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    Generationswechsel

    Die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der academixer (angekündigt in Trottoir 52/2006) haben es deutlich werden lassen: In den angestammten Kabaretts der nicht mehr ganz neuen Bundesländer läuft ein Generationswechsel an. Aus der alten Stammbesetzung der academixer zum Beispiel stehen lediglich Katrin Hart und Christian Becher zuweilen noch auf der Bühne. Becher hat aber die künstlerische Leitung des Ensembles nun abgegeben. Längst gehören Gunter Böhnke und Bernd-Lutz Lange nicht mehr dazu. Es rückt eine Generation nach. Das kann man auch bei der Leipziger Pfeffermühle beobachten oder bei der Distel in Berlin, wo Peter Ensikat, wie bekannt ist, die künstlerische Leitung abgab und in Frank Lüdecke einen hochkarätigen Nachfolger bekommen hat. Nur Wolfgang Schaller hält bei der Herkuleskeule in Dresden noch die Stellung. Was wird nun anders? Die Programme der Jungen und der Alten haben eines gemeinsam: Sie sind unpolitischer geworden. Die Kabarettisten sagen, das läge an den Autoren und die sagen, es läge am Publikum und an der Zeit. Die Regisseure setzen auf Unterhaltung im Fernseh-Format und die Kabarettisten stehen ratlos vor dem Material oder sie finden das, was sie spielen, grundsätzlich gut. Warten wir also ab.

    Vorerst zeigen sich aber auch noch die gestandenen Herren auf der Bühne. Gunter Böhnke hat sich einen neuen Bühnen-Partner gesucht, den Schauspieler Frank Sieckel. Beide kommen „Immer aufs Böse“ zu sprechen. So lautet jedenfalls der Titel. Der eine groß und schlank, der andere klein und weniger schlank, bilden sie ein gutes Bühnenduo. Im Mittelpunkt stehen absurde Situationen. Zum Beispiel gehen beide zunächst respektvoll und bescheiden miteinander um, doch die sanfte Tour kippt dann in Hass und Aggression um. Schade ist, dass die sorgsam ausgetüftelten Situationen oft zu früh zu durchschauen sind. Das beeinträchtigt den Spaß.

    „Happy D“ heißt das neue Programm der Leipziger Pfeffermühle. Da hat sich Kabarettchef Dieter Richter einen Wunsch erfüllt, nämlich mit seinem alten Kollegen Hans-Jürgen Silbermann noch einmal zusammenzuspielen. Um den Altersdurchschnitt entscheidend zu senken, haben sie die junge Schauspielerin Sharon Brauner ins Boot geholt. Die bekannte Erwartungshaltung, dass zwei alte Herren in Gegenwart einer jungen Dame fast zwangsläufig über sich hinauswachsen, wird jedoch nicht bedient. Damit hätte man einen dramaturgischen Faden gehabt. Wieder einmal richtig politisch wollten sie sein. Doch das ist nur in Grenzen gelungen. Überschriften und Allgemeinplätze werden in den Texten zu häufig bemüht und sie boten zudem wenig Spielanlässe. Überraschungen gab es kaum. Da konnten sich die Mimen mühen, wie sie wollten.

    ‚100 jiddische Witze und die Wiederentdeckung Georg Kreislers‘, so könnte man das Programm „Massel und Schlamassel“ der jungen Fernsehmoderatorin Griseldis Wenner und des reifen Küf Kaufmanns überschreiben. Anfang November hatte es in der Leipziger Pfeffermühle Premiere. Charmant sind sie beide, und es gibt auch kein Aber, denn der Abend will nicht mehr und nicht weniger erreichen als jiddisches Flair mit Witzen und Musik zu schaffen. Das gelingt. Man erfährt auf heitere Art Weisheit und Lebenskunst. Und das Publikum schien die Lieder vom Altmeister Kreisler neu zu entdecken.

    Die Magdeburger Zwickmühle, also Hans-Günther Pölitz und Marion Bach, stellte im September ihr neues Programm „Keiner liebt dich – wieso ich“ vor. Wenn zwei auf der Bühne stehen, muss es Streit geben oder man kommt als Überzeugungstäter in Verruf. Das Streiten findet einfach kein Ende. Das Programm hat Tempo und Wut. Die beiden Kabarettisten spielen ein Ehepaar, das in die Jahre gekommen ist. Die Rollen sind verteilt und der Streit führt von der Küche geradewegs in die Weltpolitik. Das ist gut. Weniger gut ist, dass in den Auseinandersetzungen vor allem Marion Bach den Kürzeren zieht. Das nimmt etwas die Spannung.

    Lothar Bölck hat im September sein Zweites vorgestellt, „Kopfwäsche“ heißt es. Da nutzt der Kabarettist wieder einmal seine Lieblingsperspektive auf den politischen Alltag, ein Hinterbänkler erzählt. Mit Tempo, Wut und Bölcks geliebten Kalauern. Hemmungslos unterschreitet er die Gürtellinie und reicht politisch dem Publikum das, was es hören will. Die Heiterkeit ist groß. Die Auseinandersetzung kommt dabei aber zu kurz.

    Die Kiebitzensteiner in Halle haben sich wieder einmal neu gegründet. Hinter dem Label verbergen sich unter anderen Alt-Kiebitzensteiner Gerd Meltzer, der Kabarettist Micha Kost und der Schauspieler Michael Jussen. Jeder steuert seine Spielart bei und somit geht es auf der Bühne des Theaterhauses im Malzgarten mal komödiantisch, mal derb volkstümlich und mal literarisch zu. Das Gesamtbild muss sich also noch fügen.

    Letzte Nachricht: Die Lachmesse hat einen neuen Preisträger. Den Leipziger Löwenzahn bekommt Klaus Eckel aus Wien. Der Mann, der in seinen Liedern all jene zu Wort kommen lässt, die keine Stimme haben. Eine Schraube zum Beispiel, ein Kondom oder einen Zwieback.

    Redaktion: Harald Pfeifer

     

     

    Termine

    28.02. Geraer Fettnäppchen: (Frauentagsprogramm)

    08.03. Chemnitzer Kabarett: Männer und andere Irrtümer

    25.03. academixer: Degeneration


    2006-12-15 | Nr. 53 | Weitere Artikel von: Harald Pfeifer





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