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    Schoten auf dem Sofa

    Die Hamburger haben Alma Hoppes Lustspielhaus, eine Bastion des politischen Kabaretts und ausgewählter Comedy, eigentlich den Ossis zu verdanken: Nachdem die Mauer gefallen war, seien die überforderten Wessis („Helft uns!“) derart zahlreich ins kleine Kabarett Mon Marthe geströmt, dass die Sitze der damaligen Wirkungsstätte des Duos Alma Hoppe nicht mehr ausgereicht hätten. Das sei der Grund, weshalb Nils Loenicker und Jan-Peter Petersen ganz in der Nähe eben ihr eigenes Haus mit 350 Plätzen gegründet hätten. Schoten dieser Art erzählten die beiden Impressarios im Februar auf dem "Rabenschwarzen Sofa" auf der Bühne ihres inzwischen zehn Jahre alten Theaters dem Moderator Mirko Bott. Kulturjournalist Bott (31) hat die gleichnamige neue Reihe initiiert, bei der viermal im Jahr etablierte, klassische Kabarettisten und Liedermacher zu Persönlichem und Brisantem Auskunft geben sollen.

    Eine glänzende Idee, ausgerechnet die Künstler, die sonst Gott und die Welt aufs Korn nehmen, einmal zur Innenschau zu bewegen. Löblich ebenso, dass auch die Zuschauer Fragen formulieren dürfen. Ob es allerdings wirklich inspiriert war, als erste Gäste die vertrauten Hausherren (nebst dem ersten Nachwuchs-Gast Tom van Hasselt) aufs Sofa zu bitten, sei dahingestellt. Und auch die angekündigten „frechen Fragen“ lassen noch auf sich warten: Beim Debüt beschränkte sich der sympathische Mirko Bott überwiegend auf das Abfragen von Biografischem. Doch was nicht ist, kann ja noch werden – der Ansatz ist da.

    Das Zehnjährige ihres Lustspielhauses feierten Loenicker und Petersen übrigens einmal mehr mit einem großen Kabarett-Fest: Den ganzen März über gab sich die Prominenz von Hans Scheibner bis Franz Josef Degenhardt, von Kai Magnus Sting bis LaLeLu und von Max Goldt bis Mark Britton ein Stelldichein in Eppendorf. Und dass Alma Hoppe seit nunmehr 20 Jahren zusammen auftreten, macht sie nach eigenen Angaben auch noch zum am längsten agierenden Duo der Republik!

    Die Fliegenden Bauten positionieren sich neu. Nach der Übernahme durch Sylt-Quellen-Gesellschafterin Indra Wussow und deren Ehemann im vergangenen Jahr (TROTTOIR 40) wurde jüngst bekannt: Thomas Collien, als Inhaber des renommierten St.Pauli-Theaters bereits Kooperationspartner, ist in die Geschäftsführung des hochkarätigen Kleinkunst-Zelts eingestiegen. An der Seite von Joachim W. Wussow zeichnet Collien verantwortlich für Programmgestaltung, Marketing und Vertrieb. Durch Synergien wollen beide Kiez-Institutionen Profil gewinnen und Kosten sparen. Und neben den internationalen Theater-, Musik-, Varieté- und Tanzproduktionen ist nun auch noch ein „Kunst:Raum“ mit Ausstellungen, Lesungen und kleineren Inszenierungen zu erleben. So stellt sich die aktuelle Situation dar – weitere Veränderungen allerdings nicht ausgeschlossen.

    Darüber keinesfalls vergessen werden dürfen Matthias Krämer und Sebastiano Toma: Die Gründer und bisherigen Betreiber der Fliegenden Bauten, wollen sich – so besagt es die Presseerklärung des Hauses – „wieder stärker im kreativen Bereich“ engagieren „und sich, wie in der Vergangenheit, mehr auf die Produktion eigener Projekte wie ‚Tiger Lillies Circus‘, ,Balagan‘ oder , Tenoritas‘ konzentrieren.“ Was immer das konkret heißen mag: Beim bekannten Qualitätsbewusstsein der Beiden muss man wahrlich gespannt sein, was sie uns in Zukunft bringen werden.

