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  • Themen-Fokus :: Clown | Mime

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    Clown-Porträt: Le Clown Nouveau

    Interview mit der Clownin und Regisseurin Mimi Duuez / Bataclown / Frankreich

    Mimi Duuez erarbeitete mit dem Clowntheater Rosina & Babo eine komische Version des Märchens „Die Schöne und das Biest“ . Die umjubelte Premiere im Februar 03 zeigte, dass Humor und Spaß in seiner charmanten und poetischen Form, auch die Herzen der Erwachsenen aufschließt.

    Sigi Karnath befragte sie zum heutigen Stand der französischen Clownszene, Patricia Dubois besorgte die Übersetzung.

    Sigi Karnath:  „Mimi, was ist im Augenblick  in der französischen Clownsszene los?“

    Mimi: „Also, es gibt mehr und mehr Clowns, weil es auch immer mehr Clownskurse gibt und seit ungefähr 10 bis 15 Jahren findet eine Erneuerung der Clownsarbeit statt. Es gibt sogar eine Bewegung, die man die Bewegung der neuen Clowns (Le Clown Nouveau ) nennt.“

    Sigi: „Du bist selber in einer größeren Clownskompanie?“

    Mimi: „Ja, ich bin bei Bataclown, das ist eine Kompanie, gleichzeitig aber auch eine Clownsschule. Wir sind in Südfrankreich, in der Nähe von Toulouse Bataclown wurde 1981 gegründet und ich bin dem Bataclown zum erstenmal 1988 begegnet.“

    Sigi: „Was macht das Bataclown?“

    Mimi: „Also, das Grundprinzip der Clownsarbeit von Bataclown Workshops ist: seinen eigenen Clown zu finden. Wir gehen von dem Prinzip aus, dass jeder einen eigenen Clown hat, und es ist die Sache eines jeden einzelnen ihn zu entwickeln. Wir arbeiten überhaupt nicht in Richtung Zirkus, sondern hauptsächlich an den „ Augusten“, an der Improvisationsarbeit und zu einem großen Teil an den Gefühlen.“

    Sigi: „Und ihr habt ein System oder ein Konzept entwickelt, dass ihr Clownsanalyse nennt, kannst du dazu was sagen?“

    Mimi: „Das Grundprinzip der Clownsanalyse ist, an Kongressen oder Kolloquien oder Unternehmensversammlungen eingeladen zu werden. Oft arbeiten wir mit zwei Clowns. Wir setzen uns ins „in Zivil“ ins Publikum, vorher haben wir eine Garderobe vorbereitet und dann hören wir für ca. 2 Stunden zu, machen ein paar Notizen und danach improvisieren wir spontan zu den Themen, die vorher vorgetragen wurden. Auf diese Art und Weise intervenieren wir als Clowns mehrmals im Verlaufe des Tages.“

    Sigi: „Soweit ich das verstanden habe geht es darum, das mit den Augen eines  Clowns zu tun, ist das Richtig?“

    Mimi: „Ja, es ist wirklich der Blick des Clowns auf eine Welt, die nicht seine eigene ist. Und wie die naive Sichtweise des Clowns sich mit der sehr ernsten Sichtweise der Konferenzen verheddert.“

    Sigi: „Wie definierst du den Blick des Clowns?“

    Mimi: „Der Clown ist jemand sehr gefühlsbetontes, der die Sachen wörtlich nimmt und wenn er Sachen sieht oder hört, gibt er keine Ruhe, bis er diese selbst ausprobiert und die Situationen getestet hat, die in den Konferenzen oder Gesprächsrunden beschrieben werden und er findet spielerische Umsetzungen.

    Der Clown ist in dieser Situation so etwas wie der Hofnarr. Er ist nicht da, um Lektionen zu erteilen, die Leute oder  die Situation zu beurteilen. Er sieht und  hört Dinge und versucht diese zu erfahren. Das hat zur Folge, dass es wie ein verformender Spiegel für das Publikum wirkt, in dem sie sich wiedererkennen. Es ist dabei sehr wichtig, dass der Clown über sich selber lacht, er ist nicht dazu da, um sich über die Leute lustig zu machen.“

    Sigi: „Würdest du sagen, dass das der Unterschied ist zwischen Clowns und Comedy?“

    Mimi: „Das ist wirklich ein großer Unterschied. In der Comedy, z.B. in einer Onemanshow, spielen die Akteure oft  jemanden anderen, z.B. einen Friseur oder den Chef eines Unternehmens und sie machen sich dann über diesen Beruf, über diese Person lustig. Der Clown aber würde versuchen, sich in die Rolle des Friseurs zu versetzen. Man hat dann immer noch die Sichtweise des Clowns und wie er das gefühlsmäßig erlebt.“

    Sigi: „In  diesem System, oder  diesem Schema hast du ja jetzt auch ein Stück gemacht mit den Clowns Rosina und Babo, kannst du uns dazu etwas sagen?“

    Mimi: „Ja, das ist eine etwas andere Arbeit als die Clownsanalyse, aber es ist eine Arbeit zum Thema Clown und Theater. Der große Unterschied zu einer Theaterszene in der man zum Beispiel „Die Schöne und das Biest“ interpretiert ist: man sieht bei den Clowns, wie sie das erleben, was sie spielen. Sie können die Rollen tauschen, wann sie wollen, sie können mit dem Publikum spielen. Das ist sehr interessant für sie, weil es ihnen enorm viel Freiheit für das  Spiel gibt. Und an dieser Stelle beginnt das Spiel im Spiel.“

