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    Szene Kassel und Nordhessen

     

    Was hat die VW-Abgasaffäre mit dem Kulturleben in Baunatal zu tun? Leider eine Menge. Dass der Wolfsburger Konzern in der schwersten Krise seiner Firmengeschichte steckt, bekommt natürlich auch seine nordhessische Filiale zu spüren. Die Stadt Baunatal, deren Wohl und Wehe vom Tropf der Gewerbesteuereinnahmen seitens ihres Global Player abhängt, muss jetzt sparen. Und Budgetkürzungen betreffen eben in der Regel vor allem die Kultur. Also wird es sofort keinen Herbstpalast mehr geben, jenes 2001 aus der Taufe gehobene mehrtägige Festival, bei dem sich in der Stadthalle, jeweils Ende September, die Größen von Comedy, Kabarett und Musik die Klinke in die Hand gaben. Auch das Tourneetheater-Abo steht vor dem Aus. Ebenfalls eingestellt wird die ambitionierte Kabarettreihe im Stadtteilzentrum Baunsberg. Was übrig bleiben wird für Baunataler Kulturinteressierte - noch ist es nebulös, was Verlautbarungen seitens der Stadtregierung angeht. Einen Kahlschlag werde es nicht geben, so Bürgermeisterin Silke Engler. Außer der ein oder anderen Agenturveranstaltung dürfte jedoch nicht viel zu erwarten sein.

    artbild.250_liza_kos_01Immerhin: Der Baunataler/die Baunatalerin hat das Glück, mit Straßenbahnen und Bussen engmaschig nach Kassel chauffiert werden zu können. Und von dort gegebenenfalls weiter Richtung Vellmar, die Kleinstadt im „Speckgürtel“, die in puncto Kleinkunst und Kabarett immer noch „eine Schippe drauflegt“. Dieses Jahr ist sie - genauer gesagt, ist die Kleinkunstbühne „Piazza“ - erstmals Schauplatz des Finales um den Hessischen Kabarettpreis. Liza Kos, Stefan Waghubinger, BlöZinger und Miss Allie werden am 17. Mai um den Jurypreis namens „Bethmännchen“ und den „Handkäs mit oder ohne Musik“ genannten Publikumspreis ringen. Der Empfänger des Ehrenpreises, der nennt sich „Ahle Worscht“, ist Urban Priol, den FörderpreisGrie Soß“ erhält Martin Frank. Alle vier Preise sind mit 3.000 Euro datiert. Die Moderation des Abends übernimmt Bernd Gieseking. Und im August steht die 25. Auflage des Zeltfestivals „Sommer im Park“ an.

    Ebenfalls ins 25. Jahr geht das Kulturzelt Wolfhagen. „Eine bunte Mischung für Herz und Hirn, Bauch und Bein“, versprechen die Macher, und die Besetzungsliste lässt an der Seriosität dieses Versprechens keinerlei Zweifel. Die Events für die drei erstgenannten Körperteile finden sich im Terminplan, darunter Größen wie Herbert Knebel, Bodo Warnke und Mirja Regensburg. Achtung, Baunataler Kleinkunst-Afficionados: Auch Wolfhagen ist mit der Regio-Tram gut erreichbar!
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    Das Kulturzentrum Schlachthof, Kassels ältestes soziokulturelles Zentrum, hat einen neuen Veranstaltungssaal spendiert bekommen. Pünktlich zur Wiedereröffnung startet am 7. Mai ein neues Format. Es heißt „Kunstbude“. Singer/Songwriter, Dichter, Jongleure,         Comedians, Kleinkünstler sollen sich eingeladen fühlen, jeweils 15 Minuten zum Gesamtprogramm beizutragen. Es könnte der Beginn eines „Kasseler Talentschuppens“ werden. Die Region, das hat schon die Vergangenheit gezeigt, ist voll von begabten Entertainern. Sie brauchen eine Plattform, um sich auszuprobieren.

     

