Kleinkunst  Straßentheater  Kabarett  Variete  Circus
        Agenturen  Wettbewerbe  Comedy  Galas  Festivals

 
 
 
Suche im Trottoir

Kategorien Alle Jahrgänge



blue Harlekin Online Marktplatz für Strassentheater
21. Kleinkunstfestival Usedom

Trottoir-Special Straßentheater

Comedy Institut

Fairsicherungsladen Hagen/NRW

ein Lächeln



Kulturtermine

Ausschreibung,Wettbewerbe

Artikel - gewählte Ausgabe
Meist gelesen
Statistik
  • Kategorien: 66
  • Artikel: 3526
  • Themen-Fokus :: Variete

    [zurück]

    TraumZeit-Theater Backnang jetzt auch Ausbildungszentrum

    Die Theaterbetriebe Holderried GmbH bauen die Schulungen weiter aus

    Sechzig Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 14 Jahren sitzen erwartungsvoll auf Sportmatten vor der Bhne des TraumZeit-Theaters in Backnang, das im Mrz 2003 erffnet hat und seither als beliebte und erfolgreiche Variet-Spielsttte nicht mehr aus dem Kulturleben der Stadt und ihrer Region wegzudenken ist. Sechs Tage lang haben die Kinder die Variet-Schule gebucht, die Michael Holderrieds Theaterbetriebe zum zweiten Mal anbieten. Es ist Dienstagvormittag, zweiter Tag des Ferienkurses. Die Kinder unterhalten sich ganz leise, um nicht zu sagen respektvoll, darber, was sie wohl heute lernen sollen. Erst bei der Feststellung der Anwesenheit steigt dann der Geruschpegel auf das bliche Ma. Noch haben nicht alle ihre endgltige Sparte gefunden; ein letztes Mal besteht die Mglichkeit zu wechseln. Denn die jungen Variet-Interessierten sollen nicht nur die verschiedenen Fachgebiete der Krperknste nher kennen lernen, sondern das Gelernte am letzten Tag in zwei ffentlichen Galas hintereinander in Kostm und Maske ihren Eltern, Geschwistern und Freunden auch prsentieren, ins rechte Licht gerckt und auf optimale Wirkung hin inszeniert wie bei einer „richtigen“ Variet-Vorstellung. Und dazu ist es zwingend erforderlich, dass intensiv gebt, das heit nach einer Orientierungs- und Talentsuch-Phase auch an einer Sache drangeblieben wird.

    Nachdem jeder aufgerufen und eindeutig einer Gruppe zugeteilt worden ist, beginnen in verschiedenen Rumen die bungen. Es ist schn zu sehen, mit welcher Konzentration und mit welchem Eifer, aber auch mit welcher Freude die Kinder bei der Sache sind. Als Lehrkrfte sind drei Profis engagiert: Alexander Koplin (Jongleur), Burkhardt Schmidt (Pantomime) und Janina (Akrobatik), assistiert von einigen weiteren Betreuungspersonen, die sich aus den Lehrlingen (zum Veranstaltungskaufmann), dem Servicepersonal der Theaterbetriebe Holderried GmbH und anderen rekrutieren. Fr Essen und Trinken ist natrlich auch gesorgt. Die Eltern haben zudem die Mglichkeit, ber zeitnah ins Internet gestellte Fotos und kurze Videos schon tagsber oder am Abend zusammen mit ihren heimgekehrten Variet-Schlern zu verfolgen, was diese den Tag ber so getrieben haben.

