Kleinkunst  Straßentheater  Kabarett  Variete  Circus
        Agenturen  Wettbewerbe  Comedy  Galas  Festivals

 
 
 
Suche im Trottoir

Kategorien Alle Jahrgänge



33. Internat. Kulturbörse Freiburg

21. Kleinkunstfestival Usedom

Trottoir-Special Straßentheater 2029
Scharfe Barte Melsungen

Tuttlionger Krähe 2021

Comedy Institut

Fairsicherungsladen Hagen/NRW

ein Lächeln



Kulturtermine

Ausschreibung,Wettbewerbe

Artikel - gewählte Ausgabe
Meist gelesen
Statistik
  • Kategorien: 66
  • Artikel: 3519
  • Themen-Fokus :: Zauberkunst

    [zurück]

    Zauberei im deutschen Fernsehen

    Auweija! Da hatte ich beim letzten Mal so groß auf die Sendung "Best of Varieté" hingewiesen, in der auch Scott, the Magician & Miss Muriel auftraten und dann kommt so etwas dabei heraus. Eine katastrophale Kameraführung, Schnitte an den unmöglichsten Stellen und viel zu wenig Zeit ruinierten die schöne Nummer der Beiden vollkommen. So kann man natürlich keinen Preis gewinnen. Die unmögliche Conférence von Verona Feldbusch wurde schon zur Genüge kritisiert, tat aber ein Übriges zum Misslingen fast der ganzen Sendung. Für mich ist das völlig unverständlich: Da hat man einen hervorragenden Moderator wie Desimo, der nicht nur ein ausgezeichneter Sprecher sondern auch noch ein ausgewiesener Fachmann für Varieté und Zauberei ist und dann muss man eine berühmte, aber völlig inkompetente Sprecherin dazu nehmen, die nicht einmal die Namen der Künstler fehlerfrei aussprechen konnte! Bis zu diesem Abend habe ich immer noch überlegt, ob Verona Feldbusch nicht vielleicht doch ein Gesamtkunstwerk und eine intelligent durchdachte Bühnenfigur ist, aber wer solch elementare und wichtige Dinge falsch macht, ist auch als Kunstwerk misslungen!

    Allerdings hat diese Vorgehensweise des Fernsehens in Bezug auf Varieté und vor allem Zauberei eine lange Tradition in Deutschland. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass wir in Deutschland keinen richtigen Zauberstar haben, der durch das Fernsehen aufgebaut worden wäre? An der Zauberei kann das nicht liegen, denn in England, Spanien, den U.S.A., Italien oder den Niederlanden sieht das alles ganz anders aus. Auch an der deutschen Sprache kann es nicht liegen, denn schließlich hatten wir in früheren Zeiten durchaus landesweit bekannte Künstler (z.B. Kalanag) zu bieten. Und auch am gegenwärtigen Angebot in Deutschland kann es nicht liegen, denn schließlich haben wir wirklich genug hervorragende Zauberkünstler mit fernsehtauglichen Programmen. Vielleicht liegt es doch einfach an den deutschen Fernsehmachern, die möglicherweise zu wenig von dieser schönen Kunst verstehen, die natürlich ganz eigene Probleme bei der Fernsehwiedergabe hat. Oder vielleicht brauchen wir einfach mehr Zauberer hinter der Kamera?

