfestival teilnahmen. Diese Künstler erhielten natürlich eine Gage vom Theaterfestival. Genau diese Künstler bekamen die Plätze mit den festen Spielzeiten vor den Theaterzelten. Die gleichen Künstler nahmen dazu noch am Straßenkünstlerwettbewerb teil. Drei dieser fünf Künstler/Künstlergruppen erhielten die hochdotiertesten Preise des Wettbewerbs und das, obwohl es die einzigen Shows waren, die die vertraglich vorher festgelegte Rahmenbedingung einer Spielzeit von maximal 20 Minuten gnadenlos überschritten. Der Pressepreis wurde vergeben, noch bevor alle Künstler ihre Shows gezeigt hatten (Wir standen zufällig daneben, als der Herr von der Presse mit den Künstlern sprach). Was gibt es noch zu sagen: Wir hoffen, dass es kein 6. La Strada Straßenkünstlerfestival geben wird. Wir wissen jetzt, wie schön es ist, wenn jemand sagt: „Hi – schön, dass du da bist. Willst du was trinken?“ Außerdem: Vielen Dank an dieser Stelle an all die Organisatoren, die sich auf die von ihnen eingeladenen Künstler freuen und sich bemühen, eine für alle angenehme Atmosphäre zu schaffen. Stellvertretend hierfür seien das Heringsdorfer Kleinkunstfestival, der Giessener Schwätzer und die Gauklerfeste in Thun (CH) und Tuttlingen, die sogar einen eigenen Koch für die Künstler engagiert hatten, genannt.  

    Duo Agil (Astrid Schöne, Albert Wittbrock) aus Bielefeld Lucy Lou (Nicole Bäumer) aus Hamburg  

    2004-12-15 | Nr. 45 |





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