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    Wintergarten wartet auf den Sonnenstrahl


    Überraschend kam die Nachricht, dass für die Wintergarten Theater Betriebs GmbH am 11. Juni 2008 die Insolvenzverwaltung angeordnet worden war. Wie das Haus mitteilte, blieben die Verkaufszahlen für die Show „Dekolleté“ hinter den Erwartungen zurück, dazu kamen weitere äußere Faktoren, die zur negativen Bilanz beigetragen hatten. Trotz eines hervorragenden Geschäftsjahres 2007 verfügte das Unternehmen nicht über die notwendigen Rücklagen und konnte auch keine Kredite zum Ausgleich des Liquiditätsbedarfs erhalten. Geschäftsführer Georg Strecker hatte bereits am 20. Mai sein Amt niedergelegt. Ein von Geschäftsführer Frank Reinhard vorgeschlagenes Finanzinvestment wurde auf Gesellschafterebene abgelehnt. Trotz der Insolvenzanmeldung gab es am 2. Juli eine neue Premiere „Hotel California“ unter dem Motto „Let the Sunshine in!“, was wir auch für die Zukunft dieses Hauses wünschen. Drei Jungs aus Berlin entdecken in dieser Produktion die Musik der 60er und 70er und das unbeschwerte Lebensgefühl einer ganzen Generation. Artistik der Spitzenklasse von Rollerskates bis Körperkult, mit Musik von den Beach Boys, Bob Marley, Steppenwolf bis zu den Eagles. Regie hatten Markus Pabst und Frank Müller, und so ist es nicht verwunderlich, dass Pabst auch Bekannte aus Chamäleon-Programmen mitgebracht hat: Kai Eikermann und die Skating Willers. Akrobatisch ist das Programm wieder international besetzt. Mit ihrer Rollschuhdarbietung zeigen die Skating Willers eine traditionelle Rollschuhnummer, in der klassischen Akrobatik bleiben auch Lotte & Stina, Absolventinnen der Brüsseler Artistenschule, mit einer Kombination aus Rola-Rola und Partnerakrobatik. Eike von Stuckenbrok arbeitet an Bungee-Seilen mit vielen Auf- und Abschwüngen und Drehungen, da fehlt ein wenig Spannung und außerdem ist die Darbietung zu lang. Das Trio Sunrise, drei Damen aus der Ukraine, beeindrucken mit einer Hand-auf-Hand-Akrobatik aus schwierigen Brücken- und Pyramidenkombinationen. Strahlemann & Söhne gewinnen das Publikum immer wieder durch die originelle Kombination von Keulenjonglagen und Aus- und Anziehen während des Jonglierens. Die attraktive Melanie Chy zeigt Handstand-Akrobatik, verbunden mit Kautschuktricks auf dem Motorrad. Aus Frankreich kommt die ungewöhnliche Fahrradakrobatik der Hors Cycle, sie geben höchst unterschiedliche Figuren ab: der Extrovertierte auf dem Einrad und der etwas trottelige Vollbärtige auf dem Normalrad. Beide vollführen auf dem Trampolin zum Teil recht schwierige Sprünge, der Stil dieser Darbietung ist sicher nicht jedermanns Sache, ist aber eine besondere Farbe in dem Programm. Das Interieur des Zuschauerraums hat sich etwas verändert: die Showvitrinen sind mit neuem Inhalt, vor allem eigenen Plakaten, bestückt. Bernhard Paul hat wegen des Vertragsablaufs, wie zu vernehmen war, seine Exponate zurückgenommen.

    Im Chamäleon hatte am 15. Mai das neue Programm „myLIFE“ Premiere. Die Inszenierung ist die erste Produktion der Firma Circle of Eleven, zu der der bisherige Chamäleon-Direktor Volker Brümmer wechselte. Dazu gehört auch der ausführende Produzent Gregg Parks. Die Show entstand in ihrer jetzigen Form erst während der Preview-Wochen. Regisseur Randy Glynn schuf mit den tänzerischen, akrobatischen und sängerischen Möglichkeiten der sieben Mitwirkenden eine Show, die vor allem durch Jugendlichkeit, Spielfreude und interessante Kombinationen beeindruckt. Die Bühne steht mitten im Saal, der somit in die Abläufe einbezogen wird. Auf zwei großen Leinwänden laufen Straßenszenen, Gespräche mit den Künstlern und originelle Blicke auf Berlin. Komik bieten die Videoszenen eines der Artisten, dessen Akrobatik durch das Kippen des Bildes verblüffende Wirkungen erzielt. Die Darbietungen entstehen meist aus den choreografierten Bewegungsabläufen der Künstler heraus. Dabei ist der akrobatische Trick nicht immer unbedingt das Wichtigste, so etwa bei der Äquilibristik und Sprungarbeit von Eike von Stuckenbrok und Tobias Wegner. Vieles spielt sich in der Luft ab: Luftring, Tuch, Strapaten und Trapez sind zu sehen, oft mit musikalischen Übergängen. Originell die Seilarbeit von Martin Frenette, er arbeitet mit zwei Seilschlaufen, mit denen er interessante Kombinationen ausführt. Zu den stärksten Nummern gehört die Luftakrobatik von Anke van Engelshoven und Tobias Wagner, eine ausgezeichnet choreografierte und leistungsstarke Arbeit an Strapaten, ein sinnlicher Pas de deux in der Luft. Ein Gewinn für das Programm ist auch Antoine Carabinier Lépine (gerade noch bei „Salto Natale“ zu sehen gewesen), der mit seinem Single Wheel Tricks bietet, die sonst nur mit dem „normalen“ Rhönrad ausgeführt werden, wobei er die Schwere dieses Geräts durch den einfachen Reifen überwindet. Jenny Adler arbeitet singend an Tüchern, und Michelle Sargent gibt mit einem „Halleluja“ den Schlusspunkt des Programms. Der Regisseur hat auf Showkostüme verzichtet, die Akteure arbeiten im Wesentlichen in Straßenkleidung. Ihm und der Choreografin Shannon Cooney ist es gelungen, aus der Improvisation heraus ein in sich stimmiges, geschlossenes Programm zu gestalten, das ganz sicher ähnlichen Erfolg haben wird wie die Vorgängershow.

    Der Friedrichstadtpalast bereitet sich auf die neue, mit Spannung erwarte Revue „Qi“ vor, die am 9. Oktober Premiere haben wird; im August lief eine Star-Gala unter dem Namen „Sommerrevue“.

    Der Wintergarten kündigt ebenfalls für den 9. Oktober sein neues Programm „orientalis. Die Magie des Morgenlandes“ an.

    Redaktion: Dietmar Winkler

    2008-09-15 | Nr. 60 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler





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