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    TOLLWUT


    Glaubt man der Ankündigung für das Soloprogramm von Peter Ludwig, geht man nach diesem Abend summend nach Hause, Damen stolpern und Herren fürchten sich vor dem Vollmond. Aber wie schon der Titel “Eindeutig ambivalent” verrät, wurden bei der Uraufführung auch solche Zuschauer entdeckt, die in einem unentrinnbaren Kokon von Hirngespinsten gefangengehalten und vermutlich nach der Vorstellung hinter der Bühne einfach aufgegessen wurden. Soviel soll zumindest verraten werden. Auch wenn die insgesamt 24 Melodramen für ein Publikum entworfen sind, das nicht schon vorher wissen will, wie es nachher gewesen ist. Peter Ludwig konnte bereits große Erfolge verbuchen als Komponist und Klavierbegleiter für das Duo “Tango Mortale” mit der Cellistin Anja Lechner. Anläßlich der 100-Jahr-Feier der Volkshochschule München ergab sich die Zusammenarbeit mit der Sängerin und Schauspielerin (Rolle der Cellistin Clarissa in “Die Zweite Heimat”) Salome Kammer für das Projekt “Der panaromatische Donnergurgler”, nämlich einer buchstabengetreuen Vertonung und Präsentation des Vorlesungsverzeichnisses. Seit mehr als einem Jahr können die beiden Künstler in der abgründigen Produktion “Die vertonte Frau” mit einem geschliffen-ironischen Potpurri aus Kunstlied, Chanson und Mini-Oper bewundert werden; zwei Dutzend pulsierenden Stimmungsbildern zwischen Leib und Seele. In seinem inzwischen zweiten Soloprogramm konzentriert sich Peter Ludwig als improvisierender Pianist und singender Erzähler auf die Erschaffung von hauchzarter, weltentrückter Poesie. Absurde Geschichten stürzen sich aus dem Reimkorsett in eine Grube voller komisch-monströser Pointen. Lediglich die große Anzahl der Episoden wäre überdenkenswert, weil die einheitliche Leichtigkeit der Texte nach einem musikalischen Spannungsbogen verlangt, der über eine so lange Distanz kaum aufrechterhalten werden kann.

    Kettensägenmassaker dagegen bei der Couplet AG mit “Heimat-Report” und bei den Acapickels mit “Die Homestory”. Als Spezialisten jeweils für Fettabsaugekanülen, bzw. eingeweichte Mieder, Knotentechnik im Tuchbindekurs bzw. Wettumhäkeln von Schnapsflaschen, Eigenurintherapie, bzw. Wachsmethode der Beinenthaarung gelingt der Rückzug ins ganz Private.

    Tollwood, das internationale Kulturfestival, errichtet in diesem Sommer zum 13. Mal seine Zeltstadt. Im Olympiapark Süd findet das Sommerfestival vom 22.06. bis 16.07. statt. Das diesjährige Bühnenprogramm präsentiert die unterschiedlichsten Strömungen, die zur Zeit im Theaterbereich zu finden sind, z.B. eine Open-Air-Oper (“Carmen” von der französischen Compagnie Off), hochgelobtes physical theatre (“Deadly” von dem brasilianisch-neuseeländischen Duo No Ordinary Angels), eine konsequente Weiterentwicklung des Nouveau Cirque (“Traboule” der französischen Compagnie Maboule Distorsion) sowie unterschiedliche Circustraditionen aus Asien, Afrika und Südamerika (“Circus of a 1000 faces”). Neben den Veranstaltungen in Theaterzelt und Musikarena, dem Markt mit Kunsthandwerk und Leckereien aus aller Welt können sich die Besucher an einem vielfältigen Rahmenprogramm aus Straßenkunst erfreuen, z.B. an den Klangkleidern der Audigruppe oder den verrückten Riesenpuppen der australischen Performer “Slack Taxi”, oder gar an den Videoinstallationen “Zen-Garten der irdischen Erleuchtung” aus Südkorea.

    Volles Programm auch auf den Kabarett-Bühnen. Premieren finden statt im Fraunhofer-Theater mit Felix Eder und seinem Programm “Strip Teeth” (27.06.-01.07.), sowie in der Lach- und Schießgesellschaft. Vom 10.-24.06. feiert hier der Münchner Mathematiker, Pianist und Kabarettist Dr. Dietrich Paul sein 20-jähriges Bühnenjubiläum mit dem Best-of-Programm “250 Jahre Bach, 20 Jahre Piano-Paul”. Ab 26.06.-08.07. werden dann die Meister aller Meister der minimalistischen Dichtkunst von Marcus Jeroch in Form von Literarieté und Wortakrobatik in dem Programm “Wowo” zergrübelt. Vom 10.-21.07. legt Andrea Bardey erstmals in München ihren musikalischen Strip “Besser gut geschminkt als vom Leben gezeichnet” hin. Und ab 31.07.-11.08. präsentiert Nessi Tausendschön ihr neues Programm “Königin von Deutschland”. Eine neue Reihe “Jazz und Jam” findet in 14-tätigem Rythmus immer freitags ab 23 Uhr im Laden statt. Als Organisator konnte der Trompeter Johannes Faber gewonnen werden. (Ermässigung für Kabarettgänger winkt!)

     

    Redaktion: Frauke Meding

    2000-06-15 | Nr. 27 | Weitere Artikel von: Frauke Meding





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