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    Generationswechsel

     

    Im Osten der Republik vollzieht sich zurzeit ein Generationswechsel: Die Stars der niedergehenden DDR haben das Rentenalter erreicht, die jungen Spunde von einst müssen, wollen, sollen die Geschäfte übernehmen, und zu guter Letzt hat sich längst eine Generation gemeldet, für die die DDR nicht mehr als Kindheitserinnerung ist.

    Ins Rentenalter gekommen ist der dienstälteste academixer Christian Becher am 1. Juli. Und in der Tat will er sich zurückziehen. Einerseits aus gesundheitlichen Gründen, und andererseits kann er seine Haltung und sein Kabarettverständnis in den aktuellen Programmen der academixer kaum noch erkennen. Er wird an laufenden Produktionen weiter teilnehmen, an neuen will er sich nicht mehr beteiligen. Damit hat er 45 Jahre Kabarett gespielt.

    25 Jahre jünger ist Meigl Hoffmann, der Maulheld mit Spieltrieb aus Leipzig. Er ist unermüdlich, und mit Otto Reutter hat er sein Thema gefunden. Der zweite Reutter-Abend im Frühjahr hat ihm viel Lob eingebracht. Aber er ist auch ein leidenschaftlicher Figurenspieler. In seinem ersten Solo spielte er einen Feuerwehrmann vom Dorf, im neuen Programm „Sachsentaxi“ spielt das Leipziger Original einen Taxifahrer, bei dem ein Geldkoffer liegen bleibt. Die Summe ist erheblich, doch er traut sich nicht. So richtig geht auch die Geschichte nicht weiter, doch Meigl Hoffmann kann meisterhaft vom Thema abkommen und dazu das Publikum raffiniert bei der Stange halten. Schließlich geht es um Gott und die Welt, die Bosheit der Menschheit und eben um jene verpatzte Gelegenheit, zu Geld zu kommen.

    Vom gerade 40-Jährigen zum Mittfünfziger und Alterspräsidenten der Losen Skliffle-Gemeinschaft Leipzig Mitte, Hansa Molle. Er hat sein erstes Solo vorgestellt, einen Liederabend namens „Wellenbrecher“. Freilich ist die Dominanz der christlichen Seefahrt an diesem Abend nicht zu übersehen. Genau betrachtet ist es aber eine Sammlung all jener Lieder, die in seinem Leben eine besondere Bedeutung hatten. Und damit bekommt das Solo einen fast autobiografischen Charakter; und für die, die den Sänger und Mittfünfziger nicht kennen, wird jene Generation beschrieben, die im Osten gelebt hat und für die manche Lieder so etwas wie Republikflucht bedeuteten. Molle singt Brecht, Hans Albers, André Heller, Udo Lindeberg, Rio Reiser … und mit jedem Lied wird das Lebensgefühl von Hansa Molle begreifbarer. Begleitet wird er von der bezaubernd Akkordeon spielenden Heidi Steger. Sie ist voller musikalischer Überraschungen, die sie dem Publikum jedoch als Nebensächlichkeiten präsentiert. Man ist immer wieder verblüfft und fasziniert.

    Neues gibt es von der Magdeburger Zwickmühle zu vermelden. Seit Jahren hatte Hans-Günther Pölitz für sein Kabarett einen dritten Mitspieler gesucht. Der ist gefunden, neben Marion Bach und Pölitz steht nun Klaus Schäfer auf der Bühne. Ein vielversprechendes gemeinsames Programm gibt es auch schon, und es heißt überraschenderweise „Dumm gelaufen.“

    Tabea & Tobias Wollner, die Cabinet-Preisträger 2002, haben einen Abend mit Liedern ausschließlich Magdeburger Komponisten zusammengestellt. Das Programm „In dieser Stadt kenn ich mich aus“ wurde zu einer großen Überraschung, weil da Liedkultur aus vier Jahrhunderten zusammengekommen ist. Und das unterstreicht die kulturelle Seite der Stadt – von Telemann über Willy Rosen oder die DDR-Rockband Reform bis zur Martin-Rühmann-Band. Die klassisch ausgebildeten Musiker haben die Lieder, wie von ihnen gewohnt, für Klavier und Gesang eingerichtet. Damit bekommt der Abend den Wollner-Stil, der vor allem vom tiefen Alt Tabea Wollners geprägt ist. Das ist Kleinkunst, also Unterhaltung der besten Art.

    Der Cabinet-Preis heißt nunmehr Nachwuchspreis, weil Reemtsma sein Sponsoring eingestellt hat. Die organisierende Agentur Scholz & Friends hat wegen des guten Renommees dieses Preises eine Übergangslösung geschaffen. Mit neuen Sponsoren ist die Agentur im Gespräch. Auch die Preisträger 2008 sind bereits bekannt: In der Sparte Kabarett Erik Lehmann aus Zwickau, in der für Comedy die Berlinerin Jundula Deubel und in der Sparte Musik das GlasBlasSing-Quintett, ebenfalls aus Berlin.

    Auf die Lachmesse muss noch hingewiesen werden. Numerisch gesehen ist das die 18. Ausgabe, die Messe läuft vom 9. bis zum 19. Oktober, und bei den rund 100 Veranstaltungen sind 160 Künstler aus sieben Ländern zu erleben. Den Lachmessepreis, den Leipziger Löwenzahn, wird am 9. Oktober Matthias Deutschmann überreicht bekommen. Danach geben sich wieder Stars und Sternchen aus allen Himmelsrichtungen die Klinke in die Hand. Dazu gehören Arnulf Rating, Tom Pauls, Horst Schroth, Bernd Lafrenz oder Nagelritz … Auffällig gut ist die Generation zwischen 30 und 40 beim Festival vertreten. Alle sind sie da, von Sebastian Krämer, Marko Tschirpke über Marc-Uwe Kling oder Hennes Bender bis zu AnnamateurZärtlichkeiten mit Freunden und . Wer sich also über den Zustand der Szene informieren will, kann dies in Leipzig im Oktober tun.

    Redaktion: Harald Pfeifer 



    Termine:

    25.09.  Chemnitzer Kabarett – zu geil für diese Welt

    05. 10: Leipziger Pfeffermühle – Kassa blanka

    29.10: Herkuleskeule – Ein Kessel Schwarzes

    02. 11: academixer - Ja, ich will

    21.11.: Breschke und Schuch – Strietzelmarkwirtschaft 2008

     

    AdNr:1085 

     

    2008-09-15 | Nr. 60 | Weitere Artikel von: Harald Pfeifer





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