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    Zirkus in Berlin_Nr.34

    Während in den letzten Jahren Großzirkusse – mit Ausnahme von Busch-Roland – auf Grund der Platzprobleme Berlin während der Saison zunehmend meiden, gab es in diesem Jahr eine Vielzahl von Zirkusprogrammen vor und während der Weihnachtstage. Im Schillertheater gastierte der australische Zirkus Oz, der sich als Begründer des „New Circus" versteht und sich durch die Betonung der Individualität der Artisten beispielsweise vom Cirque du Soleil abgrenzt. Das Programm der acht Akrobaten und vier Musiker ist witzig, abwechslungsreich, mit durchaus akrobatischem Können, so bei Keulenjonglerie, Luftakrobatik oder Deckenlauf, aber auch mit Klamauk und derbem Humor, ohne dass dies die Oberhand gewinnt. Die Oz-Artisten spielen mit den Zirkuselementen, verkehren und parodieren sie.

    Fast gleichzeitig die Premiere von „Yin Yang" der holländischen Stardust Production im Zelt auf dem neuen Zentralen Festplatz. Bei den leider schon sich einstellenden Vorbehalten gegen langatmige und letztlich eintönige traditionelle China-Programme gab es hier eine wohltuende Überraschung: keine Bänkchen, Stühle und Vasen, sondern neue Einfälle, gefällige Choreografie und moderne Musik und vor allem akrobatische Spitzenleistungen wie die Schlappseildarbietung von Goa Lei mit Hand- und Kopfstand und im Schulterstand gefahrenen Einrad, der Doppel-4-Mann-Hoch der Frauen-Schleuderbrett-Darbietung oder überraschende Trickkombinationen zwischen Kautschuk und Antipodenarbeit von Yin & Yang, oder die Verbindung zwischen Äquilibristik und Schalen-Balancen in der Darbietung „Pagode". Erwähnenswert auch der technisch perfekte – mit Würfen bis zu sieben Bällen – und hervorragend verkaufende Jongleur Ren Jie, ein insgesamt überaus starkes Programm.

    Die große Zirkusfamilie Spindler war mit zwei Unternehmen vertreten: Fast genau gegenüber von „Yin Yang" stand der Zirkus Berolina von Bernhard Spindler mit seinem Programm „Menschen – Tiere – Attraktionen". Das Unternehmen stützt sich vor allem auf die eigenen Tierdressuren, so einen sehr gut laufenden 16er Zug Friesen und Schimmel,  den Tiger zu Elefant, beide vorgeführt von Patrick Spindler und die 24-köpfige Kamelherde unter Giovanni Spindler, letztere beiden Dressuren sind auch beim 26. Internationalen Zirkusfestival 2002 in Monte Carlo zu sehen. Die fünf Elefanten, drei Inder und zwei Afrikaner u.a. mit Walzen, Hochsitzen und Tragetrick, werden präsentiert von Alois Belli und Katharina Spindler, die sich allerdings unvorteilhaft zwischen den grauen Riesen bewegt.

    Die Akrobatik kommt im wesentlichen von der rumänischen Truppe Dragomir mit Ring-perche und Schleuderbrett, dabei 4-Mann hoch und 5-Mann auf Stange, ergänzt durch Einzeldarbietungen mit Jonglerie, Handstandäquilibristik und Hula-Hoop. Die Ansage von Melanie Köllner ist leider kaum zu verstehen, zumal das Orchester genau da laut und heftig wird, und auf die Schlussabsage von Katharina Spindler sollte aus mehreren Gründen verzichtet werden.

    Einen sehr schönen weihnachtlichen Rahmen bot das Programm des Zirkus Voyage von Diana und Alois Spindler mit dem spürbaren Bemühen, dem Publikum nicht nur ein ansprechendes Programm, sondern auch einen positiven Gesamteindruck zu vermitteln.

    Eine beachtliche Hohe Schule reitet Diana Spindler auf dem Friesenhengst „Sheitan", Alois Spindler präsentiert die Pferde des Unternehmens, einen 4-er Zug Schecken, Doppelfreiheit, Ponys und Dacaposteiger sowie die vier afrikanischen Elefanten.

    Das akrobatische Angebot ist breit gefächert, mit Handstandäquilibristik und Klotzarbeit Enrico Slepitschka, Absolvent der Berliner Schule für Artistik, am Trapez das Duo Balevi aus Bulgarien. Dreimal in der Manege Mike Rosenbach und Partnerin: als Duo Watonga mit exotisch verpackter Jonglerie, als Duo Osman mit Fakirarbeit und mit der Originalarbeit Meridians auf dem Schlappseil. Mit Ringperche kommt das Duo Czupryn und mit Stangenwurf die Truppe Ares, u.a. mit diversen Salti, in die Manege. Aus dem eigenen Unternehmen tritt der Nachwuchs, Nico mit einer Gänsedressur und Madleen am Luftring, auf. Das Direktionsehepaar beschließt das Programm mit seiner Arbeit am Todesrad. Angenehm und gut verständlich die Ansage von Torsten Brandstätter.

    Mit viel Spannung war die Hallenshow „Zirkuswelten 2001" im Velodrom erwartet worden, sollte sie doch an die Tradition von „Menschen – Tiere – Sensationen" anknüpfen. Die Siemoneit-Bauer-Produktion zeichnete für das Programm verantwortlich, Rebecca Siemoneit-Barum für Regie und Ansage. Die Dressuren waren allesamt hervorragend: aus dem Hause Barum die Dromedar- und Pferdeschau, exzellente Laufarbeit und viele Dressurkombinationen sowie das Exotentableau mit Kamelen, Guanakos, Lamas und Zebras und als Dacapo den Nashornbullen „Tsavo". Vom „ostdeutschen" Zirkus Probst Rüdiger Probst mit seiner beeindruckenden Tigerdressur. Hohes Tempo und gewagte Voltigen zeigte die Reitertruppe Serzh Kosaken.

    Akrobatisch sorgte die Yakubov-Truppe aus Kasachstan für folkloristischen Wirbel mit Einzel- und Gruppentricks an Strapaten. An der Rakete das Duo Garcia, u.a. mit dem Aldon-Wirbel, Eva Garcia an Tüchern, die Bauer Sailors an schwankenden Masten und mit viel Tempo die Rollschuhakrobaten The Skating Kids.

    Die Clowns Vladimir & Oleg mit recht bescheidenen Reprisen sowie Royo hatten größte Probleme, die Raumverhältnisse zu überbrücken. Das war wohl ohnehin das größte Problem des Programms: die riesigen Dimensionen der Radsporthalle in den Griff zu bekommen. Da stellte sich schon der Eindruck ein, dass ein im Chapiteau vorzüglich wirkendes Programm in die Halle gestellt und deren Spezifik nur schwer bewältigt wurde. So gingen Regieeinfälle wie die Kombination einer Tanzseildarbietung von Silea mit den im Hintergrund auf Hoch- und Schrägseil arbeitenden Bauers kaum auf, die Tanzeinlage der Mazeppa-Kosaken wirkte verloren, und auch Opening und Finale gaben sich äußerst sparsam.

    Trotz dieser Probleme der ersten Produktion bleibt zu hoffen, dass es auch im Dezember 2002 wieder „Zirkuswelten" geben wird.

    Redaktion: Dietmar Winkler

    2002-03-15 | Nr. 34 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler



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