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    Tunnel, Familienkrach und sächsisches Sushi

    Die Programmtitel und Sujets sind vielfältig, die Spielarten sehr unterschiedlich, doch die Programme folgen allgemein dem gleichen Ziel – sie wollen unterhalten und bewegen. Vielleicht sogar die Welt zum Besseren. Das ist nicht wenig, viel gibt es dabei zu tun und das konnte man in der Szene Ost, auch wenn es nur wenige Premieren gab, erleben. Äußerlichkeiten gab es auch. Das Chemnitzer Kabarett (bisher 1. Chemnitzer Kabarett) hat sogar ein neues Durchstarten angekündigt und im März und April allein fünf Premieren auf dem Spielplan. Dieser Neuanfang lässt auf eine innere Krankheit schließen. Die ist kuriert und nun will man wieder in die Lüfte. Nur Ludwig Streng bleibt auf dem Boden.

    Nun aber zurück in den September. Nachzutragen ist noch die Premiere der Magdeburger Zwickmühle, also Lothar Bölck und Hans-Günther Pölitz. Ihr aktuelles Programm heißt „Tunnel am Ende des Lichts“. Was heißt, wenn der Letzte das Licht ausmacht, fängt der Tunnel erst an. Düstere Zeiten. Und aus denen haben Bölck und Pölitz ein heiteres Programm gemacht. Wie immer mit Tempo, Timing und satirischem Druck. Das Prinzip der beiden auf der Bühne ist der Streit – also Missverständnis oder Besserwisserei – und das Objekt bleibt die politische und gesellschaftliche Situation im Lande und darüber hinaus. Politisches Kabarett reinsten Wassers ist das, von Rang und Format. Alles wäre dann über die Maßen gut, wenn die beiden nicht zuweilen auf aus früheren Programmen bekannte Situationen zurückgreifen würden, die sie dann mit einem neuen Text spielen.

    Anke Geißlers neues Programm heißt „Heimsuchung“. Sie folgt ihrer Leidenschaft, dem Typenspiel, und führt einen handfesten Familienkrach vor, in dem sie Mutter, Onkel und Tante selbst spielt. Die Geschichte, die dummerweise erst nach der Pause in Gang kommt, ist interessant. Die Familienbande wird per Vertrag zerschnitten, keiner muss mehr für den anderen einstehen. Und da es dabei ums liebe Geld geht und um drohende soziale Abstürze, beschreibt der vorgeführte Zwist nicht nur die Moral in dieser Familie, sondern auch die der bundesdeutschen Erfolgsgesellschaft. Im Einzelnen spielt Anke Geißler die Figuren wirklich gut, aber es sind einfach zu viele, denen sie Leben einhauchen muss.

    Im Dezember hatte das Dresdner Kabarett Breschke & Schuch eine besondere Premiere. Fast zwei Jahre haben sie daran gearbeitet, wobei nicht sicher war, ob das Vorhaben gelingen würde. Manfred Breschke und Thomas Schuch haben ein Programm mit Behinderten auf die Bühne gebracht. Bemerkenswert ist dieses Kabarettstück, das „Durchs wilde Behindustan“ führt, allein deshalb, weil es keine gutmenschelnde Aktion ist, sondern Breschke und Schuch die behinderten Kollegen als gleichberechtigte Mimen in die Geschichte eingebaut haben. Ein Tanz mit zwei Rollstühlen oder überhaupt die Geschichte, die erzählt, dass zwei Nichtbehinderte nach Behindustan kommen, in dem der Torso das Ideal ist. Da es bei diesem Spiel nicht um eine behindertengerechte Gesellschaft geht, sondern um die Gesellschaft selbst, bekommt der Abend einen aktuell-politischen Charakter.

    Wenige Premieren, aber doch bewegt sich etwas in der Szene Ost. Die Leipziger Pfeffermühle verjüngt sich. Cornelia Hudl ist ins Ensemble aufgenommen worden. Erprobt hat sie sich in Theater, Rundfunk, Fernsehen und Film, kommt nun als geborene Leipzigerin aus Baden-Württemberg zurück und hatte im Februar bei der Mühle ihr Debüt als Kabarettistin. Ausgeschieden ist dafür Heiderose Seifert. Seit 34 Jahren stand sie bei der Pfeffermühle auf den Brettern und war unverkennbar der ambivalente Typ zwischen Couragiertheit und verletztem Selbstbewusstsein, eine starke Frau mit verborgenen Abgründen. Das waren ihr Markenzeichen und ihre Rolle auf der Bühne. Sie war am unaufhaltsamen Aufstieg der Leipziger Pfeffermühle in den 70er- und 80er-Jahren beteiligt, hat in der unsicheren Nachwendezeit das Spiel ihres Kabaretts mit geprägt und nun ist Schluss. Sie zieht sich in den Ruhestand zurück. Nicht ganz. Im Hintergrund will sie noch für ihren bisherigen Arbeitgeber arbeiten.

    Dass auch Kabarettisten an fernöstlicher Lebens- und Heilkunst gefallen finden können, ist nicht außergewöhnlich. Dass sie daraus ein Programm machen, dann doch schon. Das Leipziger Kabarett Sanftwut stellte Anfang Februar das Solo seines Chefs Ingolf Serwuschok vor, der Reiki mit Kabarett verbindet. Sushi gleich Rollmops. Das ist, als wolle man einem Psychologen Satire überhelfen. Aber es geht. Lisa Politt, Georg Schramm oder Konrad Beikircher beweisen es. Der Titel des Programms deutet die Fusion an: „Satireiki“. Sie gelingt bedingt, anfangs. Gegen Ende geht es in Richtung Notausgang. Der Solist redet sich mit Märchen raus.

    Redaktion: Harald Pfeifer

     

     

    Premieren

    Arche: 19.03.
    „Zeit heilt alle Wunder“

    Herkuleskeule: 15.03.
    „Licht an!“

    Das Chemnitzer Kabarett: 24.03.
    „PLÜSCH und plump“;
    20.04. „Der mit dem Golf branzt“;
    28.04. „Treffen sich zweie“

    academixer: 17. April
    „Leere Töpfe volle Bäuche“

    Die Distel: 20.04.
    „Alles für die Katz“

    2005-03-15 | Nr. 46 | Weitere Artikel von: Harald Pfeifer



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