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    Tanz auf dem Vulkan im „wilden Süden“


    Am 23. Mai 2010 ging im Kulturareal Unterm Turm das internationale und baden-württembergische Kinder- und Jugendtheater­festival Schöne Aussicht zu Ende. Neun Tage lang zeigten Theatermacher aus ganz Europa aktuelle Produktionen für junges Publikum. 5.617 Zuschauer erlebten die 59 Veranstaltungen in fünf Stuttgarter Theatern und auf dem Pragfriedhof - das ist eine Platzauslastung von 98,2%.

    Dank einer Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung und Unterstützung durch Daimler und die LBBW konnte das Festival trotz 10%iger Kürzung des städtischen Zuschusses in vollem Umfang stattfinden. Die Bedeutung des Stuttgarter Festivals für die internationale Kinder- und Jugendtheaterszene unterstrichen nicht nur die Gäste aus aller Welt, auch Kulturamts­leiterin Laugwitz-Aulbach und Ministerialrat Radolko lobten die internationale Arbeit des Jungen Ensembles Stuttgart. Die Spanierin Maria Ibarretxe und der Belgier Koen De Preter zeigten in „We Dance To Forget“  ihr Tanztheater für das jugendliche Publikum. Die beiden rollen über die Bühne, stampfen, rocken oder tanzen Stehblues. Eine Power-Stunde im Stuttgarter JES! Musikalisch geht es durch die letzten hundert Jahre – vom Wiener Walzer zu „Do You Love Me“, von Brian Pool & The Tremolous aus den frühen Sechzigern, von Nancy Sinatra zur Klassik, von „Only You“ von den Platters zum Hardrock, zu Disko und mehr. Manchmal schwofen sie alleine, machen nahezu gymnastische Übungen am Boden, springen wieder auf, fliegen durch den Saal, um dann wieder stehend minimalistisch zu zucken. Natürlich geht immer alles schief, alles wird parodiert, was den Reiz dieser Aufführung ausmacht. Dahinter steckt tänzerische Perfektion, denn nur so können sich die beiden stolpernd und fallend genial durch die Epochen tanzen. Die Geschichte im Hintergrund. Eine Frau und ein Mann, mal interessiert, mal auf Distanz, liebend voller Enthusiasmus, um dann wieder den Sprung in die gepflegte Langeweile zu machen. Am Ende wird die Spielfläche als Tanzfläche freigegeben, als Zugabe gibt es freie Getränke für die tanzenden Zuschauer.

    Eine andere Seite des gegenwärtigen Jugendtheaters zeigte das Theater der Stadt Aalen mit „Dark Play“. In diesem Stück geht es gleich voll zur Sache. Laute Rockmusik, mal Jugend-Slang mit Anmach-Wörtern wie „Scheiße“ oder „Wichser“, mal Hochsprache mit einem Schuss Poesie.

    Der Inhalt: Ein junger Mann auf der Suche nach seiner sexuellen Identität. Er stöbert in Chatrooms nach Partnern, gibt sich allerdings als Frau aus. In diese virtuelle Person verliebt sich der schüchterne Adam. Seine Selbstdarstellung im Netz: „Ich möchte mich verlieben! Habe bis jetzt Fußball gespielt, möchte meinen Horizont erweitern“. Natürlich verliebt er sich sofort in die blonde, blauäugige, schöne virtuelle Frau, die wie in einem Blondinenwitz etwas überzeichnet dargestellt wird. Als diese junge Frau in der Realität nie auftaucht, lässt sich Adam mit Nick ein. Doch das Stück wird niemals peinlich, auch bei den angedeuteten Sexszenen nicht. Am Schluss langer, frenetischer Applaus des begeisterungsfähigen jungen Publikums.

    Im Rahmen des Festivals verlieh Staatssekretär Dr. Birk den Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis an die niederländische Autorin Hanneke Pauuwe, deren Stück „In Memoriam“ auf dem Stuttgarter Pragfriedhof seine deutschsprachige Erstaufführung erlebte. Birk betonte bei der Preisverleihung die große Bedeutung der Kinder- und Jugendtheater im Land. Das JES wird ab der kommenden Spielzeit mit dem Teatro Testoni Ragazzi – La Baracca kooperieren und gemeinsam mit den Experten aus Bologna eigene Produktionen für die Allerkleinsten entwickeln. Der internationale Austausch bleibt wegweisend für die Arbeit des Jungen Ensembles Stuttgart. Falls Stuttgart die Zuschüsse weiterhin gewährt, wird das nächste Festival im Jahr 2012 stattfinden. Falls die Stadt aufgrund der knappen Haushaltsmittel zukünftig Förderungen einstellen muss, wird es verdammt eng: ein Tanz auf dem Vulkan für viele Kulturschaffende im wilden Süden!

    Redaktion: Bruno Schollenbruch & Ronald Maltha

    2010-06-15 | Nr. 67 | Weitere Artikel von: Bruno Schollenbruch





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