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    Ein echter Brüller!

    Konnten wir es alle bereits in den letzten Jahren spüren, sehen und erleben, daß an der Kultur im allgemeinen und  speziell an der Kultur für alle, in Zeiten knapper öffentlicher Kassen gespart wurde, und in Folge dessen, zahlreiche Festivals nunmehr im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden, so werden wir in diesem Jahr zusätzlich erleben, daß aufgrund des anstehenden Jahrhundertwechsels am Jahresende, die kommenden Sommerfestivals entsprechend bescheidener Etats konzipiert sein werden.

    Dennoch bleibt zu hoffen, daß Künstler/innen der kleineren Produktionen in der Qualität von z.B. Theatre Bedlam Oz (Australien), Ulik (Deutschland) und Geometrie Variable (Frankreich) zu sehen sein werden.

    Die australischen Schauspieler/innen vom Theatre Bedlam Oz verleihen dem Material, mit dem sie spielen, nämlich bis zu sechs Meter langen Schlauchröhren, Leben.

    Das Spiel von Bedlam Oz wechselt in der Darstellung von genußvoller Kunst-Performance hin zum Straßentheater.

    Die Annäherung der Elemente und das Entstehen von Bildern stehen im ständigen Wechsel zueinander. Mensch und Material verschmelzen zum „Kunststandbild“.

    In ihrem Stück „Slinkie Love“ transportieren sie in hervorragender Weise die Gänze der Dramaturgie einer Liebesgeschichte, in dem sich die Röhren dehnen, umschlingen, um sich dann wiederum jeweils einzeln zu einem Ball zu formen.

    Ulik, im richtigen Leben Ulrich Kahlert, nennt sich selbst einen akrobatischen Stunt-Clown, erfinderischen Techniktüftler und musikalischen Draufgänger.

    Und er schafft es in seinen Darbietungen tatsächlich, diese drei Männer in jeweils einer Person zu verkörpern, indem er sich, als Erfinder des Unbrauchbaren oder Ingenieur des Nutzlosen, die Maschinen zum komischen Partner anbei stellt.

    So ist seine Partnerin in „Der Trommelgott“ eine riesige aus einem Rhönrad gebaute Trommel, mit Hilfe derer er die Trommelfelle traktiert.

    Im „Der Überflieger“ braust Ulik, in einem Anflug von Größenwahn, durch einem echten Propellermotor angetrieben, mit wild entschlossenem Gesicht, über die Köpfe seiner Zuschauer/innen.

    Als durchgeknallter Tubist ist er im „Tubamobil“ dem Motorisierungswahn erlegen und startet den Versuch, eine Autobahnkarte auf der Tuba zu spielen, wobei ihm sein Versuch hierbei zusätzlich durch verschiedene Explosionen, eine gebrochene Gabel und hysterische Zuschauer/innen erschwert wird.

    Dieser auf der Bühne bereits charmante Clown zeichnet sich auch im echten Leben als ein liebenswerter Mensch aus, indem er seine Probebühne im Elsaß, mit einer unschätzbar genialen Werkstatt,  als auch seine technischen Talente den Kolleg/innen zur Verfügung stellt – auf Mietbasis, versteht sich.

    Frank Baruk von Geometrie Variable, schlüpft in „Berce mon Coeur en Rock Majeur“, gekleidet in hautengem schwarzen Leder, das Haar ölgetränkt frisiert, die rote Rose zwischen den gebleckten Zähnen, in die Rolle des Latin Lovers.

    Die Füße, dieses Bildes von einem Mann, stecken in Rollschuhen und die ledergehandschuhten Hände umgreifen die Griffe einer kompletten Vordergabel, mitsamt eines Rades und Hilfsmotor.

    Er spielt mit dem Gashebel in seiner rechten Hand und läßt den Mofamotor aufheulen. Ein echter Brüller!

    Gezogen von seinen „Pferdestärken“ vollführt  Geometrie Variable eine komische und außergewöhnliche Performance auf der Straße.

