Jazz Open war und ist für mich die Fortsetzung der phänomenalen Konzerte in der Essener Grugahalle oder später meine Montreux-Jahre mit Musiker-Freunden von „Second Sun“!
Und mein Ruhrpott Musik Feeling habe ich beim Jazz Open immer wieder gefunden. Weltstars aus den Sechzigern aus der Rock und Soul-Szene wie Solomon Burke, Marianne Faithfull, Brian Auger, Bob Dylan, Paul Simon, Tom Jones, aus meiner Sicht eines der besten Konzerte.
Deep Purple, Van Morrison, Stevie Winwood oder Manhattan Transfer, die Staple-Tochter aus der Gruppe der legendären Staples Singers Blood, Sweat and Tears mit den befreundeten Musikern von Chicago, damals fanden die großen Konzerte schon auf dem Schlossplatz statt, eine höchst anregende Umgebung für Musiker und Zuschauer!
Und die Stars der 70er und Achtziger wie Sting, Bobby McFerrin, Metheny, Liz Wright oder, um mal einen deutschen Gig zu nennen, Nina Hagen mit einer Berliner Bigband auf dem sagenumwobenen Pariser Platz! Alle prominenten Künstler aufzuzählen - nicht nur die, die ich ich mehrfach gesehen hab - würde den Rahmen dieses kleinen Artikels sprengen.
Ich denke, wir können Jürgen Schlengsog echt dankbar sein, was er seit seinem Einstieg wenige Jahre nach den Anfängen des Festivals mit seinem Team geleistet hat.
Ein Jahr harte Arbeit, was dann in rund 10 Tagen geballt auf uns zukommt! Und wer weiß, was in den nächsten Jahren noch alles zu sehen kriegen?!
Dass Gute: Ich muss nicht mehr jedes Jahr nach Montreux zu fahren, um Weltklasse Jazz- und Rock-Musik zu sehen und zu beschreiben!
Auf dem 31. Jazz Open 2025 spielte er ein hervorragendes Konzert, für mich einer der Höhepunkte des Festivals! Im Vorprogramm spielte eine tolle junge Gruppe, das FUSION ALP TRIO!
Sie hatte schon einen Jazzpreis gewonnen.
Danach folgte ein zweiter Gig mit der afrikanischen Gruppe AFRO4! Im wunderschönen Hof des Alten Schlosses ist es nicht schwer, vor 1000 Leuten eine tolle Atmosphäre zu erzeugen.
Marcus Miller fing ruhig und konzentriert das Konzert an, steigerte sich dann aber in ungeahnte Höhen. Marcus nutzt seinen Bass oft wie eine Sologitarre, schreibt tolle Kompositionen. Kein Wunder, das ich ihn in den Nuller- und Zehner-Jahren so oft in Montreux sehen und bewundern konnte. Ein Special-Guest unterstützte ihn: Jonathan Butler, ein Könner auf der Gitarre und ein sehr guter Sänger. Das Duo-Spiel war noch mal eine echte Steigerung dieses hervorragenden Abends!
Montreux, das trifft in gleicher Weise auf für:
Als Vorgruppe spielte CHINA MOSES, eine gute Einleitung für einen Dianne Reeves Abend, in der schon eine gute Stimmung erzeugt wurde.
Einen besonderen Abend habe ich von Dianne Reeves mal mit Nina Simons Tochter und zwei weiteren Stars an einem „Nina Simon Abend - Four Women“ gesehen“, der später in einer etwas anderen Besetzung auch in Stuttgart zu sehen war.
Keine Frage, diese Stimme, diese Songauswahl, diese Bühnenpräsenz ist verblüffend. Aber es gab noch eine Steigerung, als eine Kollegin für rund 20 Minuten auf die Bühne kam.
Ungeheurer Stimmumfang, professionelle Lautmalerei im Gesang und in Kommunikation mit Dianne ein wundervolles Miteinander bei Songs und beim Wettstreit mit Lauten. Das hätte noch länger so gehen können.
Vom gemütlichen Innenhof des Alten Schlosses ging es nun auf die größerer Bühne am Schlossplatz, die aber auch mit 7000 Zuschauern immer noch einen gewissen intimen Rahmen hat.
