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    Heiße Nummern und Klimawandel

    Außergewöhnliche Künstler, ein begeistertes Publikum und jede Menge Kleinkunst, Kabarett, Akrobatik und Show. Nach einem echten „Kaisersommer“ versprach der Herbst im Rhein-Main-Gebiet ein heißer zu werden – und er wurde es. Zum Auftakt im September sorgte bereits das 3satfestival für Begeisterung am Rhein. Alles begann 1987 in Berlin auf der internationalen Funkausstellung. Mit Kabarett und Musik bot das Festival in einem blaurot-gestreiften Zirkuszelt eine Alternative zum Messegeschehen. Seitdem kommt alles, was in der deutschen und internationalen Kleinkunstszene Rang und Namen hat, in das Zelt, das seit 1992 auf dem ZDF-Gelände des Mainzer Lerchenbergs steht.

    In diesem Jahr trafen sich alle, die dem Festival über die beiden Jahrzehnte die Treue gehalten hatten. Bereits bei der Eröffnungsgala „Zum zwanzigsten …“ standen mit Mathias Deutschmann, Hans Liberg, Arnulf Rating und Kabarettneuentdeckung Hagen Rether erneut musik- und wortgewandte Schwergewichte auf der Bühne. So hätte wohl auch kein anderer als Volker Pispers die Moderation übernehmen können. Zeitgleich mit dem Festival begann auch Pispers als leidenschaftlicher Kabarettist und satirischer Aufklärer seinen kritischen Blick über die Republik schweifen zu lassen. Und auch bei der Eröffnungsgala verschonte der diesjährige Gewinner des bayrischen Kabarettpreises weder geldgierige Analysten noch Politiker und kam zu dem Schluss: „In diesem Land sind alle wahnsinnig“.

    Auch für das Programm rund um Bühne und Veranstaltung hatten die Festivalorganisatoren mit den Fabelhaften ShakerBoys ein rundum gelungenes Event-Highlight mit Aktion, Jonglage und Traumcocktails nach Mainz gelockt. So nahm das Festival seinen erwartet erfolgreichen Verlauf. Im Schnitt 450.000 Zuschauer sahen im September jede der neun Aufzeichnungen. Georg Schramm ließ exklusiv sein aktuelles Programm „Thomas Bernhard hätte geschossen“ aufzeichnen. Roger Willemsen stellte mit „und Du so?“ sein erstes Stand-up-Comedy Bühnenprogramm vor. Und der Aschaffenburger Urban Priol beendete mit einem „Alles muss raus – spezial“ gemeinsam mit seinen Gästen Jürgen Becker, Michael Altinger und dem Running Orchestra seine Sommerpause. Auch musikalisch bot das Festival einige Leckerbissen. „Dinglish“-Entertainerin Gayle Tufts groovte gemeinsam mit dem Soul Sensation Orchestra zu Evergreens aus Rock, Pop, Soul und Swing, die Hamburger Band Blumfeld rockte und BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken las und sang Lieder von Boy Dylan.

    Für einen feurigen Start in die Herbst-/Wintersaison sorgte auch das neue Programm des Frankfurter Tigerpalastes, der sich seit seiner Gründung 1988 als eine der renommiertesten deutschen Adressen in Sachen Varieté etabliert hat. Sieht man die Show, weiß man wieso. Mit der Schauspielerin, Sängerin und Entertainerin Liliana Montevecci, dem Regisseur und Chansonier Jean-Michel Fournereau, dem Wortakrobaten Marcus Jeroch oder dem Kabarettisten Heinrich Pachl, die das Programm abwechselnd je einige Wochen lang moderieren, mit internationalen Artisten und einer unverkennbar gemütlichen Atmosphäre ist der Tigerpalast Garant für eine hautnahe Begegnung mit herausragenden Künstlern. Und so sorgten unter anderem die Gewinner des diesjährigen Pariser Zirkus Festivals, das „Weiße Krähe“-Trio, Diabolo-Jongleur Pierre Marchand oder Kontorsionistin Svetlana Belova für atemberaubende Akrobatikdarbietungen, und Magier Jeff Sheridan oder Bauchredner Georg Schlick bezauberten ihr Publikum. „Jede Stadt bekommt das Varieté, das sie verdient“, meint Johnny Klinke, Direktor des Frankfurter Theaters. Frankfurt sei hart, schnell und international, aber ebenso liebenswürdig, behauptet das Frankfurter Urgestein. Dies spiegle sich auch im Programm des Tigerpalastes wieder, erklärt der Chef des deutschlandweit ältesten Varietés. „Wir haben das Spiel sozusagen erfunden“, erklärt Klinke selbstsicher. Mit mehr als 100.000 Gästen im Jahr schlage man selbst das Frankfurter Theater mit Leichtigkeit.

