Das Stuttgarter „Theater der Altstadt“ wagte sich in der Johanniskirche an ein besonderes Stück heran, die Übertragung des Filmes „Wie im Himmel“ auf die Bühne.
Und das gelingt hervorragend. Die Vorgeschichte des Zusammenbruchs von dem berühmten Dirigenten Daniel im Konzertsaal wird erzählt: Als griechischer Chor auf einem kleinen Podium. Sein Weg von der Großstadt in das Dorf seiner Kindheit. Auch der Unfalltod seiner Mutter, als er 12 Jahre alt war.
Das Podium bestand aus einigen kistenförmigen Elementen, die im Laufe des Stückes immer wieder anders verwendet wurden. Daniel mietet die altes Schule, sein Ziel ist es „Zuhören“ zu lernen. Der Pfarrer Sting will ihn kurz nach seinem Einzug zur Begrüßung einladen, Daniel lehnt ab, er möchte ein neues Leben in Ruhe führen.
Die Szenen, die dann kommen, werden immer wieder vom Umbau der Elemente geprägt. Mal handelt es doch um die Proben des Kirchenchores, den Daniel nach längerem Zögern übernimmt. Gearbeitet wird hier mit Elementen der Sprech- und Gesangserziehung, die sich wie ein Band durch das ganze Stück ziehen. Schwerpunkt dazwischen sind Eheprobleme: Von der Pfarrersfrau und von Gabriela, die immer wieder von ihrem Mann aus dem Chor heraus geholt und verprügelt wird.
Da die Frauen als Mitgliederrinnen des Chors im Laufe der Zeit selbstbewusster werden, entfernen sie sich von ihren Männern, von denen sie unterdrückt werden. Daniel spricht im Chor von der Suche nach Balance. Dies bekommt noch mal eine Bedeutung, als Lena ihm beim Radfahren lernen unterstützen muss. Die Proben gehen trotz einiger Unterbrechungen, die Daniel nerven, kontinuierlich voran.
Die Ehekonflikte steigern sich so stark, dass die Frauen ihre Männer verlassen und vom Chor gut unterstützt werden. Daniel und Lena finden zueinander. Regiemäßig so gelöst, dass ihr Gespräch über die Liebe mitten in den Kirchenbänken stattfindet. Bezeichnend für den Gesundheitszustand der Hauptperson Daniel sind seine ständigen Hustenanfälle. Sein Ziel ist es, in der Musik die „Quelle“ zu finden, die in jedem einzelnen Mitglied das Chores vorhanden ist. Am Ende steht ein Chorwettbewerb in Wien, den Daniel zuerst wegen der Konkurrenzsituation ablehnt, sich aber dann vom Chor überzeugen lässt. Kurz bevor der Chor in Wien an der Reihe ist, stirbt Daniel auf der Treppe des Saales. Das Ensemble aus Profis und Laien schafft es, ein packendes Stück auf die Bühne zu stellen:
Ursula Berlinghof, Bernhard Linke, Ralph Hönicke, Frederik Leberle, Paulina Pawlik, Andreas Posthoff, Esrah Ugurlu, Aswintha Vermeulen und viele mehr. Obwohl ich den Film mehrfach gesehen hab, hat mit in dieser Aufführung nichts gefehlt. Natürlich sind die Rollen von Daniel, die des Pfarrer-Ehepaaren, Lena, Gabriela und mehr hervorragend gespielt. Aber die Stärke dieses Stückes gehört dem ganzen Ensemble und der sensiblen Regie. Annalena Maas. Ein guter Start ins neue Jahr für dieses kleine Theater, das auch unter den Kürzungen der Stadt im Rasenmäherprinzip zu leiden hat. Eine Unzahl an Vorhängen, nicht endender Applaus, ein großer Erfolg für dieses außergewöhnliche Stück.
Kontakt: Theater-der-altstadt.de/premieren/
Theater der Altstadt
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Redaktion: Bruno Schollenbruch