    Sigi: „Ja gut, zurück nach Frankreich, wie siehst du im Augenblick die Aufgabe der Clowns? In Deutschland haben die Clowns inzwischen mehr Aufgaben übernommen als nur Stücke und Shows zu machen. Es gibt Klinikclowns, Clowns fangen an sich in die Pädagogik einzumischen, mit dem Management zu arbeiten und so weiter.“

    Mimi: „Das ist in Frankreich genau so. Es gibt Clowns im Krankenhaus, dann das was wir die Clowns- Sozialarbeiter nennen, Clowns, die in den Schulen arbeiten gehen, aber nicht nur um Vorführungen zu machen. Und in einigen Unternehmen besteht die Nachfrage nach Clownsworkshops für die Angestellten  und einige nutzen sie auch für die Therapie.“

    Sigi: „Ja also da gibt es eine gleiche Entwicklung?“

    Mimi: „Ich denke, dass sich sogar auf europäischem Niveau  so etwas entwickelt, ich kenne  ein Paar Clowns in Deutschland, in Spanien passiert ähnliches, in Italien auch, in der Schweiz auch. In den  anderen Ländern weiß ich es nicht – in England auch.“

    Sigi: „ Ist das die Richtung die du vorher genannt hast Le Clown Nouveau ?“

    Mimi: „Das ist auch ein Teil davon, aber eigentlich ist der neue Clown einfach ein Clown, der daran interessiert ist, was jetzt in der Gesellschaft passiert. Was auch neu ist, dass sie nicht unbedingt im Zirkus sind. Sie können auch im Theater oder im Schwimmbad (lacht) oder wo sie wollen, sein, ihren Platz finden. Aber ich denke trotzdem, dass ihr Platz, auf der Bühne, als Aufführung etwas sehr Wichtiges ist.“

    Sigi: „Gibt es da im Augenblick bei den Bühnen Produktionen etwas, dass du besonders  erwähnenswert findest oder vielleicht etwas neues, in Frankreich?“

    Mimi: „Ja vielleicht genau diese emotionale Seite, die für mich sehr, sehr wichtig ist. Weil oft, wenn man Clown sagt, denken die Leute ans Lachen und es ist klar, dass die Clowns zum Lachen bringen (lacht), aber es gibt noch eine ganz andere Dimension, die poetische Dimension und die menschliche, die einen wichtigen Teil einnehmen. Als Clown kann man alle Themen angehen. Oft sage ich meinen Schülern: je schwerer das Thema, desto mehr Leichtigkeit muss man mitbringen und je leichter das Thema, desto mehr Schwere muss man hineinbringen. In Frankreich gibt es Leute die Theater Forum machen, wie die Fortsetzung des Theaters der Unterdrückten von Augusto Boal.“

    Sigi: „Wie setzen sie es um, in der Clownsvariante?“

    Mimi: „Also, sie haben Handlungsabläufe für die Clowns. Sie haben einen Animateur, der das Spiel unterbricht, wie im Theater Forum. Das Publikum kann an diesem Zeitpunkt intervenieren, um den Handlungsablauf zu ändern. In Frankreich haben sie viele Handlungsabläufe über AIDS, die Verhütung, den Krieg entwickelt.“

    Sigi: „Also auch da hat der Clown die klassische Vermittler- oder Transformationsrolle, oder wie würdest du das nennen?“

    Mimi: „ Also, ich würde ihn eher den Entdramatisator nennen, weil er Distanz schafft  zu Dingen, die dramatisch sind. Ich denke für mich ist der Clown wirklich jemand, der über die Kulturform hinausgeht.“

    Sigi: „ Gibt es etwas, was der Clown nicht machen darf?“

    Mimi: „ Ja: sich wehtun, seinen Partnern weh tun, dem Publikum weh tun und eine zu realistische  Sprache haben, ein Richter oder ein Belehrer  sein. Für mich sind das sehr wichtige Regeln. Er hat eine große, große Freiheit, aber in einem begrenzten Rahmen. Er verformt die Dinge, er hat eine verstärkende Seite. Er ist fähig mit allen menschlichen Gefühlen zu spielen. Und für mich ist seine Funktion, die Funktion eines Spiegels, aber die eines verformenden Spiegels.“

    Sigi: „Vielen Dank für das Gespräch.“

     

    Termine:

    -    Deutsch – französischer Clownworkshop für fortgeschrittene Clowns mit Bataclown in Rauenthal bei Wiesbaden, 14.9. – 21.9.03 Infos: www.clownpaedagogik.de oder www.clownanalystes.com

    -    internationale Clown Master Class mit Jango Edwards und anderen in Cannes / Frankreich 31.5. – 7.6.03  Infos: ejango@hotmail.com oder peter.ercolano@libero.it

    -    Clownfestival Comicodeon Kapfenberg / Österreich 28. – 30.8. Elliot, Leo Bassi u.a. Workshops 26. 8. – 30.8.03 Infos: www.comicodeon.at

     

     

    2003-06-15 | Nr. 39 |





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