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    Unbeschwerte Lustbarkeiten

     

    Nun weiß man vom Schmidt-Theater, daß dort zuverlässig gute Unterhaltung dargeboten wird und in den mitternächtlichen Thresenshows schon manches Talent entdeckt wurde. Das aber das ehrwürdige Haus am Spielbudenplatz gleich für drei Wochen dem deutschen Comedy-Nachwuchs seine Pforten öffnete und die reguläre Bühne bereitstellte, das war dann doch eine hübsche Neuigkeit. Bestritten wurde die Kiez-Comedy-Show von Käthe Lachmann, Ole Lehmann, Roberto Capitoni, Kaya Yanar, Heike Schneider, Die Shenanigan Brothers, Hinz & Kunz, Art of Mouth, Samma Womma Nomma und Martina Brandl.

    Ellen UrbanPräsentiert wurden die jeweils neu kombinierten Abende von dem zänkischen Musiker- und Moderationspaar Emmi (Christopher Dompke) und Herrn Willnowsky (Christian Willner). Zunächst wirkten die beiden allzu platt-plakativ, doch nachdem man sich an sie gewöhnt hatte, überzeugten sie durchaus. Am Premierenabend sorgte „die kesse Politesse“ (Erika Schänder) „für ordnungsgemäße Unterhaltung“ und trällerte erstmal ein „kurzes Liedlein zum Lockermachen“. Alsdann erklärte sie, man hätte sie erpresst, hier aufzutreten – man hätte ihr nämlich Geld geboten. Wohl waren Mimik, Bewegung und Späße der arglos fröhlichen Schweizerin recht grob, doch das Publikum hatte seine Freude daran.

    Grobe Mimik und Gymnastik, vom Publikum jedenfalls für nicht unwitzig empfunden.

    Jeden Abend eine neue Mischung verschiedener Comedy-Formen und -Künstler mit jeweils fünf Akteuren. Dabei sind:

    Premiere bestritten Sebastian Schnoy: Kündigte ein Reinahrd Mey Pottpouri an, erschrekcte damit nicht wenige, lästerte dann aber doch erstmal über Jazz-Sendungen im Radio, parodierte endlich eine Dauer-Werbesendung. Da kann man dem jungen Mann doch nur sagen: Etwas mehr dramaturgischer Sinn schadet auch dem Comedian nicht. Daß er aber talentiert ist, bewis sein Auftritt auf dem Kabarettfestival, Nachwuschs.... Kritiker damals: ...

    Kölsche Comdy im Schmidt

    Johann Köhnich, „Philosoph, Poet & Wirrkopf“, Kölner Jung, braver Geselle, der mit Sprache, Pause und blödem Gesichtsausdruck alleine sein Programm meistert. Dass es in der Domstadt auch Überflieger gibt, bewies das Duo „Onkel Fisch“. Adrian Engels und Markus Riedinger laut polternd in einer Fechtszene auf die Bühne, spielten die Weihnachtsgeschichte in wechselnden Rollen nach. Repetieren und variieren ihr Gagmuster. Mal brachiale, mal bizarre Komik.

    Der Berliner Detlef Winterberg imitierte zunächst einen DJ respektive dessen Klangerzeugnisse und wunderte sich fortan über die Geschicklichkeit der Kassierinnen eines großen Lebensmitteldiscounters.

    Auf der Bühne des Schmidt läuft seit März eine Kiez-Soap-Opera: die „Pension Schmidt“. Jeden Monat eine neue Folge mit dem hauseigenen Ensemble. Die Darsteller schlüpfen in die verschiedensten Rollen, karikieren allerlei Typen – von der Heilsarmeepredigerin bis zum radebrechenden Rosenverkäufer –, dazu spielt die Musik, bestens arrangiert und komponiert von Martin Lingnau. „Pension Schmidt“ ist eine schrille Burleske, ein wenig TV-Satire – die Werbeblöcke werden auf Zuschauerzurufe improvisiert – und ganz viel köstlicher, hin und an auch intelligenter Aberwitz. Es wird hier mit allerlei Kalauern gearbeitet und mit großer Lust die Form ironisch unterlaufen. Summa summarum: Sehr gut gemachte Unterhaltung.

    Einen besonderen Chansonabend gab es im Goldbekhaus. Dort knöpften sich Christiane Pohle und Rainer Süßmilch „Johnny“ vor. Erfrischend und frech möbelten sie das klassische Repertoire auf, kokettierten mit Form und Vorbildern. Das Konzept wußte zu gefallen, es gab genügend gute Ansätze und einigen Witz.


    Dritte Produktion der „Fliegende Bauten“ im Blauen Zelt auf St. Pauli.

    Im Zelt ein professionelles Theater-Equipment, nette Atmosphäre, feine Speise und Getränke werden gereicht. Eine wirkliche Erneuerung der Manegenkünste, sowohl formal als auch inhaltlich.

    Der Cirque Invisible: Klasse. Überraschungen und Träume, Illusionen und Kunststücke. Auftritt Jean Baptiste Thierrée : Erst Optische Verwunderung, dann sein Spiel mit Erwartungen. Sanft bespöttelnd agiert der Magier und Clown. Absurde Tricks sind seine Spezialität: So bringt er etwa einer Kaffeekanne das Laufen bei. Als weiterer Programmpunkt: Victoria Chaplin. Mit Akrobatik, Artistik und Illusionen verblüfft sie die Zuschauer, überwindet die Schwerkraft.

    Requisten wie Schirme, Fahrradteile und diversen Gewänder werden zum Objekt und bewegen sich fliessend und anmutig wie Federn gleich. Eine phantastische Leistung und eine Leistung der Phantasie. Chaplin beherrscht auch hervorragend das Rollenspiel und schlüpft in verschiedenste Tierkörper. Mit weinigen Griffen entsteht aus dem Gewand einer Rokoko-Dame ein Pferd oder ein exotisches Getier. Manchmal nur ein Bild. Eine Szene. Eine Verwunderung. Fazit: Man kann dem Kollegen des „Tagesspiegel“ nur zustimmen, der ins Schwärmen geriet: „Ein Abend der schwelgenden Imagination und der unbeschwerten Lustbarkeiten, wie man ihn nur noch selten erlebt.“

    Redaktion: Jörg Noll

    AdNr:1099 

    1999-12-15 | Nr. 25 | Weitere Artikel von: Jörg Noll





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