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    „Sternenzauber“

    … hieß es im Apollo Varieté in Düsseldorf. Sänger und Entertainer Marius Jung soulte und rockte sich zusammen mit seinem Gitarrenvirtuosen Till Kersting durch die 60er-Jahre und arrangierte das Ganze zu einem aberwitzigen Gesamtkunstwerk. Russische Lebensart, Polkatanz und das romantische Spiel zwischen den Geschlechtern kombiniert mit akrobatischen Elementen und einem Quick-Change der besonderen Note verbanden Oksana & Vadim. Die beiden Absolventen der renommierten Artistenschule in Kiew haben sich bereits im Alter von sieben Jahren kennengelernt und faszinieren heute als Paar mit ihrem blitzschnellen Modecocktail. Die Azzario Sisters Katie & Quincy zeigen eine für weibliche Artisten ungewöhnliche Kunst, die Kopf-auf-Kopf-Akrobatik. Ihre mit vielen Schwierigkeitsgraden gespickte „Hochstapelei“ haben sie in der Circusschule Verona entwickelt und weiter perfektioniert.  Dos ToledosTrotz ihrer halsbrecherischen Darbietung verstanden sie es, kokett lächelnd dem Publikum den Kopf zu verdrehen. Innigkeit, Vertrauen und Verlangen verliehen der Darbietung am Vertikaltuch des kanadisch-türkischen Paares Senn & Memet eine packende Dynamik, poetisch als schwebende Leidenschaft zelebriert. Mit klassischem Tanz auf dem Drahtseil bezauberte Nina Cortes, getragen zu feurigen Flamenco-Klängen, das Publikum. Ob Spagat, Radfahren oder Spitzentanz, die aus der berühmten Artistenfamilie Nock stammende Künstlerin bewegte sich hinreißend graziös und flott auf dem nur 16 Millimeter dünnen Draht. Victoria Biliaouer wurde in eine russische Circusdynastie geboren und trainiert bereits seit ihrem 5 Lebensjahr. Ihre kraftbetonte Equilibristik-Darbietung wurde auf einer metallenen Spirale zelebriert, mit deren Form sie scheinbar zu verschmelzen schien. Scheinbar mühelos jonglierte Tuan Le seine Flugobjekte in Form von Filzhüten mit rasanter Geschwindigkeit durch die Luft. Nachdem er mehrere Jahre mit dem vietnamesischen Staatscircus unterwegs war, bereist er seit Mitte der neunziger Jahre die Welt und beeindruckt mit seiner präzisen Technik. Die beiden chinesischen Artisten Wen Xiong & Jiajiao stammen aus der Provinz Tianjin und trainieren seit ihrem sechsten Lebensjahr zusammen. Ihre Pas-de-deux-Darbietung avancierte während der vergangenen Tournee des chinesischen Nationalcircus zum heimlichen Publikumsliebling, die sinnlich-zärtliche und kraftbetonte Verkörperung eines Liebespaares, die jeden Abend neu berührt. Anmutig verbinden sich Akrobatik, Kontorsion und Körperbeherrschung auf höchstem Niveau. Ein außergewöhnlicher Schlusspunkt, der zum Finale mit allen Mitwirkenden einleitete.

    „Filmreif“...e Darbietungen bot das GOP Varieté in Essen. Redegewandt und bezaubernd charmant führte Moderator Mathias Rauch durch das Programm und entführte in die Welt des Films mit sämtlichen Tricks. Benno & Johannes jonglierten mit so raffinierten Tricks, dass es für pure Begeisterung bei den Zuscheuern sorgte (siehe Portrait). Love Story, das sind Alexander Gunko & Tatyana Ukolova, die mit ihrer anspruchsvollen Partnerakrobatik die Symbiose eines Liebespaares wiederspiegelten, und die Höhen und Tiefen des Lebens in eine Geschichte umsetzten. Married Man (Mat Riccardo & Dave Evens) könnte man als eine Art „Dick & Doof“ bezeichnen. Der eine gönnte dem anderen nichts und man musste permanent Angst haben, dass irgendetwas zu Bruch geht. Doch die beiden britischen Sprechjongleure hatten alles unter Kontrolle und beherrschten die Hohe Kunst des Slapsticks, gepaart mit beachtlichen Kunststücken. Als Strong Hold Movement hoben die beiden Artisten Slava Popov & Benjamin Pring die Schwerkraft auf. Erstmalig präsentierten die beiden Artisten, nachdem sie lange beim Cirque du Soleil gearbeitet haben, in einem deutschen Varieté ihre Strapaten-Darbietung, in der akrobatische und Kontorsions-Elemente verschmolzen. Ekatarina Demina verdrehte jedem den Kopf, im wahrsten Sinne des Wortes. Auf zwei unterschiedlichen Ebenen bewies die Artistin, wie geschmeidig biegsam ein menschlicher Körper sein kann, wobei sich mancher fragte, ob sie überhaupt Knochen besitzt. Fette Moves (Florian Ganal, Dominik Cárave, Bernd Hölzer & Hakan Kizil) wirbelten mit ihrer Action-Akrobatik lässig und cool über die Bühne und veranschaulichten eindrucksvoll, was die internationale Breakdance-Szene zu bieten hat. Nach so viel Power ging es dann ins Finale.