    Nicht nur in Mainz oder Frankfurt, auch in der hessischen Landeshauptstadt wurde es heiß. Im Pariser Hoftheater jagte ein Highlight das andere. Stand-up-Zauberkünstler Ken Bardowick präsentierte sein Programm „Defekte Effekte – Zaubert(r)icks und Größenwahn“, RTL-Samstag-Nacht-Comedian Stefan Jürgens ging unter dem Motto „Heldenzeit“ der Frage nach, wie man es schafft, sein eigener Held zu werden. Und die extravagante musikalische Fusion aus Opernsängerin Lady Eve und Pianist Mr. Lue alias Evi und das Tier sorgte, der großen Nachfrage wegen zum wiederholten Mal, mit „Hot Love in Stereo“ und einer Melange aus Blues, Jazz und Rock ’n’ Roll für Musik-Comedy der Extraklasse. Heiß aber wurde es vor allem für die zahlreichen Artisten, die in Wiesbaden gastierten. Mit atemberaubender Artistik, Jonglage, Komik und Musik sorgte zunächst der Circus Flic Flac für einen fulminanten Auftakt in die bunte Jahreszeit. Im November folgte der Nachwuchswettbewerb European Youth Circus, der seit 1991 alle zwei Jahre vom Kulturamt der Landeshauptstatt ausgeschrieben wird. Mit dem Talentwettbewerb avanciert Wiesbaden kontinuierlich zum Sprungbrett für den Artistennachwuchs. Von insgesamt 180 Bewerbern hatte die Jury 39 junge Artisten aus zehn Ländern ausgewählt, ihr Können in Wiesbaden zu präsentieren. Darunter das ukrainische Duo Credo mit Olga Bulkah und Julia Kravchuk, die gemeinsam mit ihrem Trainer Anatoliy Bulkah von der Staatlichen Hochschule für Circus- und Varietékunst in Kiew in die Landeshauptstadt kamen. Sie hätten von befreundeten Artisten schon viel Gutes von dem Wiesbadener Festival gehört und hofften natürlich auch auf eine gute Platzierung, erzählen die beiden 21-Jährigen, die, eingeladen von Urs Pilz, auch zum diesjährigen Festival nach Monte Carlo hätten fahren können. Die beiden Ukrainerinnen entschieden aber, doch lieber nach Wiesbaden zu kommen. Nicht nur, „um eine gute und erfolgreiche Arbeit zu leisten“, sondern auch, um eine „schöne Zeit zu haben und neue Kontakte zu Artisten zu knüpfen“, so die beiden. „Das Festival bietet die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und einfach präsent zu sein“, bestätigt Trapezkünstler Christoph Haese. Im Sommer absolvierte der 19-Jährige, der bei seiner Darbietung Kraftelemente und Kontorsionistik auf hohem technischem und künstlerischem Niveau mit eleganter Leichtigkeit verbindet, erfolgreich die Staatliche Ballett- und Artistikschule in Berlin. Das Festival genieße einen guten Ruf und viele, die dort gewesen seien, hätten im Anschluss gute Engagements bekommen, weiß der Nachwuchsartist. Zwar sei es ein langer Weg gewesen, mittlerweile aber rangiere der European Youth Circus unter den Großen der Nachwuchsfestivals, erzählt Zirkusexperte Peter Kremer, der das Festival seit Jahren begleitet. Das Besondere an dem Wettbewerb sei nicht nur seine europäische Ausrichtung. Das Festival werde vom Kulturamt mit viel Herzblut organisiert und habe dadurch einen Non-Profit-Charakter, erklärt Kremer. Dies mache den Wettbewerb einzigartig.

    Zu Weihnachten und Silvester wird im Rhein-Main-Gebiet zumindest im Bezug auf Varieté und Kabarett niemandem kalt werden. Nach ihrer großen Surprise-Geburtstagsshow Anfang Dezember präsentiert das Improvisationstheater Subito! am 23. und 26 Dezember im Wiesbadener thalhaus ein Weihnachts-Spezial. Im Pariser Hoftheater sorgen zunächst Ulrike Neradt und Hildgard Bachmann mit ihrem Mundartprogramm „Weihnachte hibbe un dribbe vom Rhei“ für vorweihnachtliche Stimmung. An Silvester stehen dann – wie bereits im vergangenen Jahr – das Trio Harmonija und Ju-Gwon Kim auf der Bühne in der Spiegelgasse. Zum Abschluss des Jahres präsentiert das Mainzer unterhaus noch zahlreiche Highlights. Außer Bülent Ceylan kommen im Dezember Désirée Nick und Lars Reichow nach Mainz, bevor es im Januar mit dem Stück „Feucht Fröhlich e. V“ beschwingt ins neue Jahr geht. Am 25. Februar folgt dann die 35. Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises, die in diesem Jahr Dieter Nuhr moderiert. Einem heißen Herbst und Winter folgt deshalb sicher auch ein überdurchschnittlich warmer Start ins Jahr 2007. Wer also von Klimaerwärmung spricht, muss nicht zwangsläufig von drohenden Umweltkatastrophen reden. Er könnte auch das Varieté und Kabarett im Rhein-Main-Gebiet meinen.

    Auf einen heißen Winter freut sich mit Ihnen

    Redaktion: Michael Smith


    Termine 2007

     

    Unterhaus Mainz:

    01.–10.01.: „Feucht & Fröhlich e. V.“ – Mundartmusical von
                               Frank Golischewski

    17.01.: Dieter Nuhr – Vorpremiere „Nuhr die Wahrheit“

    31.01.: Gerd Knebel – „Um was gehts hier eigentlich?“

    25.02.: Verleihung des 35. Deutschen Kleinkunstpreises

     

    Neues Theater Hoechst:

    02.–08.01: Bodo Bach – „4tel nach Bach“

     

    2006-12-15 | Nr. 53 | Weitere Artikel von: Michael Smith





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