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    Zwischen Großstadt und Dorf

    Köln Comedy Fest und Morenhovener Kabarett-Tage

    Seitdem es 1991 zum ersten mal stattfand, hat sich das Köln Comedy Festival zusammen mit dem Deutschen Comedy Preis sowohl zu einem Sprungbrett für den Nachwuchs wie auch zu einem Treffen des Who-is-who der Comedy-Szene entwickelt. In diesem Jahr traten in 140 Veranstaltungen immerhin 200 Künstler innerhalb von zwei Wochen auf.

    Ein absolutes Highlight des Festivals war sicherlich der Auftritt von Michael Mittermeier im E-Werk mit seinem Programm »Back to life«. Der Mann aus Bayern, der in den USA Comedy studiert hat, ist in der deutschen Comedy-Szene zur Zeit einsame Spitze. Spontane Zurufe aus dem Publikum integriert Mittermeier souverän in sein Programm. Wie besessen bewegt er sich über die Bühne, gibt den Schreck der Zeugen Jehovas oder beschimpft der Kölner liebstes Bier: »In solche Gläser pissen wir in Bayern beim Arzt.«

    Aus Österreich, einem Land, das Mittermeier nun gar nicht zu schätzen weiß, war Georg Kreisler nach Köln gekommen. Mittlerweile 80 Jahre alt zeigte der Altmeister des zynisch-bissigen Chansons mit Wiener Schmäh den jungen Hüpfern der Comedy- Szene die Grenzen nicht nur des guten Geschmacks auf. »Ungesungene Lieder« hieß der Abend mit seiner Partnerin Barbara Peters und gesungen wurde auch nur nebenbei. Kurt Tucholsky ebenbürtig trug Kreisler bitterböse Texte vor, die meilenweit jenseits jeder politischen Korrektheit lagen – und dabei so viel Wahrheit enthielten.

    Alle Comedy-Korrektheiten blieben im Laufe des Abends »Schräg of 2002« im Kölner Wohnzimmertheater auf der Strecke. Das Orchester der Liebe schmetterte dem Publikum ein skuriles Potpourri aus Schlager, Rock, Pop und Werbesongs entgegen, ohne nur irgendein Klischee oder eine musikalische Peinlichkeit am Bühnenrand liegen zu lassen. Das konnte nur noch Welf Haeger übertreffen. Alles stellte er auf den Kopf, ließ jede Pointe und jeden Witz aus und erzeugte nur durch gymnastische Körperhaltungen ein derartiges Understatement, dass kein Auge trocken blieb. Schräger ging es tatsächlich nicht mehr...

    Bei soviel schrägen Innovationen wirkte die Vergabe des Deutschen Comedy Preises eher altbacken und behäbig. Warum Anke Engelke immer noch mit Preisen überschüttet wird, ist eigentlich schon ein Thema für ein eigenes Comedy-Programm. Ob Axel Stein tatsächlich drei Preise wert ist? So erfrischend ist der »Newcomer 2002« nun auch nicht mehr. Bleibt festzuhalten, dass Mittermeier unbestritten die »beste Live-Comedy« zur Zeit auf die Bühne bringt.

    Bei soviel komödiantischem Wirbel und Trubel in der Großstadt, kann man sich eigentlich nur im November und Dezember auf das beschauliche Swisttal-Morenhoven im Westen Bonns freuen, wo zum 14. Mal die Morenhovener Kabarett-Tage stattfinden. Die Verleihung der »Morenhovener Lupe« findet mittlerweile deutschlandweit Beachtung, und der Preisträgerin 2002 Hilde Kappes kann man tatsächlich nur Beifall spenden. Neben allseits bekannten Künstler wie Erwin Grosche, David Leukert, Buschtrommel oder Heinrich Pachl gibt es auch in diesem Jahr wieder Unbekanntes zu entdecken. Auf dem Dorf geht es eben weniger hektisch, aber im Falle Morenhovens intensiver zu als in Köln, der Weltstadt der kleinen Urinbecher.

    Redaktion: Christoph Pierschke

     

    Info:

    Morenhovener Kabarett-Tage
    Veranstalter Kreativitätsschule Morenhoven e.V.
    Tannenstraße 18
    53913 Swisttal-Morenhoven
    Tel. 02226 / 38 03 oder 02226 / 37 26
     
    2002-12-15 | Nr. 37 | Weitere Artikel von: Christoph Pierschke





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