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    Gestrichen und gegründet

    Es gibt immer solche und solche Meldungen. Beginnen wir heute mit dieser: 1977 faßte das damalige SED-Politbüro den Beschluß, daß in jeder Bezirksstadt der DDR “satirische Berufskabaretts” zu gründen sind. Nun gut, in einigen Städten gab es schon traditionsreiche Ensembles, aber Magdeburg gehörte zu jenen Orten, denen der damalige Beschluß die Gründung der “Kugelblitze” bescherte. Nach 26 Jahren soll nun diese Bühne zum 1. Juli schließen - so wollen es die Stadtoberen. Schon einmal wurde an den “Kugelblitzen” gespart - 1996 als das Ensemble aus verschiedenen Gründen dem städtischen Theater angegliedert wurde. Diesmal sollen die zum Überleben notwendigen knapp 294.000 Euro Zuschuß gestrichen werden. Das Ensemble hatte seine Blütezeit vor allem unter der Leitung von Hans-Günther Pölitz, der heute mit der “Zwickmühle” sein eigenes Haus außerordentlich erfolgreich in Magdeburg betreibt.

    Ganz gegenteiliges passiert im Augenblick in Frankfurt/Oder. Die “Oderhähne”, nahezu genauso lange im Geschäft, ziehen in der letzten Mai-Woche aus ihrem alten Domizil in einen neuen Kabarettkeller. Zwar werden auch hier nur 95 Plätze sicherlich immer reichlich Publikum finden, aber im Foyer- und Nebenbereich wird wesentlich mehr Platz für Gäste und Künstler sein. Das Besondere dieser Bühne verändert sich dabei nicht. Die Spielfläche befindet sich in der Mitte des Kellergewölbes, die Zuschauer sitzen links und rechts. Das erfordert einiges an Geschick bei den Inszenierungen, schließlich gilt es, die Zuschauer beiderseits gleichzeitig zu erreichen. Am letzten Mai-Wochenende lädt das Kabarett zu einem “Tag der offenen Tür” und am 3. Juni zur ersten Premiere in den neuen Keller ein. Dann heißt es “Leben wir Gott in Frankfurt”.

    In gut einem halben Jahr startet das 13. bundesweite Kabarettfestival der Bundesvereinigung Kabarett e.V. an traditionsreichem Ort in Bernburg. Vom 31. Oktober bis 2. November 2003 geben sich hier nicht nur bekannte Größen die Klinke in die Hand, auch die, die sich im Genre Kabarett erst einmal ausprobieren wollen, finden hier wieder Anregungen. Was erwartet den Besucher bei dieser Mischung aus Festivalprogramm, Werkstatt und geselliger Unterhaltung ?

    Zur Eröffnung ist Reiner Kröhnert mit seinem Programm “Sieben gegen Schröder” zu erleben. Das weitere Festivalprogramm bestreiten “Die Herkuleskeule” aus Dresden, die “Kiebitzensteiner” aus Halle, Georg Schramm, Jürgen K. Timm (Timmi) und zum Abschluß die a-cappella Show “6-Zylinder”. Für die Werkstattprogramme liegt eine riesige Anzahl von Anfragen vor. Insgesamt angemeldet haben sich schon über 100 Gruppen und Solisten. Wer noch dabei sein will, kann sich bis zum 31. Juli 2003 bei der Bundesvereinigung Kabarett e.V., Postfach 1630, 06396 Bernburg, Telefon: 03471/621768, e-mail: kab.archivbb@t-online.de anmelden.

    Ein bissiges und pointiertes neues Programm brachte vor kurzem “Die Herkuleskeule” aus Dresden heraus. In “Robinsöhne”, so der Titel, treffen sich drei Leute auf einer einsamen Insel: Samstag (ein schiffbrüchige Versicherungsvertreter), Sonntag (ein Manager) und Freitag (eine sich nach der Welt der bunten Bilder sehnende Inselgöre).

    Die schon mehrfach gemeinsam erfolgreichen Autoren, Wolfgang Schaller und Peter Ensikat, anmieren die Darsteller mit ihren doppelsinnig-dialektischen Texten zu einem außerordentlich gelungenen Spiel im Streit um Mein und Dein, aber auch in der Einigkeit  gegen Bedrohungen von außen. Das besondere dieses Stückes liegt wohl auch darin, daß es zwei Fassungen davon gibt, denn auch in der Berliner “Distel” ist dieses Programm zu sehen.

    Apropos Berlin. Wer mit der S-Bahn am Alexanderplatz vorbeifährt entdeckt vom Zug aus im Obergeschoß des “Berlin-Carré” (ehemals die Markthalle) die Aufschrift: Kabarett “Sündikat”. Hier hat sich eines der emsigsten professionellen Reisekabaretts (über 1200 Gastspiele in 250 Städten Deutschlands) im Jahr 2000 seine eigene Spielstätte geschaffen. Das Theater hat 199 Plätze, wobei ungefähr 100 Gäste an Tischen Platz nehmen können.

    Riesige Fensterflächen bieten einen imposanten Ausblick auf die Hauptstadt, vor allem, wenn sich nachts nach der Vorstellung die Fenstervorhänge wieder öffnen.

    Dieses Ambiente bietet dann auch einen idealen Rahmen für die hochpolitischen Programme des Kabaretts, die monatlichen Gesprächsrunden mit Showgrößen, die regelmäßigen Gastspiele von Gisela Oechelhaeuser und dem ebenfalls regelmäßig stattfindenden Kaffee-Klatsch mit anschließenden Kabarettprogramm. Eine Variante, die vor allem Kabarettfreunden zusagt, die spätabends nicht mehr allein in Berlin unterwegs sein wollen.

    Das neueste Programm “Wir müssen dran glauben” geht mit satirischer Schärfe den Wahlversprechen und Nachwahlwahrheiten nach. Dabei setzt “Sündikat” auf bewährte Figurenkonstellationen, wie zum Beispiel auf die 3 älteren Herren, die sich in die Politik einmischen wollen, oder die große Unterhaltungsshow, wie immer zu einem aktuell-politischen Thema, am Ende des Programms.  Besonders hervorhebenswert ist die tagesaktuelle Eröffnungsconférence von Wolfgang Koch. Hier hat man manchmal den Eindruck, etwas zu erfahren, was erst am nächsten Tag in der Zeitung stehen wird. Wolfgang Koch, der umsichtig und umtriebig das Ensemble und all das was zu einer Bühne gehört, zusammenhält, ist für “Sündikat” der Spiritus rector oder besser gesagt, ein Macher wie er im Buche steht. Zum Ensemble gehören noch Axel Lutter, der vor seiner Zeit bei “Sündikat” bei den “Stachelschweinen” war, Fabricio Fettig, der vor allem für die musikalische Seite des Programms zuständig ist sowie Jens-Uwe Glasa, der für den guten Ton auf der Bühne und unterwegs sorgt. “Sündikat“ ist in Berlin immer einen Besuch wert - das weiß Friedel.

    2003-06-15 | Nr. 39 |





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