    Die Gala am Samstag beginnt wie ein regulres Variet-Programm im TraumZeit-Theater auch: Die Beleuchtungsanlage samt rotierender Spiegelkugel tritt in Aktion, eine musikalische Einstimmung kommt vom Band und der Direktor begrt seine Gste. Zu den Klngen der „alten Kameraden“ marschieren die Kinder durch den Zuschauerraum in zwei langen, sich vor der Bhne durchkreuzenden Reihen ein. Die Lehrer haben sich als Rahmen am Anfang und Schluss des Programms einen poetischen Text ausgedacht, der unter einem sich drehenden groen Globus das Miteinander im Variet als Beispiel fr einen sorgsamen Umgang mit der Schpfung beschwrt. Dies wird von der Gruppe „schwarzes Theater“ mit bunten und bewegten Bildern illustriert. Danach zeigt eine grere Kindergruppe die Vielfalt des Jonglierens mit Tchern, Bllen, Keulen, Ringen und Tellern. Eine erste kurze Reprise der Clowntruppe leitet zu einer aus 10 Mdchen bestehenden Drahtseil-Demonstration ber. Die Akteurinnen, die sich gerade nicht auf dem Draht befinden, sind – unter Bercksichtigung ihrer unterschiedlichen Gre –hinter dem Drahtseilapparat aufgestellt. Durch diesen Kniff werden zum einen die mitlaufenden, das Gleichgewichtsgefhl der Akteurinnen sanft untersttzenden Betreuerinnen fast unsichtbar, zum anderen entsteht schon fast so etwas wie eine Bhnendekoration. Anschlieend fllt es dem „strksten Mann der Welt“ erstaunlich leicht, seine Hanteln hochzustemmen; beim Ablassen qult er sich dann aber schon wesentlich deutlicher mit dem schweren Gewicht herum. „Typisch, diese Mnner, lassen alles liegen“, meint danach ein die Bhne kehrendes, zierliches Mdchen und trgt das nicht mehr bentigte Requisit in der einen und den Besen in der anderen Hand hinaus. 6 weitere Mdchen fhren anschlieend vor, welche echt starken Tricks sie in der kurzen Zeit am Trapez gelernt haben, von ihrer Lehrerin Janina jeweils so hoch gehoben, dass sie das Trapez greifen knnen. Sogar ein kurzer Duo-Auftritt ist dabei. Die nchste Nummer mit mehreren, sich maschinenartig bewegenden Buben der Theater- und Zauberersparte bleibt fr die hinteren Pltze etwas rtselhaft, weil vor dem weien Hintergrundvorhang zwar die schwarzen TraumZeit-Theater-T-Shirts gut zur Geltung kommen, die brigen, teilweise etwas zu kleinen Requisiten sich aber kaum abheben. Die anschlieenden Varianten zum „Bienchen gib mir Honig“-Entree sorgen dagegen wieder fr Vergngen auf allen Pltzen, ebenso die weiteren Jongleure, die ihre Diabolos vorfhren und beweisen, dass man in so kurzer Zeit auch schon eine Passage lernen kann. Weibliche und mnnliche Fakire laufen auf frischen Glasscherben herum, spucken und schlucken Feuer und zeigen, dass man auf einem Nagelbrett liegend auch als Untermann fr eine pyramidenartige Skulptur aus weiteren Kinderkrpern dienen kann. In Verbindung mit dem bekannten Motiv „das Singen ist hier verboten“ ist die gesungene Geschichte von Rollmops und Hering (die da auf dem See schwammen bis zum bitteren Ende mit dem Hai) ein weiteres Highlight der Clowns. Die letzte Nummer der Jongleure ist optisch besonders ansprechend: UV-Licht macht die Akteure so gut wie unsichtbar und lsst ihre Blle, Ringe und Diabolos wie von Zauberhand bewegt im Raum schweben.

