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    Susanne Tremper

    Die von „Theater heute“ bereits achtmal zur besten deutschen Schauspielerin gekürte Susanne Tremper hatte sich zunächst unter die Serviererinnen gemischt und begann ihr Programm „Waldoff-Piaf-Dietrich“ mitten unter den Zuschauern. Vom Publikum sofort als die Darstellerin der Königin Ute aus den soeben zuende gegangenen Nibelungenfestspielen wiedererkannt, sang die Tremper (vor allem als Weill-Interpretin gerühmt) die klassischen Hits von Claire, Edith und Marlene. Dem im Grunde ausgetretenen Repertoire nähert sich die Tremper von einer eher ungewöhnlichen Seite: Sie versucht eine möglichst perfekte Impersonifizierung herzustellen, was im Falle der Piaf bis zum Auftreten in Hausschuhen geht (das Fußleiden der Piaf wird sonst meist dezent verschwiegen). Und das Wunder gelingt – Susanne Tremper und die Piaf verschmelzen in einer optisch-akustischen Symbiose ohne jeden Anflug von Peinlichkeit. Da die filmischen Dokumente einer Claire Waldoff rar sind, bleibt dort nur der Rückzug auf die erstaunlich authentisch wiedergegebenen Tondokumente (die zierliche Tremper wäre ohnehin keine echte, robuste Waldoffkopie). Lediglich bei der Dietrich bleiben „Erdenreste“, denn die reife Dietrich (mit Glitzerkleid und Chinchillapelz) wäre der Tremper typologisch besser angemessen als die frühe Marlene des „Blauen Engel“. Doch auch hier gibt sie eine akustische Mise en scène von verblüffender Anverwandlung. Dem Benehmen nach soll der „Nähkreis“ (die drei Damen verbindet thematisch ja ihre erotischen Beziehungen untereinander) noch um eine vierte Figur (Judy Garland) angereichert werden. Der russische Pianist Valery Rüb, der von Evelyn Künneke bis René Kollo schon manchen Prominenten begleitet hat, leistet verblüffende Arbeit, wenn er die (teilweise historischen) Klangkulissen der wohlbekannten Plattenaufnahmen perfekt zum Klingen bringt.

    In der nächsten Ausgabe werden weitere Glanzlichter der Rhein-Neckar-Szene aufleuchten: Gastspiele von Maren Kroymann, Tim Fischer und Robert Kreis stehen an. Und auch so mancher Varieté- und Kabarett-Kleinkünstler werden sich die Ehre geben…

    Redaktion: Reginald Dehoff

    2004-09-15 | Nr. 44 | Weitere Artikel von: Reginald Dehoff





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