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    Haustiere fürs Publikum


    Das erste Zirkus-Highlight in der Saison 2003 setzte Sarrasani, der am Potsdamer Platz mit seiner Inszenierung „Sensations" gastierte. Sein Chapiteau stand quasi im Rücken „seiner" Hessischen Landsvertretung, die sich sehr interessiert am Gastspiel zeigte. So fand dort die Pressekonferenz statt, und zum Schluss gab es einen Vormittags-Empfang für alle Mitarbeiter und die Presse. „Poetisch und launisch, bunt und schrill" sollte das Programm sein, es war auf jeden Fall eine recht gelungene Mischung aus Akrobatik, Dressur und Magie.

    André Sarrasani hatte sich mit seiner Magic-Show sehr zurückgenommen: Zum Programmbeginn ließ er sein  Ballett erscheinen, so aus einer sehr schnell gezeigten Fluchtkiste und aus anderen Behältnissen, dann zeigte er noch eine Verwandlung in der Pyramide, im zweiten Teil die nett verkaufte Entenwanderung mit einem Kind aus dem Publikum und als Höhepunkt die Käfigerscheinung, zuerst mit Assistenten, dann mit dem Tiger Khan, einem ungewöhnlich handzahmen Tier.

    Ebenso zur Täuschungskunst gehört Charly Borra, der seinen „Opfern" alles Mögliche entwendete, allerdings manchmal etwas heftig mit den zu „Bestehlenden" umging.

    Überhaupt entwickelte sich das Programm ein wenig zum „Mitmachzirkus", neben André Sarrasanis Entenzauber und Borra benötigte der Comedian Mr. Chap für seine Szenen einer Boxparodie und eine Variante der „Filmaufnahme" mehrere Zuschauer, was beides dadurch ein wenig sehr lang geriet. Auch die Fausto Scorpios Ikarier, die ohne das sonst übliche Kissen arbeiten, benötigten Mitmacher, die sie allerdings zu erstaunlichen Ergebnissen brachten.

    Die akrobatische Spitzendarbietung war zweifellos das Duo Inna & Maxim aus Russland mit einer ungewöhnlichen Vertikalseilarbeit, bei der der Partner in der Art des Haltestuhls am Seil hängt, dadurch entstanden einige sehr beachtliche, bisher nicht gesehene Trickkombinationen.

    Auch die Air Valentino, drei Akrobaten aus Rumänien und Ungarn, konnten mit ihrer Arbeit am Hochreck, kombiniert mit Sprüngen zum Fänger, mit sehr guten Leistungen überzeugen.

    Lieblinge des Publikums waren zweifellos die drei Seelöwen von John Burke, die -balancierend, ballspielend und auf den Vorderflossen laufend - von Burke sehr sympathisch vorgeführt wurden.

    Zu den liebenswerten Familienzirkussen, die Berlin besuchen, gehört der Zirkus Mondeo der Familie Richter. Die Richters sind bemüht, schon durch das Äußere des Unternehmens, durch schöne Kostüme, Lichtregie und durch einen freundlichen Umgang mit dem Publikum etwas zu leisten, was bei Unternehmen dieser Größe durchaus nicht selbstverständlich ist.

    Die Dressuren werden von Direktor Gerd Richter vorgeführt, so mehrere kleine Pferdefreiheiten, ein Solopferd mit Plié, Hürdenlauf und Steiger und eine Eseldressur.

    Die Akrobatik wird von den beiden jugendlichen Söhnen und der ebenfalls sehr jungen Julia präsentiert, so eine recht ordentliche Arbeit an Strapaten, eine Hula-Hoop-Darbietung und eine Parterreakrobatik, die allerdings noch einige Tricks vertragen könnte. In Berlin dabei auch Natalie Desavis mit einer Antipodenarbeit und mit Seifenblasen. Der ältere der beiden Söhne zeigt eine Clownerie mit dem „Kollegen Pferd", die bei weiterer Arbeit eine sehr gute Dressurclownerie werden kann.

    In der Umgebung Berlins gastierte Zirkus André Sperlich, ein „Abkömmling" des leider nicht mehr existierenden Zirkus Hein. Geblieben ist in dieser vor einigen Jahren erfolgten Neugründung die alte Herzlichkeit, die immer den Zirkus Hein ausgezeichnet hat, aber genauso das Bemühen um das Publikum und die wohltuende Vermeidung von Übertreibungen und Phantasieangaben. Für die Tierdressuren, Pferde und Exoten, ist hier Reinhard Slepitschka (alias Enrico Alberto) verantwortlich, die hübsche Haustierdressur sowie Groß und Klein präsentiert das Seniorehepaar Sylvia und Alfred Sperlich. Der akrobatische Teil wird vor allem von der Familie Lagron bestritten, so eine gute Handstandarbeit mit Klotzarbeit und Fußbalance, Jonglerie und Trapez. Eine schöne Tradition des Zirkus Hein wird von den Sperlichs weitergeführt: die großen, manegenwirksamen Schaubilder, der orientalische Basar mit Feuerschlucken, Scherbensprung, Degenleiter und Schlangen und die Fiesta Mexicana mit Lasso- und Peitschenspielen und Messerwerfen.

    Ebenfalls ein Familienzirkus, der sich als Der große Paul Busch ankündigte, gastierte im Juli in Berlin-Hellersdorf. Den Namen gab der Enkel von Paula Busch, der ansonsten nichts mit diesem Zirkus zu tun hat, Inhaber ist die Familie von Bill Frank.

    Hervorzuheben sind hier vor allem die Pferdedressuren von Sandro Busch, insbesondere der Sechserzug Araber, drei Schimmel und drei Braune, läuft exakt mit schönen Figuren, und auch das Groß und Klein zeigt Dressurtricks, die mehr als die herkömmliche Laufarbeit bieten. Weitere Dressuren sind eine Kamel- und eine Hundenummer. Akrobatisch sind Natalia am Vertikalseil, die Fakirarbeit von Raschid und vor allem das Todesrad von Tom Darcey mit dem Blindlauf außen auf dem Rad zu nennen, die anderen Darbietungen sind eher bescheiden.

    Ungewöhnliches bot der Circus Baobab aus Guinea bei seinem Gastspiel im „Tipi", dem Zelt der „Bar jeder Vernunft" unmittelbar am Bundeskanzleramt, mit einer Mischung aus Musik, Gesang, Tanz und Akrobatik, wobei die folkloristische Handlung nicht immer nochvollziehbar war und mitunter die Akrobatik überwucherte.

    Ab 30. August wird Zirkus Charivari auf dem Zentralen Festplatz gastieren, und die Stardust Production kündigt ab 21.11. einen Weihnachtszirkus an.

    Redaktion: Dietmar Winkler

    2003-09-15 | Nr. 40 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler





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