    „Zuckerbrot und Peitsche“ bot das Varieté et cetera in Bochum seinen Gästen. Moderatorin Chantal schwang die Peitsche und buk die Plätzchen, den Kuchenteig als roten Teppich ausrollend für die Artisten. Ein rasantes Hula-Hoop-Spiel mit Natalia Bakum eröffnete den Reigen. Comedian Raymond aus den Niederlanden half nicht nur Chantal im Bezug auf den roten Teppich, sondern legte selber balltechnisch Hand an und zeigte im Zeitlupentempo, wie man einen Basketball ins Tor bringt. Kontorsion am Luftring konnte man bei Elena Fiesta bestaunen, die immer wieder neue Figurationen schuf. Der Franzose Francois Borie brachte nicht nur Stimmung, sondern auch ungeheures Tempo auf die Bühne. Er wirbelte seine Keulen derart rasant, dass man sie kaum noch verfolgen konnte, und zeigte jongliertechnische Tricks der Meisterklasse bis zum Wurf mit sieben Keulen. Elena & Ingo boten in ihrer Partnerakrobatik Hebe- und Kontorsionselemente vom Feinsten, geschmeidig und kraftvoll.

    Vielseitige Elemente des Tanzes vollführte Tjan am Vertikalseil mit vielfältigen Hängen, Fallern und Drehungen. Das Rola-Rola Artistik auch hypermodern sein kann, bewies Tino Ferreira, der Ghettobluster und Flachbildschirme aufeinanderstapelte, um auf ihnen gewagte Balanceakte zu zelebrieren. Zum Showende hatte Chantal dann alle Plätzchen fertig gebacken und die Zuschauer konnten in den Genuss ihrer hausfraulichen Künste kommen.

    Lieder von Brecht und Weill, Schönberg und Bierbaum, Lenoir u. v. a. konnte man in der goldenen Zeit der 20er-Jahre in den Varietés hören. Im Schauspielhaus Bochum ist es mittlerweile gute Tradition geworden, dieses wunderbare Liedgut wieder einem breiten Publikum zu Gehör zu bringen. So hieß es denn „Madame singt und Monsieur spielt“. Die zum Bochumer Ensemble gehörende Schauspielerin Imogen Kogge (Gesang) und ihr Pianist am Klavier Dietmar Loeffler entführten das Publikum mit ihrem Liederreigen von der Klassik über das französische Chanson zur Operette bis hin zu melancholischem Liedgut, verbunden mit Texten von Fernado Pessoa, Daniil Charms und Ingeborg Bachmann. Imogen Kogge beeindruckte nicht nur mit ihrer außergewöhnlichen Stimme, sondern auch mit ihrer Interpretation der Lieder – mal operettenhaft verspielt, dann wieder frivol und frech, aber genauso zurückhaltend melancholisch. Eine wunderbare Hommage auch an die jüdischen Komponisten und Texter, die mit der beginnenden NS-Diktatur in Deutschland emigrieren oder ihr Leben in einem der Konzentrationslager lassen mussten.

    Redaktion: Hartmut Höltgen-Calvero

    AdNr:1027  

    2008-12-15 | Nr. 61 | Weitere Artikel von: Hartmut Höltgen-Calvero





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