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    Vom Erben und vom Werben

    Erben würden die Kabaretts zwischen Berlin und Dresden ganz gern. Am besten gleich Mark und    Pfennig, weil beides allenthalben an allen Ecken und Enden fehlt. Aber es gibt keine    Erbschaft. Es bleiben die Mühen des Alltags mit jener Kunst, deren 100 jähriges Bestehen nun gedacht wird. Die Zeiten haben sich geändert. Während die Kabaretts im Osten in den letzten zehn Jahren fleißig drauflosproduziert haben, sind sie nun etwas zögerlich geworden. Die Masse hat es nicht gemacht, jetzt soll besondere Qualität den besonderen Erfolg bringen. Man sucht nach neuen Wegen.

    Zuvor jedoch noch zwei Nachträge aus dem September. Da hatte die Distel ihr 100. Programm auf die Bühne in der Berliner Friedrichstrasse gebracht. Der Titel war naheliegend: "Hundertmal probiert". Ein gutes Nummernprogramm der alten Machart. Staub war da schon mit im Spiele. Kabarett ist halt an eine Generation und deren Geschmack gebunden. Und bei der    Distel ist die ganz junge nicht zu Hause. Angenehm war jedoch die Selbstironie von Dagmar Jaeger, Stefan Martin Müller und Michael Nitzel beim Nachdenken über ihr Wirken und Bewirken.

    Dann feierte, ebenfalls im September, das Leipziger Kabarett Sanftwut ihr zehnjähriges    Bestehen. Uta und Ingolf Serwuschok sowie Thomas Störel haben im Laufe der Zeit ein eigenes    Publikum erarbeitet. Zum Anlass boten sie mit einem Best-Of-Programm einen Rückblick auf    ihre ersten zehn Jahre. Genannt haben sie es "Hammerhai-Leids". (Ein etwas verknoteter    Wortwitz, dem man offenbar Werbewirksamkeit zutraut.) Etwas Highlight, etwas der Hammer    und etwas Leid. Rainer Otto hatte die alten Nummern von Sanftwut geschickt neu eingerichtet.

    Das Ganze war unterhaltsam, bewegte sich auf leichten Füßen und wie immer war viel Musik im Spiele.

    Gespannt sah man Ende November auf die academixer. Sie hatten zur Premiere eingeladen. Ihr letztes Programm war ein Flop. Zu viele Einfälle, die dann einfach nicht zusammenpassen wollten. Nun auf ein Neues mit Gast Jürgen Hart und Gattin Katrin, die ihr neues Programm vorstellten. Sie hatten ihm den Titel "Lachende Erben" verpasst. (Wieder ein Wortspiel mit    Werbeauftrag.) Erbschleicherei war jedoch nicht zu erleben. "Im Finanziellen", sagt Jürgen    Hart, "werden in der Regel nichts als Schulden vererbt." Das heißt, der Slogan "nach mir die    Sintflut" hat Allgemeingültigkeit bekommen, beim landläufigen Erblasser ebenso wie beim    Umweltverantwortlichen oder Schuldenberater. Katrin und Jürgen Hart geht es um Verhaltensmuster,    die im Großen wie im Kleinen gleichermaßen verheerende Folgen haben. Man bekommt ein    Nummernprogramm rund um das Thema Verantwortung vorgesetzt. Aber nicht in der üblichen    kabarettistischen Art der verwitzten Politik, das ist politischer Witz höchstselbst, der sich    auf die Konsequenzen allen Tuns konzentriert. Man merkt es, der Leipziger Autor und Kabarettist    reibt sich nach wie vor an der Welt. Präzise arbeitet er mit dem Wort und vor allem schreibt er    Situationen und keine Dispute. Für ihn ist die Bühne Anlass zum Spiel. Sein bodenständiger,    sächsischer Witz ist findig, verschmitzt und liebäugelt mit dem Absurden. Ein gutes Programm,    das zeigt, dass im politischen Kabarett nicht nur deklamiert werden muss.

    Im Dezember war in Dresden bei Breschke und Schuch Premiere. Ihr neues Programm, "Rad ab", war unterhaltsam, halt von zwei guten Komödianten gespielt. Eine außergewöhnliche Art Kleinkunst in Wort und Tanz zeigte die Leipziger Tänzerin Anne Bergel mit ihrem Programm "Früh sind wir der Würmer Fraß", eine Hommage an die Tänzerin und Kabarettistin Valeska Gert. Sowohl schrill als auch still ging es da zu. Der aus authentischen Quellen gespeiste Abend war beeidruckend, leider aber etwas kurz geraten.

     Zu erwähnen ist noch, dass das Kabarett aus Halle/Sa. aus dem Status eines Stadttheaters    entlassen worden ist. Nun soll es in eine GmbH umgewandelt werden. Der bisherige Chef Rolf    Voigt ist von seinen Aufgaben entbunden und die Stelle ausgeschrieben worden.

     

    Premieren:

    15. 01. Leipziger Pfeffermühle: "Entwischen Impossible",

    25.02. academixer: 10 Mark 50 kalt (euro 5,39), 11.03. Potsdamer Kabarett Obelisk: "Deutschland ein Schönheitsschlaf" 11. 04. Herkuleskeule: "Komische Leichen".

     

    Redaktion: Harald Pfeifer


    2001-03-15 | Nr. 30 | Weitere Artikel von: Harald Pfeifer





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