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    Kritik: Fünf Star-Kabarettisten spielten Labiches „Das Sparschwein“

    Weder Fisch noch Fleisch

    Es hätte so köstlich werden können: Man nehme fünf berühmte Solo-Kabarettisten, eine unverwüstliche alte Posse, neu bearbeitet von einem bewährten Autor, gebe alles in die Hände eines hintergründigen Humor-Spezialisten – und warte, dass der Teig aufgeht. Doch Pustekuchen: Trotz Kristian Bader, Heinrich Pachl, Michael Quast, Arnulf Rating und Horst Schroth in wechselnden Rollen geriet Ulrich Wallers Inszenierung von Eugène Labiches „Das Sparschwein“ in einer Version von Frank Göhre am eigenen St. Pauli-Theater zu einer zwar turbulenten, doch merkwürdig flauen Angelegenheit. Weder Fisch noch Fleisch wurden serviert.

    Das Stück des Franzosen Labiche (1815–1888) handelt von honorigen Spießbürgern, deren Tagesausflug nach Paris – finanziert aus dem Inhalt ihrer Klubkasse – in einem sie entlarvenden, moralischen und körperlichen Desaster endet. Waller und Göhre verlegten das schräge Geschehen in die Pappkulissen eines Wirtschaftswunder-Deutschlands von 1959: Die Provinzler, Ex-Nazis und korrupte Macher, stammten aus dem Westfälischen, und ihnen gelüstete nach Hamburg. Bader, Pachl, Quast, Rating und Schroth knöpften sich den Text dann noch einmal vor und ergänzten ihn auf eigene Weise.

    Darin lag vielleicht die Krux: Ihre Kabarettisten-Soli an der Rampe unterbrachen den Spielfluss, ersetzten jedoch nicht die eigentlich notwendige darstellerische Qualifikation. So entwickelte sich das Handlungschaos in Retro-Kulissen eher behauptet und klischeehaft als organisch und dionysisch. Und auch die Brisanz der aktuellen satirischen Spitzen hielt sich in Grenzen: Wenn ein Westfale die laschen Sitten in der Hansestadt mit den Worten kommentierte „Bei uns in Appelhülsen wird gekuscht“, dann war das für hiesige Verhältnisse – eingedenk des geschassten Justiz-Senators Kusch – schon ein Highlight. Premieren-Publikum und manche Kritiker amüsierten sich dennoch köstlich. Daher ist es nicht auszuschließen, dass das Werk noch einmal auf den Spielplan des St. Pauli-Theaters kommt.

    Redaktion: Ulrike Cordes

     

    2006-09-15 | Nr. 52 | Weitere Artikel von: Ulrike Cordes





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