    Dabei gab es eigentlich einmal recht gute Ansätze, denn schon in den fünfziger Jahren, also den Kindertagen des Fernsehens, hatte der legendäre Punx eine Serie mit insgesamt 46 (!) Sendungen im deutschen Fernsehen, aber das weiß heute kaum noch jemand. Anfang der achtziger Jahre war es dann Marvelli, der es immerhin auf drei Personality-Shows brachte und damit zumindest zeitweise beim breiten Publikum sehr bekannt war. Seine damaligen Shows sollen noch einmal als Kaufvideos auf den Markt gebracht werden, worüber ich eigentlich an dieser Stelle ausführlicher berichten wollte, aber leider lagen sie bis zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Nicht, dass es heute im deutschen Fernsehen keine Zauberei gäbe, aber längere Sendungen oder Specials sind entweder den dritten Programmen vorbehalten (z.B. Wittus Witt und der "Hexer") oder es handelt sich um ausländische Künstler wie Copperfield oder Hans Klock bei den Privaten. Irgendwas scheint hierzulande im Verhältnis Zauberkünstler und Fernsehen nicht zu stimmen. So verglich z.B. die englische Presse die Vorführungen Copperfields sofort mit "ihrem" Paul Daniels, der eben vor allem durch das Fernsehen berühmt wurde und in Frankreich wurde Copperfield im Fernsehen durch einen französischen Zauberkünstler präsentiert. In Deutschland dagegen wurde er sofort als der große Star aus Amerika gepriesen, als wenn es bei uns überhaupt keine eigene Zaubertradition gäbe...

    Apropos Copperfield, dessen Tournee dürfte bei Erscheinen dieses Trottoirs gerade auf Hochtouren laufen, weshalb er beim nächsten Mal natürlich auch hier Beachtung finden wird. Aber daneben gibt es auch viele weitere Veranstaltungen, die wir eben nicht vergessen sollten und von denen ich zumindest noch auf zwei - bedingt durch schnödes Eigeninteresse - hinweisen möchte:

    Noch bis zum 13.1.2002 läuft eine Ausstellung mit dem Titel "Zauberbilder - Bilderzauber" im Mittelrhein-Museum Koblenz, bei der historische Graphik, Zauberplakate sowie zeitgenössische Bearbeitungen der Themen Illusion, Magie und Täuschung aus der Sammlung Dr. Michel zu sehen sind.

    Am 2.12.2001 geht das 3. Koblenzer Zauberfestival über die Bühne der Kulturfabrik. Die Kindervorstellung um 15.00 Uhr wird von Martin Mathias gestaltet und in der Abendgala um 20.00 Uhr werden John Wade, Andino, Marvin, Martin Mathias, Juri Obrezkov und Frank Rossi hoffentlich für ein volles Haus sorgen, denn das Wichtigste an dieser Veranstaltung ist ihr Zweck; der Erlös geht an den Rechtshilfefonds der Beratungsstelle für ausländische Flüchtlinge und das Ganze findet im Rahmen der Interkulturellen Wochen der Stadt Koblenz statt.

    Ganz ohne Eigeninteresse kann ich noch auf die MZvD-Zauberbörse am 5.1.2002 in der Stadthalle Sindelfingen hinweisen. Vor allem das Festival der Illusionen um 20.00 Uhr mit tollen Mitwirkenden wie Simada, Topas oder Andy, the Enterbrainer dürfte einen Besuch wert sein. Die Organisation liegt in den bewährten Händen von Andy Häußler, der auch schon den Drei-Länder-Kongress Anfang dieses Jahres so hervorragend organisierte.

    So, und nun geht es erst einmal zu den Westdeutschen Meisterschaften mit dem Think Theatre, dann zu Anam Cara und wahrscheinlich auch noch zu Copperfield und über all das und die vielen neuen Bücher, die auch noch dieses Jahr erscheinen sollen, werde ich dann beim nächsten Mal berichten.

    Redaktion: Andreas Michel-Andino

    2001-12-15 | Nr. 33 | Weitere Artikel von: Andreas Michel-Andino





    Copyright © 2008 Quibo e.K.
    Alle hier erwähnten Produkt- und Firmennamen sind Marken der jeweiligen Eigentümer. Trottoir-online ist ein Online-Magazin für Kleinkunst - redaktionell aufbereitete Themenbereiche: Variete, Kabarett, Circus, Comedy, Straßentheater mit Agentur-News und Terminen von Festivals, Premieren, Wettbewerben und Ausschreibungen, Workshops und Weiterbildung.