    Die aktuelle Kritik

    Wackernagel_Brecht„Warum ich nicht von ihm lassen kann“, nennt Sabine Wackernagel ihr neues Brecht-Programm, das sie, zusammen mit Hartmut Schmidt (Keyboard) und Frank Becher (Gitarre) auf die Bühne des Kasseler „Theaterstübchens“ hievte. Ein gelungener Mix aus Liedern, Gedichten und einer kundigen, dramaturgisch brillanten Moderation, gespickt mit O-Tönen der zahlreichen Frauen, die ihn liebten und die er allesamt zurück liebte, gerne ihrer zwei oder drei gleichzeitig, wohingegen er stets beanspruchte, der Einzige zu sein. Ein überaus geschickter Schachzug von Wackernagel, sich der Schriften etwa einer Marianne Zoff, Elisabeth Hauptmann, Marieluise Fleißer, Helene Weigel oder Ruth Berlau zu bedienen, um Auskunft über den unermüdlich Zigarre rauchenden Womanizer zu erheischen. Waren die Damen doch samt und sonders „Femmes de lettre“, deren Intellekt und Sprachwitz Brecht viele Anregungen für seine dramatische Produktion, manchmal ganze Szenen, ja Akte verdankte. Ohne freilich, der Dichter stand voll zu seiner „Laxheit in Fragen geistigen Eigentums“, den Beitrag seiner genialen Musen je öffentlich zu machen. Warum sie, die „Ausgebeuteten“ von einem, der ansonsten das kapitalistische Ausbeutungssystem anprangerte, trotzdem nicht von ihm lassen konnten - es mag mit den Kostbarkeiten zu tun haben, die Wackernagel in ihre Erzählung immer wieder einstreute: Balladen aus der „Dreigroschenoper“ (deren Titel übrigens stammt von Martha Feuchtwanger), frühe Gedichte wie die „Erinnerung an die Marie A.“, das Auftrittslied der „Mutter Courage“, „Surabaya Johnny“ aus „Mann ist Mann“, die Brilliernummer fast aller Diseusen weltweit -   dieser Kosmos der von den „Verhältnissen, die nicht so sind“ gefährdeten Liebe, wer auch immer ihn inspiriert oder daran mitgeschrieben hat, er scheint ein starkes Band zu sein. Auch Wackernagel kann nicht von Brecht lassen: Die Schauspielerin kennt sein Werk wie ihre Westentasche, hat viele der wunderbaren Frauenrollen gespielt, von der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“ und der Grusche im „Kaukasischen Kreidekreis“ über die Mrs. Peachum in der „Dreigroschenoper“ bis hin zur „Mutter“ und zur „Mutter Courage“. Auch ist das, was im Theaterstübchen für Beifallsstürme sorgte, nicht ihr erster Brecht-Abend, und es wird vielleicht auch nicht der letzte bleiben. Dieser ist eine liebevoll kritische Hommage an das literarische Werk eines Menschen, der von sich selbst gesagt hat: „In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen.“ Aber welch großartige, zum Nachdenken anregende Unterhaltung das Werk und die Wirkung eines solchen Menschen bieten kann, gerät es in die Hände einer so stilsicheren Dramaturgin, Sprecherin und, notabene, Sängerin - an dieser Stelle sei auch ihrer kleinen Combo ein großes Kompliment gemacht - Sabine Wackernagel hat es, wieder einmal, bewiesen.

     

    Redaktion: Verena Joos 

     

     

    Termine Kassel und Nordhessen

     

    Bad Hersfeld, Buchcafé

    11.05. Katie Freudenschuss „Muttertagskabarett“

     

    Eiterhagen, Wirtshaus zum Grünen See

    12.05. Lilli „Ein Witz kommt selten allein“

    08.06. Niko Formanek „Gleich, Schatz…!“

     

    Kassel, Komödie

    28.04. Yves Macak „R-Zieher - Echt jetzt?!“

    09.05. City Comedy Club

    23.05. Das Beste von Heinz Erhardt

     

    Kassel, Kulturzentrum Schlachthof

    07.05. Kunstbude

     

    Kassel, Palais Hopp

    bis 25.04 Ostervarieté „Abgefahren“

    27.04. O’Gott mit G. „Synchron-Comedy“

    03.05. Archie Clapp „Scheiße, Schatz, die Kinder kommen nach dir!“

    04.05. G. v. Bamberg „Ahle Wurscht tasting“

    15.05. Kay Scheffel „Noch’n Gewicht“

    16.05. Kay Scheffel „Noch’n Gewicht“

    23.05. Thomas Schmidt „Alles kann, nichts muss“

     

    Kassel, Theaterstübchen

    15.05. ImproKS „Die Wonneshow“

    19.05. ImproKS „Die Familienshow“

    03.06. Kesse Kerle „Kann denn Liebe Sünde sein?“

     

    Vellmar, Piazza

    02.05. Gancino Circus „Irrsinn und Idyll“

    03.05. Kabarett Funke & Rüther „Best of Programm“

    17.05. Hessischer Kabarettpreis 2019 „Der Wettbewerb“

    18.05. Hessischer Kabarettpreis 2019 „Die Verleihung“
     

    Wolfhagen, Kulturzelt im Parkgelände

    Festival 14.06. - 29.06 (Auswahl)

    15.06. Bodo Warnke „Klaviersdelikte“

    16.06. Kurt Krömer „Stresssituation“

    17.06. Die Mobilés „Moving Shadows“

    19.06. Mirja Regensburg „Mädelsabend - jetzt auch für Männer“

    20.06. Bernd Stelter „Hurra, ab Montag ist wieder Wochenende!“

    21.06. Herbert Knebels Affentheater

     
    2019-04-20 | Nr. 103 | Weitere Artikel von: Verena Joos





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