    Caroline von Monaco als eigens eingeflogener Star-Gast in der Musikhalle, das total coole neue Marmor-Foyer in der Staatsoper: Beispiele für den von der bisherigen Kultursenatorin Dana Horakova beschworenen „Glanz“, den Hamburgs Kultur dringend nötig habe und der ihr immer wieder vorgeworfen wurde. Das tat Ende Februar im goldbekHaus eher augenzwinkernd auch Luzie Lewandowski, vermeintliche Vorsitzende der Frauen-Kulturinitiative Hohenfelde.

    Auf der Bühne des Winterhuder Stadtteilkulturzentrums ironisierte die schrill gestylte Dame in Wort und Ton, am Klavier begleitet von der sibirischen Konzertpianistin Nastasia Alexejewna (alias Christiane Behn –Emmi und Herr Willnowsky lassen grüßen), die Kultur- und Gleichstellungspolitik des Mitte-Rechts-Senats. Zum Beispiel mit einem lateinisch gesungenen „Bitt- und Flehlied der Hamburger Chöre – ,Ave Dana‘.“ Seit der Bürgerschaftswahl nur zwei Tage später, die der CDU die absolute Mehrheit und der Stadt die neue Kultursenatorin Karin von Welck bescherte, arbeitet Lewandowski ihr mit alten Schlagern (Sponsorentipp: „Ich brauche deine Millionen“) umrahmtes Programm „Kultur- und Gender-Trouble“ nun allerdings um.

    Letzteres erzählte Helmut Tschache im TROTTOIR-Gespräch. Der freundliche Herr im gesetzten Alter ist es nämlich, der im Original-Jugendstil-Gewand der Lewandowski seinem lokalpolitischen Unmut Luft macht. Und den Hamburgern damit eine unterhaltsame, skurrile Kunstfigur bietet, die zwar noch nicht ausgereift ist, aber dafür zur Abwechslung einmal die örtlichen Rahmenbedingungen der Branche aufs Korn nimmt.

    Der Geiger und Bratschist, Gymnasial-Musiklehrer und Universitäts-Dozent weiß, wovon er ein Lied singt (mit Kopfstimme): Lange Jahre war er selbst bei der Kulturbehörde tätig, als Musikreferent und Stellvertreter der Referentin für Frauenkultur. Der „neue Kahlschlag in der freien Szene sowie in der Frauenförderung“ läge ihm daher besonders im Magen, sagt der Insider, der mit der „Hamburger Stadtmusikatzen“-Gründerin Heidi Tschache verheiratet ist.

    Und also begab sich Helmut Tschache selbst in die freie Szene, die für ihn den „Humus der Stadtkultur“ bildet.

    Redaktion: Ulrike Cordes

     

    Hamburger Termine 

    15.–19.6.  Alma Hoppes Lustspielhaus: Henning Venskes „Spätlese – trocken“

    18.–20.6.  Stadtteil-Kulturfestival „Altonale6“

    16.–25.7.  Duckstein-Festival Fleetinsel Hamburg: Straßentheater, Artistik, Musik

    6.–15.8.  Duckstein-Festival Traveufer Lübeck

    20.–29.8.  Duckstein-Festival Kai-City Kiel

    18.9.  „Theaternacht“: 25 Hamburger Bühnen laden ein

    Herbst  St. Pauli Theater: „Scarlatti in Paradise“ mit Natural Theatre Company, Bath

     

    05.07.-22.08. Flughafen Sylt: Meerkabarett; in diesem Jahr mit u.a.:

    GAYLE TUFTS - TIM FISCHER - THE CROONETTES - IRMGARD KNEF, JOHANN KÖHNICH, FRED KELLNER & DIE FAMOSEN SOUL SISTERS, BASTIAN PASTEWKA & OLLI DITTRICH, MISSFITS, MAX RAABE, ECKART VON HIRSCHHAUSEN, ROBERT KREIS, GERHARD POLT, BIERMÖSL BLOSN, URSUS & NADESCHKIN, GANZ SCHÖN FEIST, GÖTZ ALSMANN

    2004-06-15 | Nr. 43 | Weitere Artikel von: Ulrike Cordes





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