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    Kritik: Close-up-Club im Oxymoron

    Die traurige Wahrheit ist: Die Rezensentin begegnet Zauberkünstlern mit erheblichen Vorurteilen. Sie empfindet keinerlei Faszination bei dem Copperfieldschen Brimborium, mit dem der Mond oder der Hunger der Welt scheinbar weggezaubert werden. Auch hat sie sich schon auf mehreren Feiern sinnlos betrunken, weil sie die müden Verschwindibus-Nummern des angeheuerten Familienunterhalters nicht ertragen konnte. Entsprechend misstrauisch begegnete sie dem „Close-up-Club“. Das ist eine kleine Gruppe Berliner Zauberkünstler, die sich seit gut zwei Jahren vierzehntäglich zu einer magischen Doppelshow ausgerechnet im Tanzclub des Touristenlokals Oxymoron in den Hackeschen Höfen zusammenfinden. Bevor es losgeht, beginnt die Discokugel zu drehen und eine Lautsprecherstimme verkündet etwas, was die Skeptikerin schon halbwegs zu bezaubern vermag, nämlich: „Sie fragen sich, was Sie hier erwartet – lustige Kartentricks? Männer mit komischen Bärten? Viele Mitmachnummern? Genau! Und zwar auf eine Weise, dass Sie sagen werden: Meine Fresse.“ Und die Stimme behält Recht. Axel Hecklau trägt seinen Schnauz zwirbelig aufgerollt, sein Partner André Kursch in der klingendünnen Menjou-Variante. Wo Kursch einen leicht halbseidenen Animiercharme verströmt, geht von Hecklau etwas angenehm Penibles aus. Abwechselnd und manchmal auch zusammen führen sie ihre Nummern auf, oft begleitet von beiläufigen Stand-up-Einlagen. Viele der Nummern sind Klassiker, Dinge verschwinden und tauchen an unerwarteten Orten auf, Unerratbares wird erraten, Unverhakbares ineinander verhakt. Das Besondere an dieser Show ist aber das, was schon im Namen steht: Die Nummern werden buchstäblich direkt vor der Nase des Publikums gezeigt. Kursch und Hecklau trauen sich ran. Wenn sie überhaupt einmal auf Ablenkung setzen, ist diese höchstens Zitat. Fast pur beweisen sie schier unglaubliche Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit. Oder sie können wirklich zaubern.

    Nach knappen siebzig Minuten – einer gefühlten halben Stunde – ist das Programm vorbei und auch die skeptische Rezensentin eingewickelt. Was der Close-up-Club bietet, ist im Wortsinn handgemachte und – paradoxerweise – ehrliche Unterhaltung, bei der man aus einem kleinen, aber zähen Staunen nicht herauskommt. Und so verhält sich der Close-up-Club zu David Copperfield etwa so, wie ein Butterbrot zu einem Klacks Hummerschaum: Es ist kein großes Spektakel, aber genau das, wonach man sich wieder einmal gesehnt hat.

    Redaktion: Susann Sitzler

    2006-12-15 | Nr. 53 | Weitere Artikel von: Susann Sitzler





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