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    Ruhrgebiet, Du läufst Dich warm …

     

    ... und bleibst voller Gegensätze, denn in der Vielfalt steckt die Qualität. Die Uhr zum Countdown für die Kulturhauptstadt tickt. Jeder Ort freut sich auf diese eine Woche, in der er im Interesse der Weltbevölkerung steht und mit seinen „local heroes“ aufwartet.

    Die Fußballeuropameisterschaft steht vor der Tür, und im Herzen werden die Erinnerungen ans Sommermärchen aufgewärmt. Aufgewärmt werden allerdings auch manche zur Weltmeisterschaft extra geschriebene Programme, wenn es auch z. B. bei Frank Goosens „Echtes Leder – Geschichten aus der Tiefe des Raumes“ vornehmlich um den VfL geht. Zur EM muss die Retorte reichen. Goosens Booker Marco Ortu geht nun auch unter die Spielmacher und bereichert sich um Erkenntnisse von der anderen Seite des Schreibtisches: In Bochum Innenstadt soll eine neue 300-Plätze-Spielstätte entstehen, deren künstlerischer Leiter Ortu sein wird.

    Christian Hirdes – man glaubt es kaum – spuckt in die Hände, spitzt den Bleistift und stimmt das Klavier. Für Herbst verspricht er ein nagelneues Programm. Endlich.

    Nennt man Christian Hirdes (Publikumspreis 2005), ist der Preis um Tegtmeiers Erben nicht fern. Carolin Kebekus aus Köln, Gewinnerin des Publikumspreises 2007, spannt uns ebenfalls bis zum Herbst auf die Folter, bis sie die Koffer packt und mit ihrem ersten abendfüllenden Programm durch die Lande reist.

    Künstler wie Moritz Netenjakob und Florian Schroeder scheinen endlich den Sprung ins Ruhrgebiet zu schaffen. Zwei Experimente zeigen, dass hier noch viel möglich wäre. Bitte mehr davon: „Johnny Hollywood’s Comedy Night“ im Alten Wartesaal beim Köln Comedy Festival zeigte, dass es genug sehr gute Künstler gibt, um uns einen englischsprachigen Comedy-Abend zu bescheren, und Fatih Cevikkollu spielte sein „Fatihland“ auf türkisch. Warum einmalig? Solange solche Events immer im hinteren Programmteil gesucht werden müssen, wird’s nicht leichter. Deshalb, liebe Veranstalter und Künstler: Gesicht zeigen, nach vorne gehen, bei anfänglichen Gagen-/Miet-Verhandlungen vom hohen Ross steigen. Macht weniger „Special Interest“ daraus.

    Umtriebig ist auch Stefan Stoppok, nach eigenen Worten echtes Ruhrgestein. „Schillers sämtliche Werke – … leicht gekürzt“, verspricht er gemeinsam in einem neuen abendfüllenden Programm mit Kristian Bader, Hilmi Sözer und Michael Ehnert. Die drei Erstgenannten machen sich auf, Schiller zu finden. Den ganzen und den wahren Schiller – musikalisch begleitet vom „Wilhelm Tell der Rockmusik“, eben Stoppok. Premiere ist im Februar 2009, Tourbeginn ab Herbst und das alles buchbar über Susanne Buhr in Köln, wie sie auf der Kulturbörse in Freiburg verriet.

    Die Tour der SpaßGesellschaftsAbende der RWE mit Spitzen wie Horst Schroth (neues Programm: „Wenn Frauen Fragen – Das Beste aus 10 Jahren“) und Fritz Eckenga setzt sich zum Ziel, Newcomer mitzubringen und vorzustellen. Warum im Programmheft dann wieder die „Darlings“ den meisten Platz bekamen, bleibt schleierhaft. Der selbsternannte „kleine böse Humorarbeiter“ Schroth gab sich im wunderbaren Rex-Theater Wuppertal als großartiger Conférencier, während das Publikum im nach vorne abgeschrägten Theatersaal die Wadenmuskeln trainierte und vergeblich nach einer Garderobe am nassen November-Abend suchte. Eine ehrwürdige Bühne mit viel Charme.

    Das Fritz-Henßler-Haus in Dortmund polierte zum letzten „Watt’n Hallas“-Festival bereits die Stiefel, schwang den Pinsel und kaufte neue Technik en masse ein. Eine Runderneuerung, die zum Verweilen und zum unbedingten „Mal-vorbeischauen“ auffordert. Die nächste Runde des Festivals ist ja bereits beschlossene Sache.

    Das Ruhrgebiet liebt den Spagat: Hier wartet die Masse auf Ruhrgebiets-Gastspiele von Mittermeier, Barth und Schröder, in den angemieteten Mehrzweckhallen kennt keiner keinen. Der Caterer nicht den Garderoben-Menschen, der Abendspiel-Leiter nicht die Frau an der Kasse und auf der Bühne gibt erst recht niemand ein paar einleitende Worte. Das ist in den Szene-Kulturtreffs wie dem hasperhammer in Hagen oder im Queue in Dortmund noch anders. Zum Glück. Nur eines können sich hier die Kleinen von den Großen abgucken: Gerade im dunklen Herbst ist so eine Beschilderung zwischen U-Bahn-Station und Spiel-Ort echtes Gold wert. Bitte nachmachen!

    Da beim nächsten Heft ja wieder Zeit für „Wünsch Dir was“ ist, bleibt Folgendes festzuhalten: Atze Schröder wünschen wir den fleischgewordenen Porsche, der ihm morgens am Bett „Guten Morgen, Papa“ sagt. Viele Künstler scheinen echte Sensationen zur Inspiration für neue Programme zu brauchen. Also los, die Fußball-WM der Damen ruft zum Diktat.

    Redaktion: Stefan Ludwig

    2008-03-15 | Nr. 58 | Weitere Artikel von: Stefan Ludwig





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