    Die akrobatische Schlussnummer von Janinas Schtzlingen verdeutlicht dann stellvertretend fr die anderen – die fr ein hnlich perfektes Resultat vielleicht noch ein paar Proben mehr gebraucht htten – besonders eindrucksvoll den pdagogischen Sinn der bungen und was eine solche wohl vorbereitete Variet-Schule in krzester Zeit zu leisten imstande ist: Da ist zunchst die Freude, die die Schler beim Agieren (nicht nur whrend der Auffhrungen) und die Zuschauer an den erlernten Leistungen (nicht nur bei den eigenen Kindern) haben. Wie viel Disziplin aufgebracht werden muss, wenn sich so viele Akrobaten gleichzeitig auf und hinter der kleinen Bhne bewegen mssen, wird unmittelbar erlebbar. Und wie kann das Lernziel „soziale Kompetenz“ eindrucksvoller umgesetzt werden als beim Pyramidenbau? Pyramiden gelingen nur, wenn jeder auf den anderen achtet, auf dessen Aktionen und Reaktionen reagiert und diese gegebenenfalls ausgleicht. Und wenn dabei so schne, exakt zusammenkomponierte Bilder entstehen wie in Backnang, dann bleiben kaum Wnsche offen. Auer vielleicht dem einen: Wie kann ich weitermachen? Doch, auch das geht. Vom 2. bis 6. November 2004 bietet Silvia Lichtenberg im TraumZeit-Theater einen Intensiv-Workshop fr Anfnger und Fortgeschrittene an unter dem Titel „Die Kunst der Jonglage“, mit den Schwerpunkten Blle, Keulen, Devilstick und Diabolo. Auch auf Teller, Ringe, Stockdrehen oder Pipe-Juggling kann eingegangen werden. Neben Erweiterung und Verfeinerung der Technik soll eine kleine Bhnennummer entstehen, die von den mindestens 10 und hchstens 18 Teilnehmern ab 12 Jahren zum Abschluss des Workshops auch vor Publikum prsentiert wird. hnlich aufgebaute Workshops in anderen Disziplinen sind bereits geplant.

    Whrend der Intensiv-Jonglierkurs neu im Angebot ist, wird im Deutschen Zauberzentrum, das sich ja ebenfalls unter dem Dach der Theaterbetriebe Holderried befindet, die seit Herbst 2003 bewhrte Zauberschule fortgesetzt. Der derzeit laufende Lehrgang ist auch fr 2005 ausgeschrieben. Kinder (ab 8) und Erwachsene (ab 14) ben getrennt zwei Stunden lang an jeweils vier Tagen in den Monaten Januar (+ 1. Februar), Mrz und Mai. Auf diesen dreiteiligen Grundkurs folgt ein aus zwei Kurseinheiten bestehender Fortgeschrittenenkurs, wiederum jeweils zwei Stunden an vier Tagen in den Monaten September und November 2005. Wer Grund- und Fortgeschrittenenkurs erfolgreich abgeschlossen hat, wird als Gast in die I. B. M. (= Internationale Bruderschaft der Magier) aufgenommen und dort ein Jahr lang von einem Mentor betreut. Nach diesem Gastjahr kann die Aufnahmeprfung in die I. B. M. beantragt und absolviert werden.

    Aber zurck zur Abschlussgala der diesjhrigen Variet-Schule, die nach den begeisternden Pyramidenbauern wieder unter den rotierenden Globus zurckfand. Mit dem Wunsch, die Trume von einer besseren Welt zu verwirklichen und in die Welt zu tragen, schloss das 75-mintige Programm. Die 60 Kinder versammelten sich noch einmal alle auf der Bhne und winkten ihrem Publikum zu. Ich denke, sie haben unter der Anleitung ihrer Variet-Lehrer sich und ihre Zuschauer ein Stckchen weitergebracht auf einem sehr sinnvollen Weg, der vom Miteinander und nicht vom Gegeneinander geprgt ist. Diese Woche wird ganz sicher in jedem der 60 Kinder eine positive Spur hinterlassen.

    Redaktion: Manfred Hilsenbeck

    Kontakt: www.variet-schule.de oder www. traumzeit-theater.de

    2004-09-15 | Nr. 44 | Weitere Artikel von: Manfred Hilsenbeck





    Copyright © 2008 Quibo e.K.
    Alle hier erwähnten Produkt- und Firmennamen sind Marken der jeweiligen Eigentümer. Trottoir-online ist ein Online-Magazin für Kleinkunst - redaktionell aufbereitete Themenbereiche: Variete, Kabarett, Circus, Comedy, Straßentheater mit Agentur-News und Terminen von Festivals, Premieren, Wettbewerben und Ausschreibungen, Workshops und Weiterbildung.