    Stattfinden werden in diesem Sommer dennoch viele der bekannten Festivals, aber auch solche die bisher überregional weniger bekannt sein dürften, wie der Görlitzer Kultursommer mit seinem Straßentheaterfestival vom 01.06. – 03.06.99, La Strada in Bremen vom 13.08. – 15.08.99, Fleet-Insel-Festival in Hamburg vom 16.06. – 25.06.99, Das kleine Fest im großen Park in Hannover vom 01.06. – 11.07.99 sowie die Gassensensation in Heppenheim vom 07.07. – 11.07.99.

    Zwei neue, große und durchaus interessante Straßentheaterproduktionen, die man sich in diesem Sommer anschauen sollte, werden von dem 1982 gegründeten italienischen Theater Atmo und dem noch recht jungen deutschen Theater Helmnot  präsentiert.

    Bereits in den  letzten Jahren begeisterten die italienischen Schauspieler/innen des Theaters Atmo, in phantastischen Kostümen mit ihren Feuerspielen sowie pyrotechnischen Überraschungseffekten, das Publikum.

    Bekannt sind sie dafür, die Zuschauer/innen in suggestive Stimmungen zu versetzen, so ist das neue Stück im Sommer  „Ritmo di un Sogno“ in der BRD zusehen, daß der Sehnsucht des Menschen nach der perfekten Gesellschaft ohne Unterdrückungsmechanismen und Machtgefälle Ausdruck verleihen will.

    Das Hineintauchen in einen visuellen Traum der gemeinsamen Utopie, die phantastische Reise durch verschiedene Kontinente und Kulturen, löst in der Begegnung ein Wechselbad der Gefühle aus.

    Atmo tritt auch im „Rhythmus eines Traumes“ in gewohnter Weise mit einem hohen Anspruch an Ästhetik, umgesetzt durch wunderbare Kostüme, professionelles Stelzentheater, pyrotechnische Effekte sowie abgestimmte musikalische Untermalung vor sein Publikum auf der Straße.

    In der BRD ist das Theater Atmo an folgenden Terminen in diesem Sommer zu sehen: 10.06.99 bei den Kulturtagen in Garbsen; 11.06.99 beim Festival Welttheater der Straße in Schwerte; 27.07.99 in Dülmen; 28.07.99 in Oldenburg; 13.08.99 in Iserlohn; 14.08.99 in Hanau.

    Das sich erst Anfang der 90iger Jahre gegründete Helmnot Theater machte zuletzt mit seinem Sommernachtsspektakel „Kasch-Ka-Kokon“ auf sich aufmerksam.

    Gleich einem Fluß aus Traumbildern und realen Phantasien, wird, in reizvollem Gegensatz von Stahl und Seide, ein futuristisches und dennoch farbenfrohes, mystisches  Märchen erzählt.

    Geheimnisvolle Figuren und skurrile Objekte beherrschen das Feld zwischen zwei Bühnen und das Publikum steht im Zentrum des phantastischen Geschehens. Auf der einen Seite die Maschine, bestehend aus mehreren Stahltürmen und auf der anderen Seite ein feuerroter Kokon, ein blütenkelchähnliches, haushohes Gebilde, welches sich im Verlauf der Dramaturgie öffnet, um sein Innenleben preis zu geben. Der Zuschauer/innenraum selbst, wird ebenfalls im Spannungsgeflecht des Treibens zur Bühne.

    Die Inszenierung lebt von ihrer Bildersprache, in der die phantastischen Figuren und Objekte durch eine Mischung aus Ausdruckstanz, Schauspiel, Aktion, Akrobatik, Musik, Licht, Feuer und Poesie inmitten einer komplexen, hochtechnisierten Bühnenlandschaft zum Leben erwachen.

    Nachdem das Helmnot Theater bereits 1996 bei der ersten Landesgartenschau in Sachsen mit einem hierfür speziellen entwickelten Konzept knapp 1.300 Darsteller/innen in Szene setzte, darf man nun auf die Eröffnungs- und Abschlußveranstaltung der Zweiten Sächischen Landesgartenschau in diesem Jahr gespannt sein, die wiederum vom Helmnot Theater gestaltet werden. Die Eröffnungsschau wird am 07.05.1999 Zittau / Sachsen sein.

     

    Redaktion: Stephan Wittekind

     

    1999-06-15 | Nr. 23 | Weitere Artikel von: Stephan Wittekind





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