Vor einigen Jahren waren KRAFTWERK schon mit einem Superkonzert auf dem Schlossplatz, wo die Gruppe während des Konzertes mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst (Astro Alex) von der Raum-Station im All kommunizierte. Gemeinsam wurde eine Art „Mensch-Maschine“ gespielt!
Die nahezu unbeweglichen „fantastischen Vier“, die untermalenden Projektionen im Hintergrund, die wie die „Modells“ teilweise aus den 50-60er zu stammen schienen, gaben ein faszinierendes, ruhiges Bild ab! Aber all das ist nicht nur erlaubt, sondern von den Zuschauern gewünscht. Und vergessen wir nicht, dass diese Arbeit seit rund 50 Jahren gemacht wird.
Und Welt-Hits wie „Autobahn“ oder „Wir sind die Roboter“ hört man immer wieder gerne!
Bevor er auf die Bühne kommt, gibt es zwei erstklassige Vorgruppen:
Die Nachwuchsgruppe TARKUS, drei junge Top-Jazzer, die natürlich auch schon einen Jazz-Preis gewonnen haben. Selten ein unbekannte Vorgruppe erlebt, die so ein musikalisches Feuer entfacht haben.
Danach kamen aus Afrika Kenny Wayne Shepherd, ein guter Bekannter des Festival-Leiter Schlengsog, der auch zu einem Jazzfestival nach Lagos(?) eingeladen wurde. Aber er hatte noch ein Highlight dabei. Den 91-jährigen Mundharmonikaspieler, Soul- und Bluesmusiker BOBBY RUSH, der die Bühne wie ein Junger mit viel Bewegung in Besitz nahm. Eine gute Variation bei zwei interessanten Stimmen.
Dieser Act war schon so gut, wahnsinnige lange Gitarren-Soli der Spitzenklasse, so das man mit Prognosen, ob das noch zu übertreffen wäre, vorsichtig umgehen musste. Das Stück „Voodoo Child“ zu Schluss setzte noch mal ein Ausrufezeichen.
Doch nun kam der Hauptakt: JOE BONAMASSA!
Ständiger Gitarren–Wechsel, Spitzeninstrumente, die er über die Jahrzehnte gesammelt hat wie die Les Paul. Lange Soli sind sein Markenzeichen. Trotzdem hat er bei seinem letzten Tonträger viel Wert auf Songschreiben mit Texten und seinen Gesang gelegt. Ja, er singt ja auch gerne Songs, aber seine absolute Stärke bleiben seine Gitarrenkünste. Man muss ihn vielleicht als Endpunkt einer sechzigjährigen Zeit von Ausnahmegitarristen sehen, ich möchte nur Hendrix, Clapton, Jeff Beck oder später Steve Ray Vaughn erwähnen, aus dessen Gruppe Double Trouble je ein Mitglied in jeder der beiden Gruppen mitspielte: Der Drummer Chris Laytonbei Shepherd, der Organist Reese Wyans bei Bonamassa. Den Spaß an seiner Arbeit sieht man Joe Bonamassa immer an, so etwas wie kalte Routine blitzt niemals durch!
Insgesamt ein Konzert von Joe Bonamassa, wo man sich wünscht, dass es nicht zu Ende gehen sollte. Aber so ist das mal. Langer Applaus, Zugaben!!
Und damit war für mich das Jazz Open dann auch abgeschlossen, obwohl noch weitere Gruppen spielten:
Keine Frage! Was dies mal mit Kylie Minogue, Jean-Michel Jarre, Zucchero, Lionel Richie, Herbie Hancock, Gregory Porter besetzt war, wird von den Zuschauern, die fast immer in ausverkauften Konzerten saßen, so schnell niemand vergessen!
Außerdem gab es wie jedes Jahr an verschiedenen Plätzen kostenlose Konzerte!
Zwei Beispiele konnte ich in einer Kirche und im Stadtarchiv verfolgen. Mein Vorschlag für Musik-Fans „Hingehen und das Gesicht entgleisen lassen!“ hat sich sicher für viele gelohnt, wenn es ihnen gelang, Erfolg bei der Jagd nach den seltenen Karten zu haben. Der Lohn: Ein wunderschöner musikalischer Sommerabend in der Stuttgarter Innenstadt.
Redaktion: Bruno Schollenbruch
Bildnachweis:
Jazzopen Stuttgart 2025