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    Saarkritik: Detlev Schönauers neues Programm

    Vor der Premiere gab es erst mal Ärger. Der Grund: das Plakat zu Schönauers neuem Programm Kinderwahn. Das brachte einige regionale Veranstalter auf die Idee, die Gastspiele Schönauers abzusagen, weil dieses Plakat den lokalen selbst ernannten Sittenwächtern nun doch zu anstößig war. Zu sehen ist darauf der Kabarettisten, nuckelnd an einer doch recht zierlichen und natürlich weiblichen Brust. Getreu der Erkenntnis: „Mit der Brust ist es wie mit der  Spielzeugeisenbahn – für die Kinder gemacht und der Papa spielt damit„, womit wir auch schon mitten drin sind im neuen Soloprogramm von Detlev Schönauer.

    Als französelnder Thekenphilosoph „Jacques„ lädt Schönauer wieder in sein gemütliches Bistro ein, wo er wie stets zu Gott und der Welt Verblüffendes zu sagen hat. Nachdem seine saarländische Bedienung Tanja mit einem Pfälzer eine Mischehe eingegangen ist (das ist so schockierend, wie wenn ein Kölner eine Düsseldorferin heiraten will!), kündigt sich Nachwuchs an: höchste Zeit für Jacques zu zeigen, dass er Bescheid weiß über Stillen, Kindererziehung ,Generationenvertrag und Elternrolle.

    Dabei kommen ihm allerlei Gäste zu Hilfe, die teils gefragt, meistens aber ungefragt, ihren Senf dazugeben: der Kulturamtsleiter aus dem Pfälzischen Pingelheim (der die Veranstaltung absagen wollte, weil das Plakat einer stillenden Mutter ganz Pingelheim moralisch zu verderben droht), der hessische Taxifahrer und ein grantelndes bayrisches Ehepaar.

    In Schönauers Rollenvielfalt liegt die Stärke des neuen Programms. Seine Imitationen zahlreicher Dialekte und die glaubhafte Unterscheidbarkeit der Figuren auf der Bühne lassen das Programm zu einem echten Feuerwerk werden, dass auch manche platte Pointe (schließlich müssen auch die Schenkelklopfer bedient werden) mühelos verkraftet, weil immer noch was besseres nachkommt.

    Brillant und immer besser wird Schönauer in der Rolle des keifenden Literaturpapstes. Wohl eine seiner Lieblingsfiguren, denn als „Reich-Ranicki„ glänzte er schon auf der Ophüls-Preisverleihung 1998. Diesmal grantelt er über „sozialpsychologische Phänomene geschlechtsseparierter stiller Örtchen„ und führt in die schlichte literarische Schönheit der neuen Jugendsprache „Kanakisch„ ein. Da wird es mitunter auch berechtigt derb!

    Eine weitere Stärke Schönauers: Die Kunst, den Dialog mit dem Publikum zu führen. Die Frage, ob etwa auch Pfälzer anwesend sind, hat schon Kult-Status. Daraus entwickeln sich grundsätzlich kleine bissige Dialoge. Und als gleich zu Beginn des Programms im Publikum ein Handy klingelt, forderte er eine leicht errötende Dame auf: „Will'sche nich draangehn?„ – und dann: „Wer isses denn?„. Es folgen ein paar Pointen über Handies und ihre Besitzer, dann geht es weiter im Programm.

    Termine Kinderwahn im Dezember: 12.12. Auersmacher, 19.12. Saarburg

    weitere Termine unter www.schoenauer.de

    2001-12-15 | Nr. 33 |





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